Erstmals können beim Überlinger Sommertheater auch Laiendarsteller ihr Talent unter Beweis stellen. Vor allem Kinder und Jugendliche scheinen dies kaum erwarten zu können. Während andere im Strandbad die Sonne genossen oder vor dem Fernseher WM-Fußball verfolgten, kamen am Samstagnachmittag mehr als 30 zum Casting in die Räume der Freien Kunstakademie. Peter Raffalt, der künstlerische Leiter des Sommertheaters, beobachtete deren Auftreten mit geschultem Blick und war am Ende regelrecht begeistert. "Ich bin beeindruckt, was für tolle Ideen und vor allem was für einen Mut ihr habt", zollte der österreichische Regisseur und Schauspieler Respekt und räumte später offen ein. "Das hätte ich mir in diesem Alter nie zugetraut."

Peter Raffalt, Regisseur und künstlerischer Leiter des Sommertheaters, war beeindruckt von Kreativität und Mut der jungen Laiendarsteller.
Peter Raffalt, Regisseur und künstlerischer Leiter des Sommertheaters, war beeindruckt von Kreativität und Mut der jungen Laiendarsteller. | Bild: Hanspeter Walter

Dieses Lob galt insbesondere den Improvisationen, bei denen die jungen Mimen viel Kreativität unter Beweis stellten. In Zweierszenen mussten sie sich etwas einfallen lassen, ehe jeweils einer von beiden der Reihe nach ausgewechselt wurde und den Dialog fortsetzen musste. "Wie geht es denn Ihrem Liebesleben?", war plötzlich zu hören und die Zaungäste lachten. Dann tauchte unversehens ein junger Mann auf, der "Hügel verkaufen" wollte. Auch was die Mimik angeht, entdeckte Peter Raffalt schon eine Handvoll Gesichter, die er sich gleich merkte.

Peter Raffalt, Regisseur und künstlerischer Leiter des Sommertheaters, gibt auch den Dirigenten und die Eisnätze für einen Kanon.
Peter Raffalt, Regisseur und künstlerischer Leiter des Sommertheaters, gibt auch den Dirigenten und die Eisnätze für einen Kanon. | Bild: Hanspeter Walter

"Spielen denn alle mit?", fragte die kleine Josefina beim Abschlussgespräch. Der Regisseur konnte ihr die Sorgen nehmen: "Ich würde gerne euch alle nehmen." Und Paula wollte wissen: "Singen wir da auch?" Peter Raffalt hat die Gruppe auch darauf schon mal einstimmt und mit den jungen Mimen den Kanon "Froh zu sein bedarf es wenig..." Auch einige Sprechübungen in verschiedener Gemüts- und Tonlage absolvierten die Kandidaten gemeinsam. Mal ganz ernst, mal heiter ertönt es: "Dort unten an dem fernen Nil, da steht ein kleines Krokodil..."

Genau wissen wollten die Jungen und Mädchen auch, worum es beim Familienstück geht, das in diesem Jahr erstmals im Programm ist: "Ist das die Geschichte von Aladdin und dem Geist Dschinn?" Klar, sagte der Regisseur. Einige Variationen des Märchens aus Tausendundeiner Nacht habe Raffalt allerdings schon eingeplant und erklärte, weshalb die Laienschauspieler zuvor einmal Affen, ein anderes Mal Pinguine in Szene setzen sollten. "In dem Stück werden auch Pinguine vorkommen", verriet er, "die sich auf ihrer Eisscholle in Bagdad verirrt haben." Für orientalische Marktszenen brauche es größere Menschenmengen, gab Raffalt zu verstehen. Deshalb ist ihm die große Zahl der interessierten Mitwirkenden gerade recht. Zumal nicht jeder zu jedem Termin zur Verfügung stehen wird. Bis zum nächsten Treffen am 29. Juni will der Theaterchef hier Klarheit haben.

Watscheln wie die Pinguine: Auch die Tiere vom Südpol werden beim Familienstück "Aladdin" gebraucht.
Watscheln wie die Pinguine: Auch die Tiere vom Südpol werden beim Familienstück "Aladdin" gebraucht. | Bild: Hanspeter Walter

Doch hat die große Zahl an Laiendarstellern auch eine Kehrseite. Zumindest für Kostümbildnerin Elke Gattinger, die sehr viele Outfits für die verschiedenen Rollen produzieren muss und schon mal Maß nahm, um die Haremshosen in der richtigen Länge zu nähen. Doch sie hat ebenso viel Routine wie der künstlerische Leiter, der in Wangen vor zwei Wochen schon mit den Proben begonnen hat. "Wir haben dort eine sehr gute Stimmung", sagte Peter Raffalt und lud die Überlinger schon mal zu einer Aufführungen ins Oberschwäbische ein. "Dann habt ihr schon mal einen Eindruck von dem Stück."