Wie kann ich mir als Erwachsener sicher sein, dass Kinder und Jugendliche sich nicht da aufhalten, wo sie nicht hingehören? Zum Beispiel zu später Stunde in den Festzelten der kommenden Fasnachtshöhepunkte und dort wo möglich stark alkoholisiert. Diese Frage stellten vier junge Männer von der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen, die am Fastnachtssamstag bei der Jugendfasnacht im Feuerwehrhaus am Eingang oder hinter der Theke stehen werden, bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung des städtischen Jugendreferats und der Polizei.

Zurückgehende Erziehungskraft

Leider stellten sich diese Fragen immer weniger Eltern, bedauerte Achim Kruzinski, vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Konstanz. Die zurückgehende Erziehungskraft der Eltern, wie es im Fachjargon heißt, wirke sich besonders nachteilig auf die 14- bis 15-jährigen Jugendlichen aus. "Die machen quasi die ersten Schritte und es gilt daher, sie ganz gezielt an die Hand zu nehmen. Das muss sauber laufen, sonst kann es ausarten. Werfen sie ein Auge darauf, dass ist enorm wichtig".

Ratschläge aus Sicht der Polizei, an die zehn im Überlinger Torhaus versammelten Mitglieder der Vereine und Schulen, die sich zur Jugendschutz-Schulung eingefunden hatten. Jonathan Köberle, Feuerwehr Überlingen, brachte sein Problem während bisheriger Veranstaltungen schnell auf den Punkt: "Die fragen uns ganz konkret, wo ist am meisten Alkohol drin, natürlich mit dem Ziel ganz schnell betrunken zu werden."

Krasse Bilder auf Bierdeckeln, die einen Jugendlichen auf der Intensivstation in Windeln zeigten, und die von der Polizei ausgegeben würden, fänden kaum Anklang, erklärte der Polizist. Es wäre nicht einfach, den Wunsch nach Umsatz, also Konsum, der Veranstalter und den Jugendschutz unter einen Hut zu bringen.

Keine Kompromisse

Deutschlandweit wurden 2017 mehr als 21 000 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert (Quelle: Spiegel Online). Die Dunkelziffer liegt vermutlich weitaus höher. In Überlingen, so attestierte Achim Kruzinski, unternähmen Stadt und Vereine schon viel. Dazu gehöre die Alterskennzeichnung mittels farbiger Armbänder. Juan Diabuno, Stadtjugendpfleger, nannte das "Boah-Projekt", die mobile Saftbar ohne Alkohol und die Begleitung der Jugendlichen-Gruppen zu später Stunde zum Bahnhof, als zwei weitere Präventiv-Maßnahmen bei der kommenden Fasnacht.

Keine Kompromisse fordert der Referent der Polizei in Punkto Jugendschutzgesetz und dieses sollte als gut sichtbares Plakat auch bei allen Veranstaltungen aushängen. Ein Jugendlicher zwischen 14 und 16 Jahren darf nur in Begleitung Personen- oder Erziehungsberechtigter Gaststätten besuchen und auch nur in dieser Begleitung und mit Erlaubnis Alkohol trinken. Eine gute Übersicht, wer was ab wann darf gibt die Internet-Seite: www. jugendschutz-aktiv.de, hier wird beispielsweise ein Jugendschutzrechner angeboten.

Augenmerk auf K.o.-Tropfen

Immer wieder werde es problematisch, so berichten die Teilnehmer der Schulung, wenn diese sogenannten berechtigten Begleitpersonen ihre Aufsichtspflicht vernachlässigten. Achim Kruzinski meinte dazu, die Eltern seien gut beraten, sich die Person genau anzusehen, der sie das Erziehungsrecht über ihr Kind übertragen wollten.

Der Veranstalter habe generell das Hausrecht und könne gegebenenfalls den Erwachsenen mit samt dem Jugendlichen vor die Tür setzen, erklärte dazu der Fachmann der Polizei. Ganz wichtig wäre es, dass die Aktiven der Vereine in den Lokalen und Festzelten die gesetzlichen Bestimmungen kennen und kompromisslos danach handeln würden. "Ein 14-Jähriger am Zapfhahn geht gar nicht", erklärte Kruzinski.

Besonderes Augenmerk gilt bei allen Veranstaltungen der Gefahr durch K.o.-Tropfen. Die Polizei rät zu erhöhter Aufmerksamkeit. Plastikdeckel zum Verschließen von Flaschen seien in den Festzelten erhältlich. Wer beim Verteilen von K.o.-Tropfen beobachtet würde, sollte festgesetzt und der Polizei übergeben werden, riet Achim Kruzinski auf die Frage eines Teilnehmers.

Auch wenn es sich, wie der Polizist anmerkte, nur um einige Personen handele, die zu Alkohol-Exzessen neigten: Durch sie könne es zu Aggressivität und sexualisierter Gewalt während oder neben einer Veranstaltung kommen. Deshalb gelte es durch kompromisslose Anwendung des Jugendschutzgesetzes diese Fälle zu verhindern.

Plichten des Erziehungsbeauftragten

Nach dem Jugendschutzgesetz § 2 Abs. 1 ist eine Übertragung der Aufsichtspflicht unter nachstehenden Bedingungen möglich. Ein entsprechendes Formular kann im Netz heruntergeladen werden.

Was sie als Erziehungsbeauftragter alles beachten sollten:

  • Eine Erziehungsbeauftragung fur Personen unter 16 Jahren ist nicht moglich.
  • Eine Erziehungsbeauftragung ist nur fur einzelne, klar abgegrenzte Veranstaltungen moglich. Eine pauschale Ubertragung fur andere Veranstaltungen, an denen der Jugendliche jemals teilnimmt, ist nicht moglich.
  • Eine erziehungsbeauftragte Person kann nur fur eine minderjahrige Person die Verantwortung ubernehmen.
  • Der Erziehungsbeauftragte muss sich im Falle einer Kontrolle sofort ausweisen konnen. (Personalausweis oder Fuhrerschein).
  • Erziehungsbeauftragte mussen wahrend der gesamten Veranstaltung in unmittelbarer Nahe der Jugendlichen bleiben.
  • Um ihrer Aufsichtspflicht angemessen nachzukommen, durfen Erziehungsbeauftragte nicht unter Einfluss von Alkohol oder anderen Rauschgiften stehen.
  • Die Erziehungsbeauftragten tragen dafur Sorge, dass der beaufsichtigende Jugendliche keinen Alkohol entgegen den gesetzlichen Bestimmungen konsumiert und raucht.
  • Erziehungsbeauftragte haben dafur zu sorgen, dass die beaufsichtigende Person sicher nach Hause kommt und gegebenenfalls vereinbarte Zeiten eingehalten werden.
  • Bei Nicht- oder Schlechterfullung der ubertragenen Aufsichtspflicht haften Erziehungsbeauftragte im Schadensfall zivilrechtlich nach § 662 BGB.
  • Sollten der Erziehungsbeauftragte die Veranstaltung ohne den zu beaufsichtigenden Jugendlichen verlassen, stellt dies eine Verletzung der Aufsichtspflicht dar.
  • Die Erziehungsbeauftragung ist ein Dokument und darf nicht gefalscht werden. Im Falle einer Urkundenfalschung droht ein Strafverfahren wegen Urkundenfalschung.