„Lassen Sie sich verzaubern“, wünschte Pfarrer Bernd Walter dem Publikum bei seiner Begrüßung im voll besetzten Pfarrzentrum, wo 30 Mädchen und Jungen, junge Männer und Frauen der Jugendkantorei Überlingen, nach Wochen intensiver Vorbereitungen ihre erste von vier Aufführungen des Musicals „Die Schneekönigin“ auf die Bühne brachten.

Die Geschichte der Schneekönigin, ein Märchen von Hans Christian Andersen, setzten Bernd und Imke Wilden in ein Musical um. Es handelt von den Freunden Gerda und Kay und der gefährlichen Suche nach Kay, der von den Splittern des Zauberspiegels in Herz und Augen getroffen und in das Reich der Schneekönigin entführt worden war. Zuvor hatte Kay noch mutig gesungen, „ich setz die Königin auf den Ofen, dann schmilzt sie, dann schmilzt sie“.

Viele Bilder von der Premiere am Freitagabend gibt es hier:

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Gleich in den ersten Szenen mit dem Schneesturm wird deutlich, dass die Theater-Technik eindrucksvolle Projektionen zaubern kann. Großes schauspielerisches Talent demonstriert der Rabe Krakelius von Krückenfuß, der sich als Gentleman „durch und durch bis zum Fuß“ vorstellt und Gerda helfen will auf ihrem Weg zum Schloss der Schneekönigin. Gerda im roten Schneeanzug singt klagend, „Ach Kay, was ist geschehen, werd‘ ich dich wiedersehen?“

Krone aus Joghurtbecher

Was Kostüme und Bühnenbild angeht – sie sind alle selbst gemacht und mittels Upcycling zu gebrauchen. Das demonstrieren in der schönen Ballett-Szene die weiß gekleideten Tänzerinnen mit Papierrollen im Haar und auch der missmutige König, der eine Krone aus Joghurtbecher trägt und im aggressiven Sprechgesang sein Schicksal beklagt: „Regieren ist eine schwere Plicht, doch ohne Regieren geht es nicht“. Gerda hat noch einen weiten Weg zu gehen, denn in diesem Schloss ist Kay nicht zu finden.

Die Schneekönigin, in der Premiere von Theda-Linn Stoklas überzeugend vorgetragen. Ihr Kleid bestand aus weißen Säckchen, die nach der Vorstellung ans Publikum verteilt wurden mit dem klaren Auftrag, weniger Müll beim Einkaufen zu produzieren.
Die Schneekönigin, in der Premiere von Theda-Linn Stoklas überzeugend vorgetragen. Ihr Kleid bestand aus weißen Säckchen, die nach der Vorstellung ans Publikum verteilt wurden mit dem klaren Auftrag, weniger Müll beim Einkaufen zu produzieren. | Bild: Reiner Jäckle

„...weil ihr uns die Zukunft raubt“

Im zweiten Teil nach der Pause geht es turbulent zu, als Gerda in eine Räuberhöhle entführt wird. Im Schneeflocken-Tanz mit großen durchsichtigen Bällen skandieren die Mädchen den Text, der seit den Auftritten der Aktivistin Greta Thunberg populär geworden ist, „wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft raubt“. Der Aufforderung zum Aufstehen kam das Publikum allerdings etwas zögerlich nach.

Tränen schmelzen das Eis

Gerda wird nach der Befreiung aus der Räuberhöhle von einem Rentier nach Lappland begleitet. Zu leiser, geheimnisvoller Musik kommen Gerda und das Rentier in das Schloss der Schneekönigin, die hoch erhoben in der Mitte des Eispalastes im weißen Reifenkleid vor dunklem Hintergrund steht und in einer eindrucksvollen Szene ein Klagelied singt. „Die Kälte macht uns stark, Gefühle machen uns weich – vollkommene Welt ist die Welt aus Eis – eine eishaltige Ewigkeit“. Gerda sieht Kay, der starr in der Kälte sitzt. Gerda weint um ihn und ihre Tränen lassen sein Eisherz schmelzen und die Splitter verschwinden mit dem Zauberwort ‚Ewigkeit‘ Die beiden dürfen losziehen. Der Bann ist gelöst. Sie singen „wir halten zusammen, weil wir Freunde sind“.

Großer Beifall

Man konnte erleben, dass die engagierten jungen Bühnendarsteller in den vergangenen Monaten gelernt haben, selbstsicher aufzutreten und zu agieren. Das Finale mit dem gesamten Ensemble auf der Bühne war ein mitreißender Höhepunkt der Aufführung. Das Premiere-Publikum spendete stehend lang anhaltenden Beifall für die starke Leistung der jungen Darsteller.

Zwei Fragen an die Hauptdarsteller: Was war für euch die schönste Szene? Welche Botschaft wolltet ihr vermitteln?

Miguel Martins (Kay): „Als sich Gerda und Kay wieder finden. Umweltbewusstsein stärken, Plastik radikal reduzieren.“

Helena Müller (Gerda): „Als Kay aufwacht und als Mensch zurück kommt. Anfangs war ich skeptisch, doch sollte man nicht so viel wegwerfen.“

Theda-Linn Stoklas (Schneekönigin): „Die Räuberszene. Umwelt bewusster leben. Und: Es ist wichtig, Freunde zu haben.“