Die Kleinläden, Nahversorger und Supermärkte stehen in Zeiten der Corona-Krise vor einer Reihe von Problemen. Wie werden die Händler in Überlingen mit ständigem Nachschub an Waren versorgt und wie sieht es mit Hamsterkäufen in der Region aus? Immer wieder hört man davon, dass zum Beispiel Toilettenpapier Tage lang fehle.

Das Wichtigste: Versorgung wird weiterhin klappen

Joachim Nabholz von Jona's Nahkauf in Überlingen sagt: „Wir haben allgemein eine gute Versorgunglage. Es klappt alles perfekt und das Wichtigere, es wird auch weiterhin klappen.“ Nur vereinzelt könnten Produkte einmal ausverkauft sein, so wie die „Klassiker“ Nudeln oder Toilettenpapier, die gehamstert würden. Der Nahkauf von Nabholz werde von der Rewe Gruppe beliefert, und diese könne die Versorgung zu 100 Prozent gewährleisten. Nur spezielle Produkte, Nabholz nennt als Beispiel ein toskanisches Olivenöl, könnten einmal vergriffen sein. „Insgesamt ist die Lage entspannt, wir haben eine hohe Lieferungsfrequentierung und sind durch gute Lieferstrukturen von Rewe gesichert“, so Nabholz.

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Darüber hinaus sei die Grundversorgung auch durch regionale Lieferanten abgedeckt, die auch kurzfristig, wenn ein Produkt wie Mehl ausverkauft sei, noch liefern könnten. Es gebe laut Nabholz also zwei Gründe für die sichere Versorgung: „Erstens die erhöhten Lieferstrukturen von Rewe und zweitens regionale Lieferungen, und diese sogar kurzfristig.“ Andere Supermärkte, die von Hamburg oder München und seltener beliefert würden, hätten eher Probleme. Hamsterkäufe kämen bei Jona's Nahkauf nur selten vor, aber es hätte schon Leute mit zuviel Masse eines Produkts gegeben, die die Verkäufer dann zurückgewiesen hätten.

Auch Toilettenpapier wird nachgeliefert

Auch beim Edeka-Markt Knoblauch in Uhldingen-Mühlhofen sei grundsätzlich die Warenversorgung gegeben, sagt der Marktleiter Dominik Kohl. Allerdings käme es gelegentlich zu Lieferverzögerungen. „Wir bekommen zwei mal die Woche Ware. Heute hätten wir welche bekommen sollen, aber das wurde auf Samstag oder Montag verschoben“, sagt Kohl. Es gebe über 2500 Edekamärkte in Deutschland. Dadurch käme es auch vor, dass Toilettenpapier, was häufig gehamstert würde, das ein oder andere mal ausverkauft sei. Es käme aber nach. Sie hätten deshalb auch bei manchen Produkten die mögliche Kaufmenge auf zwei oder drei Packungen begrenzt. Kohl rät zu solidarischem Handeln der Bevölkerung.

Die Menschen kochen mehr frisch zu Hause

Franco De Sanctis besitzt einen Feinkosthandel in Überlingen. Er ist von Hamsterkäufen nicht betroffen und die Menschen kaufen bei ihm auch nur haushaltsübliche Mengen ein, sagt er. Einzelne Produkte, zum Beispiel Teig- oder Käsewaren, seien manchmal schwer aus Italien zu bekommen. Bei Obst und Gemüse gebe es allerdings keine Engpässe. „Wir sehen auch, dass der Wochenmarktverkauf steigt. Vielleicht favorisieren es die Menschen, nicht im großen Supermarkt und dafür mit mehr Qualität einzukaufen“, vermutet De Sanctis. Vielleicht liege es auch daran, dass vermehrt daheim gekocht werde, anstatt in die Stadt essen zu gehen.

Mitarbeiter arbeiten an der Belastungsgrenze

Sascha Damaschun, Geschäftsführer der Bodan Großhandel für Naturkost GmbH, sagt: „Die allermeisten Produkte sind gut verfügbar. Die erhöhte Nachfrage sorge allerdings dafür, dass alle an der Belastungsgrenze arbeiten.“ Hersteller fahren Sonderschichten, die Mitarbeiter am Firmensitz zeigen außerordentlichen Einsatz. Fahrer und Ladekapazitäten seien ausgelastet. Damaschun sagt weiter: „Aufgrund der Gesamtsituation in Europa und der Grenzschließungen kann es bei einzelnen Produkten Lieferverzögerungen oder Nachschubschwierigkeiten geben. Wir sollten uns darauf einstellen, dass nicht in allen Produktgruppen immer die ganze Palette verfügbar sein wird.“

Es ist genug für alle da

Der Großhandel sei in engem Austausch mit Bio-Einzelhändlern in ganz Süddeutschland. Leere Regale seien dort eher die Ausnahme. Auch Sascha Damaschun sieht die starke Lebensmittelnachfrage nicht nur aus erhöhter Bevorratung hervorgehen, sondern an einem erhöhten Grundverbrauch. Das könne man daran ablesen, dass nicht nur die Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln gestiegen sei, sondern auch nach frischem Obst und Gemüse. „Die Leute essen einfach mehr daheim, kochen selbst“, sagt er. Er hält es außerdem für angebracht, die Kunden zu solidarischem Handeln aufzufordern. Jeder solle nur haushaltsübliche Mengen einkaufen. Es sei genug für alle da.