Sandra Simovich, israelische Generalkonsulin in München, hat sich am Dienstag im Ratssaal die jüdische Bomberg-Bibel von 1521 angesehen und sich anschließend ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Oberbürgermeister Jan Zeitler lud Simovich auch zur Landesgartenschau 2020 ein.

Handschriftliche Randbemerkungen machen Bibel außergewöhnlich

Die Generalkonsulin legte eigens wegen der Bibel in Überlingen einen Zwischenstopp ein. Sie war auf dem Weg nach Konstanz, wo sie die Baustelle der neuen Synagoge besuchte, die am 28. Juli eröffnet wird. Simovich zeigte sich beeindruckt von dem wertvollen Buch aus den Beständen der Leopold-Sophien-Bibliothek (LSB). Es sei die erste Bomberg-Bibel, die sie sehe und "etwas Besonderes", sagte sie. Kulturamtsleiter Michael Brunner und Bibliothekarin Claudia Vogel stellten die hebräische Bibel vor. Ihre Außergewöhnlichkeit machen vor allem die handschriftlichen Randbemerkungen aus, die derzeit erforscht werden.

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Wiederentdeckung rief großes Echo hervor

Die Bibel, die Daniel Bomberg in Venedig druckte, war wohl nur für den jüdischen Gebrauch bestimmt, 1523 gelangte sie an Kaspar Schatzgeyer, der ein hoher Franziskaner und Inquisitor war und den Auftrag hatte, "ketzerische" Bücher zu verbrennen. Doch die jüdische Bibel, von der man nicht genau weiß, wie sie in die LSB gelangte, entging den Flammen. Die Randbemerkungen deuten laut Brunner darauf hin, dass Franziskanermönche bereits 1523 beabsichtigten, auch nördlich der Alpen eine hebräische Bibel herauszugeben. Presseartikel über die Wiederentdeckung der Bibel in diesem Jahr riefen ein großes Echo hervor, erzählte Brunner Simovich. So habe sich etwa die Unibibliothek Tübingen gemeldet, die auch zwei Bomberg-Bibeln besitze, ebenfalls mit Marginalien.

Hoher Sicherheitsaufwand beim Besuch der Generalkonsulin

Simovich ist seit August 2017 israelische Generalkonsulin in München und in dieser Funktion für fünf Bundesländer zuständig, darunter Bayern und Baden-Württemberg. Ihr Besuch am Bodensee war mit sehr hohem Sicherheitsaufwand verbunden. Das Treffen in Überlingen hatte Michael Dörr vermittelt, Geschäftsführer der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, der in Meersburg lebt.