Sein Krächzen im Wald ist unverwechselbar. Gern wird der scheue Eichelhäher wegen dieses Warnrufs auch als Waldpolizist bezeichnet, der auf ungebetene Eindringlinge hinweist. Meist sieht man den recht großen Vogel, der zu den Rabenvögeln gehört, allenfalls zwischen den Bäumen vorbeihuschen, an der Größe und dem weißen Bürzel ist er meist leicht zu identifizieren. Er lebt zwar in kleinen Gruppen, doch begegnet man dem Eichelhäher eher als Einzelgänger und trifft ihn außerhalb des Waldes selten an.

Allein am Freitag 45.000 Vögel

Anders in den vergangenen Tagen: Ganze Trupps des Rabenvogels fielen nicht nur in Überlinger Gärten ein. Verwundert rieben sich die örtlichen Ornithologen die Augen, als sie durch ihre Ferngläser blickten. Allein am Freitag zählten Detlef Koch vom Naturschutzbund und einige Mitstreiter rund 45.000 Eichelhäher.

Das könnte Sie auch interessieren

Vogelkundler haben Routine im Zählen

„Der Zugtag verlief wieder vor großartiger Kulisse spektakulär, der Zug hielt aber nur bis etwa 11.30 Uhr an“, notierte Koch am Samstagvormittag an der Luisenhöhe. „Eichelhäher flogen ab 7.45 Uhr in kleinen Trupps, ab 8 Uhr dann im Massenzug.“ In der ersten Stunde registrierten die Ornithologen nach eigenen Angaben rund 6000 Vögel. So schwierig diese Erfassung für Laien sein mag: Die Vogelkundler, die auf Zugbeobachtungen spezialisiert sind, haben dabei eine erstaunliche Routine. Eine Stunde später sei der Zug noch intensiver geworden, berichtet Detlef Koch. Insgesamt 12.000 Tiere seien bis 10 Uhr erfasst worden. Insgesamt kommt der Ornithologe im Verlauf dieses Vormittags so auf rund 27.000 Eichelhäher.

Zuletzt im Herbst 1978 rund 45 000 Vögel registriert

„Das ist der größte Massenzug von Eichelhähern, der bisher hier beobachtet wurde“, staunt selbst Routinier Detlef Koch über das spektakuläre Ereignis. Zuletzt seien im Herbst 1978 einmal insgesamt 45.000 registriert worden. „In den letzten Wochen waren es inzwischen mehr als 100.000,“ sagt Koch. Wobei der Eichelhäher kein Zugvogel im klassischen Sinn ist, sondern wohl nur innerhalb von Europa von Nordosten nach Südwesten zieht. Allerdings verlaufen diese Züge sehr unregelmäßig, wie das diesjährige Beispiel zeigt.