Der Name war von Anfang an Programm: „knallaktiv – Begegnung inklusive“ heißt der Treffpunkt für Menschen mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung, den es seit fünf Jahren im Gemeindepsychiatrischen Zentrum (GpZ) Überlingen gibt. Das Angebot ist ein Erfolg geworden. Rund 40 Veranstaltungen stehen jährlich auf dem Programm, so etwa regelmäßige Spieleabende, eine Singgruppe, Sport-, Handarbeits- und Englischkurse, Vorträge, Konzerte, Wanderungen.

Sein Fünfjähriges feierte „knallaktiv“ im Rahmen einer Adventsfeier. GpZ-Mitarbeiterin Astrid Hermann, die den Treffpunkt seit seinem Start leitet, erinnerte an die Anfänge. Eine hoch motivierte Projektgruppe von Leuten mit und ohne Psychiatrie-Erfahrung hatte ihn 2014 aus der Taufe gehoben, binnen Wochen erfolgte vom Sozialministerium die Bewilligung von Fördermitteln, die inzwischen allerdings ausgelaufen sind. Alleiniger Kostenträger ist heute das GpZ.

Projekt hat erst langsam Fahrt aufgenommen

„Wir verdienen damit kein Geld, aber es geht ja nicht nur ums Geld“, betonte Ingo Kanngießer, Geschäftsführer des GpZ. Kanngießer, der Hermann und ihren Mitstreitern für ihr großes Engagement dankte, gestand: „Ich war anfangs ein Skeptiker, ob das angenommen wird, aber ihr alle habt mich eines Besseren belehrt.“ Das GpZ sei dank „knallaktiv“ mit der Integration in Überlingen vorangekommen. „Dass wir durch euer Engagement eingebunden und nicht nur angebunden sind an Überlingen, ist die Basis für unser Vorhaben, Begegnungen zu organisieren zwischen Menschen, die Psychiatrieerfahrung haben und solchen, die keine haben“, sagte Kanngießer.

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Hermann räumte ein, nach dem ersten öffentlichen Aufruf, dass man Leute suche, die sich mit ihren Fähigkeiten etwa als Kursleiter, einbringen wollten, habe das Projekt erst langsam Fahrt aufgenommen, sei aber mit der Zeit immer mehr ins Rollen gekommen. Das regelmäßige Angebot startete mit einem Tai-Chi-Kurs, den Hermanns Mann leitete. Dann kam ein Go-Abend, der später zum Spieleabend erweitert wurde, dazu. Eine Singgruppe organisierte sich um Leute, die Instrumente spielten, etwa Elke Schörner, Sigi Knöpfler und Julian Dütting, die auch am Adventsabend musizierten.

Barrieren abbauen, auch die in den Köpfen

So kam eins zum andern, wie auch der Diavortrag von Franz Gaißmaier illustrierte. „Wow“, dieser Kommentar von Julia, die seit Jahren zu „knallaktiv“ kommt, fasste den umfangreichen Tätigkeitsbericht ebenso knapp wie treffend zusammen. Die Singgruppe besuchen laut Hermann im Schnitt 25 Menschen, die Spieleabende zwölf bis 18 Interessierte. Die Teilnahme an allen Angeboten ist ganz zwanglos und kostenlos. Man will das Angebot bewusst niederschwellig halten. Schließlich ist das Ziel von knallaktiv, Barrieren abzubauen, auch die in den Köpfen. Tatsächlich kommen laut Hermann im Schnitt mehr Menschen ohne als mit Psychiatrieerfahrung zu den Treffen.

Von Anfang an, betonte Kanngießer, „war es bewusst so, dass die Engagierten selbst bestimmen können, was sie machen, wie sie heißen wollen.“ Über die Namensfindung machte man sich einige Gedanken, erzählte Hermann: Zu den Vorschlägen gehörten etwa Oase oder Café Inklusiv, bis das vieldeutige „knallaktiv“ das Rennen machte, „weil wir auch zu dem Schluss kamen: Einen Knall hat irgendwie jeder.“