Das Migrationsteam aus Ziehmüttern, Piloten und Waldrappen hat diese Woche zuerst den Flugplatz Thiene am Nordrand der Po-Ebene und dann Borgo San Lorenzo nördlich von Florenz erreicht, wie das Waldrappteam mitteilt.

In nur drei Flugetappen mit einer Gesamtstrecke von 408 Kilometern wurden die Alpen überquert. Anschließend führte der Zug durch die Po-Ebene und über den Apennin.

Über Seen und Berge führt die Route ins Winterquartier. Für die Vögel ist die Strecke kein Problem – nur Adlerattacken gefährden sie.
Über Seen und Berge führt die Route ins Winterquartier. Für die Vögel ist die Strecke kein Problem – nur Adlerattacken gefährden sie. | Bild: Waldrappteam LIFE Northern Bald Ibis

Für die Strecke von 190 Kilometern ab dem Reschenpass an Meran und Bozen vorbei bis nach Thiene waren mindestens viereinhalb Stunden veranschlagt. "Tatsächlich landete das Team bereits nach drei Stunden und 45 Minuten", teilt das Waldrappteam mit.

Unterwegs ließen sich die Vögel bis auf eine Höhe von 2200 Metern führen. So seien die Südtiroler Berge geradlinig überflogen worden. "Selbst eine Adlerattacke kurz vor Meran konnte den Rekordflug nicht stoppen. Die Waldrappe reagierten sehr rasch und suchten die Nähe der Fluggeräte", so die Wissenschaftler.

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Landewiese in Borgo San Lorenzo brauchte das Migrationsteam am Donnerstag vier Stunden und 25 Minuten. Die Ziehmütter, Piloten und Waldrappe legten bis dorthin 225 Kilometer zurück. "Super Thermik hob uns am Apennin auf 1200 Meter. Damit war die Querung des Passes eine Leichtigkeit", berichtet das Waldrappteam. In der Po-Ebene seien die Vögel meist in V-Formation geflogen.

Flug nach Thiene im Rahmen der menschengeführten Migration 2018. Begleitet und geführt werden die Waldrappe aus Überlingen-Hödingen von zwei Motorschirmtrikes.
Flug nach Thiene im Rahmen der menschengeführten Migration 2018. Begleitet und geführt werden die Waldrappe aus Überlingen-Hödingen von zwei Motorschirmtrikes. | Bild: Waldrappteam LIFE Northern Bald Ibis

Das ist für die Wissenschaftler interessant. Denn: Im Rahmen eines vom Österreichischen Wissenschaftsfonds finanzierten Forschungsprojekt wird untersucht, wie und warum viele Zugvögel wie der Waldrapp in V-Formationen fliegen. Dazu tragen die Vögel während einiger Flüge speziell entwickelte GPS-Datenlogger. Zudem kooperiert das Team mit der Icarus Global Observation System GmbH, die eine Technologie zur Tierortung entwickelt. Die Waldrappe tragen Prototypen dieser fünf Gramm schweren Sender und liefern den Ingenieuren Informationen zur Optimierung des Systems.

Insgesamt sind 21 Personen bei der menschengeführten Migration dabei. Lediglich vier von ihnen mit den Waldrappen in der Luft. Nach einem Fuchsangriff hat sich die Vogel-Gruppe auf 29 Tiere reduziert. Die beiden verletzten Waldrappe können nach dem Zwischenfall in der Voliere derzeit nicht starten.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei Zwischenlandungen werden die Motorschirmtrikes aufgetankt – und auch die Waldrappe mit dem Nötigen versorgt. Laut Waldrappteam können die Vögel die langen Flugstrecken aber sehr gut bewältigen. Zwischen den Etappen liegen jeweils ein bis eineinhalb Tage Pause. Die Waldrappe verbringen dann viel Zeit mit ihren Ziehmüttern – vor allem in der Voliere. In Borgo San Lorenzo harrten die beiden Frauen sogar im Gewitter bei ihren Schützlingen aus.

Am 15. August waren sie in Überlingen-Hödingen gemeinsam zum Zug über die Alpen gestartet. Ziel ist das Winterquartier Laguna de Orbetello in der Toskana.

Video: Andreas Strobel

Das Projekt

Das Waldrapp-Team möchte mit dem Projekt „Reason for Hope“ (Grund zur Hoffnung) die Wiederansiedlung des Waldrapps vorantreiben. Die Waldrappe werden aufgezogen und von den Menschen beim Zug über die Alpen begleitet. Ziel ist, dass die Vögel, sobald sie geschlechtsreif sind, in ihr Abfluggebiet zurückkehren und dort brüten. Die Waldrappe werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Projekt­­stand­­­­orte sind die Brutgebiete Burghausen (Bayern) und Kuchl (Österreich), das Trainingscamp in Überlingen sowie das Wintergebiet in der Toskana.