Die Männer steigen über Zäune und streifen durch private Gärten. Im Rahmen der Gewässerschau entlang des Nellenbachs dürfen sie das. „Der Bach fließt in diesem Bereich nicht durch eigene Flurstücke, sondern durch private Grundstücke“, erläutert Niko Clauß vom Tiefbauamt. Er geht an diesem Tag zusammen mit Thomas Bechter vom Amt für Wasser und Bodenschutz beim Landratsamt, Rainer Längle vom Betriebshof und Michael Brantner vom Grünflächenamt den Bachlauf bis zur Bundesstraße 31 hinauf. 

So sollte der Lauf des Nellenbachs überall aussehen: flach abfallende Uferbereiche, standortgerechte Pflanzen und keine abgestellten Gegenstände.
So sollte der Lauf des Nellenbachs überall aussehen: flach abfallende Uferbereiche, standortgerechte Pflanzen und keine abgestellten Gegenstände. | Bild: Sabine Busse

Wassergesetz schreibt Überprüfung vor

Laut Wassergesetz des Landes muss regelmäßig überprüft werden, ob die Anwohner oder Grundstückseigentümer die Auflagen erfüllen und eine fünf Meter breite Uferzone frei von „beweglichen Teilen oder nicht standortgerechter Bepflanzung“ halten.

Los geht es am Friedhof, wo der Nellenbach im Untergrund verschwindet. Hier hält ein Rechen aus Metallstäben größere Dinge auf, die der Bach mitbringt. „Nach dem Unwetter haben wir hier einen Gartenstuhl aus Metall, Plastiksäcke und vieles mehr rausgeholt“, erinnert sich Rainer Längle. Mit seinen Kollegen vom Betriebshof kommt er ein Mal in der Woche vorbei und säubert den Rechen.

An diesem Rechen neben dem Friedhof staute sich nach dem schweren Unwetter im Juni das Wasser, weil er mit Gartenmöbeln, Plastiksäcken und Unrat verstopft war.
An diesem Rechen neben dem Friedhof staute sich nach dem schweren Unwetter im Juni das Wasser, weil er mit Gartenmöbeln, Plastiksäcken und Unrat verstopft war. | Bild: Sabine Busse

Das Unwetter vom 15. Juni ist allen noch gut in Erinnerung. Ein starkes Gewitter hatte den Nellenbach anschwellen lassen. Das Wasser staute sich an dem verstopften Rechen und überflutete mit dem Regenwasser, das die Straße herunterfloss, die Zimmerwiese und den Bahnhof.

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Keine Komposthaufen nah am Ufer erlaubt

Nur wenige Meter hinter dem Rechen stoßen die Experten auf einen dicht am Ufer angelegten Komposthaufen und einen Schuppen. „Das kann bei einem Hochwasser alles mitgeschwemmt werden und den Rechen verstopfen“, erläutert Clauß, nimmt das ins Protokoll auf und macht Fotos. Michael Brantner ergänzt: „Dazu sorgt der Kompost für einen starken Stickstoffeintrag, der sich auf den Bewuchs auswirkt und die natürlichen Pflanzen verdrängt.“

Eigentlich seien so dicht am Bach auch keine Schuppen erlaubt, aber dieser habe Bestandsschutz. Allerdings müsse sich der Eigentümer um einen besseren Zustand kümmern, damit keine morschen Balken in den Bach fallen.

Prüfer stoßen auf mehrere illegale Pumpen

„Was ist das Blaue da im Wasser?“, wundert sich kurz darauf Niko Clauß. Rainer Längle schaut nach und zieht den Ansaugstutzen einer Wasserpumpe heraus. Die daran hängende Leitung führt zu den oberhalb stehenden Neubauten. „Das ist eine illegale Wasserentnahme“, stellt Thomas Bechter fest. Die Anwohner dürfen Wasser zum Gießen mit Gefäßen aus dem Bach holen, aber keine Pumpen einsetzen, erklärt er. Es wird nicht die einzige Pumpe bleiben, die die Männer an diesem Tag finden.

Rainer Längle vom Betriebshof in Überlingen zieht eine illegal im Bach installierte Pumpe aus dem Wasser.
Rainer Längle vom Betriebshof in Überlingen zieht eine illegal im Bach installierte Pumpe aus dem Wasser. | Bild: Sabine Busse

Niko Clauß nimmt alles auf. Auch einen unerlaubterweise direkt am Wasser mündenden Zaun, ein Gerätehaus am Ufer und eine zur Befestigung gezogene Mauer vermerkt er. Das müsse alles zurückgebaut werden.

Im hinteren Teil des Ufers wurde eine Mauer gezogen und Zäune sowie ein Bambus stehen direkt am Wasser. Niko Clauß vom Bauamt notiert die Mängel.
Im hinteren Teil des Ufers wurde eine Mauer gezogen und Zäune sowie ein Bambus stehen direkt am Wasser. Niko Clauß vom Bauamt notiert die Mängel. | Bild: Sabine Busse

Bei einigen nicht erwünschten Pflanzen wägen die Experten ab. Die Regel sagt, dass in Bachnähe nur „standortgerechter Bewuchs“ stehen sollte. Der üppige und gesunde Buchsbaum gehört nicht dazu, darf aber bleiben, weil von ihm keine Gefahr ausgeht, befinden die Experten. Anders ist das bei einem Bambus. „Die sind meistens ohne Wurzelsperre gepflanzt worden und wuchern immer weiter. Die bekommt man nicht mehr in den Griff“, erläutert Thomas Bechter.

Anwohner erhalten Frist zur Mängelbeseitigung

Während sich die Experten den Bach hinauf arbeiten, füllt sich die Mängelliste. Niko Clauß wird die Eigentümer anschreiben, die eine Frist bekommen, den Missstand zu beheben. Bußgelder werden noch nicht verhängt. Erst bei wiederholtem Verstoß gegen die Auflagen müsse man darüber nachdenken, sagt er.

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Ein Stück weiter entdecken die Männer noch einen alten Baumstamm im Wasser. Der darf als Lebensraum für Tiere bleiben, wird von den Mitarbeitern des Betriebshofs aber gesichert, damit er nicht weggeschwemmt werden kann.