Kurz vor Weihnachten hielten 20 schneeweißen Sussex-Hühner Einzug, in deren Mitte souverän ein großer brauner Hahn stolziert. Die Jungen und Mädchen staunten nicht schlecht, wie wohl sich das Federvieh in seinem neuen Zuhause fühlte. „Ich finde die Hühner toll“, freute sich der kleine Felix bei der „Begrüßungsfeier“ auf dem Bauernhof im nahen Feigentalweg. Wie es zu dem ungewöhnlichen Ereignis kam, rekapitulierte Schulleiterin Anja Neumaier für alle Jungen und Mädchen bei einem wärmenden Punsch im Stuhlkreis unter freiem Himmel.

Die Hühner waren ein Herzenswunsch

Gemeinsam hatten der Obsthof und die Schule im Frühjahr 2015 für ihr Streuobstprojekt einen der 20 Preise der Stiftung Naturschutzfons erhalten. Dafür hatte es im Stuttgarter Neuen Schloss nicht nur eine Urkunde aus den Händen von Minister Alexander Bonde gegeben, zum Preis gehörten auch jeweils 1000 Euro. „Was machen wir mit dem Geld?“ hatten sich Schulleiterin Anja Neumann und Antonia Kitt schon auf der Zugfahrt in die Landeshauptstadt gefragt. „Ich hätte so gerne Hühner“, habe Kitt schon damals gesagt und sie selbst habe als Schulleiterin eingestimmt: „Ich auch!“ Nicht minder begeistert seien schon damals die mitgereisten Schüler gewesen.

„Hier unter dem Nussbaum haben wir später gesessen“, erinnert sich Anja Neumaier, „und haben überlegt, ob wir es Ernst meinen.“ Sie meinten es Ernst, machten sich gemeinsam auf die Suche nach einem Hühnerhaus und entwickelten die Idee weiter. Mit dem Preisgeld konnten die Partner ein Bienenhaus kaufen, in das Bernhard Kitt alles einbaute, was eine Behausung für Hühner eben braucht. Zum wichtigsten zählen die Nester für die Eier. Doch auch Räder sind dran, damit das mobile Haus mit seinem Federvieh auch mal umziehen kann.

Nach den Sommerferien durfte sich eine Gruppe daran machen, das Land für den Hühnerstall und den ersten Auslauf vorzubereiten. „Eine Woche lang haben wir hier jeden Tag geschuftet“, erinnerte Neumaier ihrer Helfer. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Markus Matzner bauten eifrige junge Handwerker sechs Legenester und stellten sie auch den Mitschülern vor.

Auch ein Hahn darf nicht fehlen

Haus- und Hofherrin Antonia Kitt war es vorbehalten, bei Geflügelzüchter Zoch in Stockach mit Unterstützung von Hühnerexpertin Brigitte Bussmann aus Meersburg die 20 Sussex-Hühner abzuholen. Da zu jedem Hühnervolk auch ein ordentlicher Hahn gehört, schenkte Bussmann den frisch gebackenen Hühnerhaltern einen „Italiener“. Die Zusammenführung habe bestens funktioniert, berichtete Kitt, auch die Hennen hätten sich im Dezember gut in der neuen Heimat eingelebt. „Am Anfang wollten sie abends zwar noch nicht auf die Stange sitzen“, erzählte Antonia Kitt den Kindern. Doch ihr Mann habe sich nachts in den Stall geschlichen und es ihnen beigebracht.

„In den ersten Tagen haben sie auch noch gar keine Eier gelegt“, berichtete Antonia Kitt, „und wir haben uns gefragt: Was ist denn da los? Ein Huhn muss doch ein Ei legen.“

Erst war es ein Ei, dann wurden es langsam mehr. Doch hätten sie überall gelegen, nur nicht im Nest. Auch das mussten die Kitts ihren gefiederten Schützlingen erst beibringen. Inzwischen klappt es. Damit das Frühstücksei auch seinen Platz hat und nicht zu schnell auskühlt, schenkte Schulleiterin Anja Neumaier den Kitts als Dank für die Partnerschaft mit der Schule neben Eierbechern auch die wärmenden Häubchen dazu.

 

Die Projekte

Im März 2015 war von der Stiftung Naturschutzfonds der 17. Landesnaturschutzpreis unter dem Motto „Vielfalt in Streuobstwiesen – Wir machen mit!“ vergeben worden. Zu den 20 Preisträgern, die im Stuttgarter Neuen Schloss ausgezeichnet wurden, gehörten unter anderem die Franz-Sales-Wocheler-Schule und der Obsthof Kitt aus Überlingen mit ihrem gemeinsamen Projekt im Rahmen ihrer Bildungspartnerschaft.

Mit Schulleiterin Anja Neumaier und Projektleiter Christopher Rieck widmen sich schon seit 2012 Schüler der Jahrgänge vier bis sieben einer kleinen Streuobstwiese, auf der sie selbst 20 Bäume gepflanzt haben. Nicht nur diese jungen Bäume pflegen sie gemeinsam mit dem Landwirt, sie beobachten auch die Entwicklung alter Bäume und dürfen auch mal bei der Ernte des Fallobsts mithelfen. „Welche Anstrengungen sind nötig, bis beispielsweise ein Apfel auf unserem Tisch liegt?“, lautet eine der Leitfragen, mit denen sich die Schüler auseinandersetzen. Ähnlich spannende Erfahrungen sollen sie in diesem Jahr nun erstmals mit den Hühnern machen. Im Wechsel werden feste Gruppen dem Federvieh wöchentlich einen Besuch abstatten und sich um dessen Wohlbefinden sorgen.