Viel Interessantes gab es am Sonntagnachmittag auf dem Hof Höllwangen bei Überlingen zu erfahren. Bei einer Betriebsbesichtigung, die im Rahmen der Nachhaltigkeitstage Baden-Württemberg 2018 vom Landwirtschaftsamt Bodenseekreis organisiert wurde, konnten sich die Besucher über das Konzept und die Arbeitsweise des Biohofs informieren. "Ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln sorgt dafür, dass wertvolle Ressourcen eingespart werden", erklärt Friederike Heß-Böhlen, im Landwirtschaftsamt zuständig für die Sachgebiete Hauswirtschaft und Ernährung.

Ressourcenschonend und nachhaltig arbeiten auch die Landwirte auf Hof Höllwangen. Der Hof wirtschaftet laut den Betreibern nach den biologisch-dynamischen Richtlinien des Demeter-Bundes, die auf der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners basieren. Das Ideal dieser Form der Agrarkultur ist die Kreislaufwirtschaft: Der Landwirt hält so viele Tiere, wie er mit seinem Land ernähren kann. Deren Mist bildet die Grundlage für eine hohe Bodenfruchtbarkeit, die zur Erzeugung naturbelassener Lebensmittel notwendig ist. Der Hof wird zu einem lebenden Organismus, in dem Menschen, Tiere, Pflanzen und Ackerböden auf einander angewiesen sind. Tiere wie Pflanzen werden als Mitgeschöpfe betrachtet.

Der ehemalige Hofbesitzer und heutige Mitvorstand der Genossenschaft "Hof Höllwangen", Demeter-Landwirt Klaus Niedermann, bei den Tieren.
Der ehemalige Hofbesitzer und heutige Mitvorstand der Genossenschaft "Hof Höllwangen", Demeter-Landwirt Klaus Niedermann, bei den Tieren. | Bild: Silvia Raich

In diesem Sinne gründet das Leitbild von Hof Höllwangen auf seiner Verantwortung für die Schöpfung und gegenüber den kommenden Generationen. Der traditionsreiche Hof, der sich seit sechs Generationen im Besitz der Familie Niedermann befand, ist heute als eingetragene Genossenschaft organisiert. Drei Familien führen als geschäftsführende Vorstände gleichberechtigt und partnerschaftlich den Hof. Privat- und Betriebsvermögen sind getrennt. Eine solche Rechtsform für einen landwirtschaftlichen Betrieb sei eine Besonderheit, betont der ehemalige Hofbesitzer und heutige Pächter Klaus Niedermann. Vor zwei Jahren übertrug er seinen Grund und Boden in die unselbstständige "Hof-Höllwangen-Stiftung" und deren Treuhänder, den gemeinnützigen Verein "Mercurialis" mit Sitz in Salem. So sei gewährleistet, dass die Landwirtschaft in Zukunft ohne Berücksichtigung der Erblinie weitergeführt werden könne, erklärt er. Ein Schritt, der zur nachhaltigen Sicherung des Hofs beitrage.

Die Genossenschaft "Hof Höllwangen" bewirtschaftet insgesamt 140 Hektar Ackerflächen mit Getreide, Hülsenfrüchten, Gemüse, Kartoffeln und Grünfutter. Von Bedeutung dabei sei der Anbau vielfältiger Kulturen in achtjähriger Fruchtfolge, so Klaus Niedermann. Die Bodenbeschaffenheit bestimme die Qualität der Lebensmittel, das Bemühen um Bodenfruchtbarkeit sei Teil der nachhaltigen Arbeitsweise.

Interessierte konnten sich beim Tag der offenen Tür auf dem Hof Höllwangen über den Betrieb informieren.
Interessierte konnten sich beim Tag der offenen Tür auf dem Hof Höllwangen über den Betrieb informieren. | Bild: Silvia Raich

Auf dem Hof leben 60 Milchkühe samt Nachzucht in "wesensgemäßer" Haltung. Die Tiere werden laut Niedermann als Wesen und nicht als Produktionsmittel gesehen. Zudem handelt es sich um hörnertragende Kühe. "Das Horn gehört zur Kuh und bleibt dran", sagt Klaus Niedermann. Auch würden Tiere, die in ihrer Ursprünglichkeit belassen werden, Mist erzeugen, der besonders reich an Inhaltsstoffen sei, was wiederum den Ackerböden zugutekäme. Im Sommer leben die Tiere in Weidehaltung und schlafen in großen Boxenlaufställen mit Auslauffläche, wo sie auch den Winter verbringen. Gefüttert werden sie mit hofeigenem Grünfutter. Mit ihrer Milch, täglich 20 Liter pro Kuh, leisten sie einen weiteren wichtigen Beitrag dazu, dass der Hof derzeit drei Familien ernährt.