Hermann Auer aus Hödingen hat am Freitag seinen 100. Geburtstag gefeiert und ist damit der erste Hödinger Mann, der dieses Alter erreicht hat. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde er im Hofgut Höllwangen geboren. Er wuchs als Einzelkind auf und ging in Hödingen zur Volksschule.

Seinen runden Geburtstag feierte er mit vielen Verwandten, darunter zwei Töchtern, sieben Enkeln und zwölf Urenkeln, und Freunden im Hofcafé der Familie Vogler. Im Namen der Stadt Überlingen gratulierten ihm Robert Dreher in Stellvertretung des Oberbürgermeisters und Ortsvorsteher Martin Keßler.

Mit 19 Jahren zum Arbeitsdienst, dann in den Krieg

Hermann Auer ist ein Zeitzeuge der Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts. Nach der Schule arbeitete er in der kleinen Landwirtschaft seiner Familie, dazu als Forsthelfer und auf dem Bau, später bei der Überlinger Firma Kilian Keller. 1938 wurde er im Alter von 19 Jahren zum Arbeitsdienst in Karlsruhe eingezogen, um nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nahtlos in die Wehrmacht rekrutiert zu werden. Im Laufe des Kriegs war er in Polen, in der Tschechei und im Elsass. Großes Glück hatte er nach eigener Aussage, dass ein Krankenhausaufenthalt ihn verschonte, mit seiner Division in Russland zu kämpfen, wo viele seiner Kameraden starben. 1943 heiratete er seine Frau Erna, die hoch betagt vor einigen Monaten starb.

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Hermann Auer ist ein humorvoller und geselliger Mensch, selbstbewusst und geistig hellwach. Seinen Lebensweg zeichnete Enkel Wolfgang Faulhaber nach, der den Opa, der sein Leben lang in Hödingen verbrachte, als „hauptamtlichen Opa“ bezeichnete. Er sei immer zur Stelle gewesen, wenn es um Nachbarschaftshilfe ging, habe für die vielen Enkel gekocht und Fahrräder repariert, beim Theaterensemble mitgespielt und viele Jahre in der Musikkapelle die Trommel geschlagen.

Ständchen mit dem Musikverein

Eine Delegation des Musikvereins unter der Leitung von Karl-Heinz Schwarzwälder brachte ihm die alte Trommel zur Geburtstagsfeier mit, die er gewohnt sicher in Rhythmus und Takt beherrschte. Die Urenkel spielten und sangen dem Opa ein Geburtstagslied. Für seine Enkelin Alexandra Hermle-Frassmann, die Vorsitzende des Musikvereins, war er 30 Jahre lang die „Stimmungskanone“ der Musikkapelle und als Theaterspieler eine markante Persönlichkeit. Obwohl er so gut wie nie einen Arzt brauchte, war er zuletzt wegen einer Hüftoperation doch auf den Rollstuhl angewiesen.