In dieser Woche proben sie erstmals im Kursaal: die 200 Schüler und Lehrer der Musical Pop- und Dance-Academy. Unter der Regie von Sabine Martin und der Gesamtleitung von Jeannette Munère führen sie dort das Musical Fame auf – mit Live-Gesang, Live-Band, Tänzern, Schauspiel und Bühnenbild. Anlass ist das zehnjährige Bestehen der Musicalschule Bodensee.

Premiere der Großproduktion ist am kommenden Samstag, 30. März, um 14 Uhr. Vorlage für das Musical ist der Spielfilm "Fame – Der Weg zum Ruhm" aus dem Jahr 1980. Film und Musical drehen sich um junge Menschen, die an einer Hochschule für darstellende Künste aufgenommen werden wollen. Dazu müssen sie verschiedene Prüfungsituationen durchlaufen.

Eine dreiwöchige Tour durch Deutschland und elf verschiedene Musicals brauchte es, dann war sich Jeannette Munère sicher: "Fame" passt nach Überlingen und zur Musicalschule. Denn: "Ich will Schülern am Bodensee die Chance geben, eine Aufnahmeprüfung zu bestehen", sagt Musicalschulleiterin Munère, die ihre ersten Schüler in den 2000er-Jahren noch bei sich zu Hause unterrichtete.

Heute wird im Gebäude an der Hägerstraße 12 auf mehreren Stockwerken gesungen, getanzt und geschauspielert. Wie ein bunter Fleck sieht die Musicalschule aus, vor der zu den Kurszeiten sogar Autos aus dem Kreis Sigmaringen halten.

Anthony Curtis Kirby (rechts) bei einer Aufführung einer Musical Revue der Musical Pop & Dance Academy 2015. Bild: Reiner Jäckle
Anthony Curtis Kirby (rechts) bei einer Aufführung einer Musical Revue der Musical Pop & Dance Academy 2015. | Bild: Jäckle, Reiner

Der Erfolg von Leiterin Jeannette Munère und ihrer Schüler hat sich rumgesprochen. Der Weg kann von Überlingen auf die Bretter dieser Welt führen. Ein Beispiel dafür ist Anthony Curtis Kirby, der aktuell in "Tina – Das Musical" die Rolle von Tina Turners erster Liebe und Musiker Raymond Hill innehat.

Munère sagt: "Er ist einer der ersten Schüler der Musicalschule und Grund, dass sich diese vom reinen Gesangs-Klavierstudio zur Musicalschule mit den Sparten Gesang, Tanz, Schauspiel entwickelt hat."

Er besucht die Aufführung am Montag, 1. April, 18 Uhr, und hat für die Zuschauer in der Pause eine Überraschung parat, wie Munère ankündigt.

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Insgesamt 350 Schüler werden derzeit an der Musicalschule unterrichtet. Alle ab neun Jahren gehören zu den zwei Besetzungen à 100 Personen, die an den verschiedenen Spielterminen im Kursaal auf der Bühne stehen werden.

Bereits im April vergangenen Jahres wurde mit den Proben angefangen. Seit September üben die Schüler ihre Rollen intensiv ein.

Die Schauspieler trainierten oft unter der Woche und an allen Wochenenden. Für die Tänzer und den Chor gab es Durchlaufproben. Eine Herausforderung wird das Zusammenspiel mit der Live-Band – anstatt mithilfe von Playback-Aufnahmen zu trainieren. "Eine Live-Band klingt anders als Playbacks. Das Tempo ist anders und Stimmen fehlen", sagt Munère.

Sie sei gespannt, wie die Tänzer reagierten. Geplant war, eine Band mit Musikern aus dem Bodenseekreis zusammenzustellen. Diese kam allerdings nicht zustande, weshalb Stage Entertainment, Produzent mehrer Shows und Musicals, eine Band zur Verfügung stellt.

Schwierigkeiten bei der Vorbereitung

Nicht alles klappte in den vergangenen Monaten. Wochenlang hätten sie an den Probeplänen gesessen, weil die Kinder und Jugendlichen verschiedene Schulen in zwei Landkreisen besuchten, so Munère. Die Schul- und Probenzeiten waren nur schwierig miteinander zu vereinbaren.

Viele der Schüler wurden auch noch krank: "Wir hatten alles vom Fieber bis zur Lungenentzündung." Zusätzlich bestand lange ein Platzproblem. Während sich die Schauspieler im Kursaal in den Künstlergarderoben umziehen können, war für die rund 60 Tänzer pro Cast bis vor Kurzem keine Lösung gefunden.

Jeannette Munère, Gründerin und Leiterin der Musical Pop- und Danceacademy, spielt selbst in dem Musical mit. Bild: Jenna Santini
Jeannette Munère, Gründerin und Leiterin der Musical Pop- und Danceacademy, spielt selbst in dem Musical mit. | Bild: Santini, Jenna

Eine Abmachung mit einem Hotel war kurzfristig wieder gelöst worden, weil man sich doch nicht einig geworden war. Der Zutritt zum Sitzungsraum im Ü-Punkt war verwehrt worden, obwohl die Schüler vor zwei Jahren schon mal dort waren.

"Da hätten wir uns mehr Unterstützung gewünscht. Es ist doch cool, wenn wir unseren Jugendlichen etwas bieten können", sagt Munère. Zum Glück dürften die jungen Tänzer jetzt ins Jugendreferat.

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Das Musical ist im Vergleich zu den Konzerten, die sonst veranstaltet werden, eine große Herausforderung. "Es ist anders, weil das Schauspiel so viel Raum bekommt", erklärt Musicalschulleiterin Munère, die auch in "Fame" die Rektorin spielt. Für die Konzerte suchen die Lehrer und ihre Schüler gemeinsam etwas aus, was den Talenten schmeichelt.

Für "Fame" mussten an mancher Stelle Schwächen überwunden werden. Gesang und Schauspiel waren auf ein Niveau zu bringen, sagt Munère. Sonst widmen sich die Schüler dem einen oder dem anderen. Dennoch ist Munère froh, sich für das Musical entschieden zu haben. Zum Zehnjährigen musste es einfach etwas Großes sein. "Es ist mein eigener Ehrgeiz zu sehen, wie wir das schaffen", verrät sie.

Schon mit acht Jahren sei ihr klar gewesen, dass sie auf die Bühne möchte. Ab da sei sie durchgebrettert, bis zum ersten runden Geburtstag ihrer eigenen Schule.