Oberbürgermeister Jan Zeitler und das Amt für öffentliche Ordnung pochen auf die rigorose Umsetzung des im März verabschiedeten Veranstaltungskonzepts für öffentliche Flächen in der Stadt. Als Ziele der Richtlinie gelten, die Qualität der Angebote hochzuhalten und sich auf Anbieter aus Stadt und Region zu konzentrieren, die öffentlichen Plätze nicht zu überfrachten und eine rechtliche Grundlage zur Genehmigung oder Ablehnung zu haben. Zu den ersten "Opfern" gehört der französische Markt eines Veranstalters aus dem Taunus, der seit rund zehn Jahren Verkaufsstände auf dem Landungsplatz geholt hatte und nun auf den Standort bei der Zimmerwiese verwiesen wurde (siehe unten).

Nabu-Vorsitzender: "Völlig unverständlich"

Aber auch einheimische Gruppen, für die bewusst ein Ermessensspielraum formuliert worden war, sind nun betroffen, wie bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur deutlich wurde. Der Naturschutzbund (Nabu), der seit zwölf Jahren auf Landungsplatz und Promenade einen Familienflohmarkt (geplant am 15. September) und einen Bücherflohmarkt (geplant am 14. Juli) veranstaltet, soll sich auf Mantelhafen und östliche Promenade beschränken. "Das ist weniger als die Hälfte der bisherigen Fläche", erklärte Nabu-Vorsitzender Hartmut Walter, "und völlig unverständlich."

Fraktionen fordern Bestandsschutz für Nabu-Aktionen

Der Gemeinderat hatte die Entscheidung über den Einzelfall im März in den Kulturausschuss verwiesen. Doch der Antrag des Nabu auf Zulassung war im April nicht auf der Tagesordnung. Nach einem einhellig positiven Stimmungsbild im Ausschuss setzte sich ein interfraktioneller Antrag für den Bestandsschutz der Nabu-Flohmärkte ein. Dagmar Schaupp vom Amt für öffentliche Ordnung sagte in der jüngsten Sitzung: "Wir können nicht nur den Nabu-Flohmarkt zulassen, es gibt auch noch andere." Deshalb wolle man zwei Veranstaltungen auf Mantelhafen und östliche Promenade beschränken. "Der Landungsplatz sollte frei bleiben."

Stadtrat Ulf Janicke (LBU/Grüne) versuchte, das Blatt für den lokalen Veranstalter zu wenden. "Mit der Satzung wollten wir den Druck von externen Veranstaltungen herausnehmen. Sie sollte jedoch nicht dazu führen, dass Veranstaltungen von einheimischen Vereinen nicht mehr stattfinden können." Doch mehr als eine Erhöhung der vorgeschlagenen zwei auf vier Veranstaltungen erreichte er nicht. Vergeblich brachte Ralf Mittelmeier (FWV/ÜfA) die ganze Promenade ins Spiel.

Nabu-Vorsitzender: "Ausschuss über den Tisch gezogen"

"Es gibt für uns keinen ersichtlichen Grund, weshalb die beiden Flohmärkte hier nicht stattfinden sollten", sagt der Nabu-Vorsitzende: "Zuletzt hatten wir 150 Stände und es war ein unterhaltsames Ereignis für die ganze Stadt." Stets werde mit der Angst vor einem großen Ansturm weiterer Flohmärkte argumentiert. "Doch den hatten wir in den letzten zehn Jahren auch nicht." Heute werde sich der Vorstand zusammensetzen und darüber nachdenken, ob man den ganzen Aufwand weiter betreiben werde. "Ich hatte den Eindruck, der Ausschuss wurde hier regelrecht über den Tisch gezogen", schildert Walter seine Wahrnehmung.

Französischer Markt fällt durch das Raster

Horst Brauner ist traurig und enttäuscht. Deutschlandweit richtet er französische Wochenmärkte aus. „Aber Überlingen“, sagt der Unternehmer, „das war für mich und auch die Händler wirklich jedes Mal ein Highlight.“ Zehn Jahre lang gab es den beliebten Markt für jeweils fünf Tage am Landungsplatz. Damit ist durch das neu Vergabekonzept der Stadt nun Schluss.

"Die Stadtherren reden von einer Maßnahme für die Überlinger Bürger", ärgert sich Brauner. "Dabei sind 19 von 20 unserer Kunden die Touristen." Doch auch Touristikchef Jürgen Jankowiak von der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT), der das Konzept mitgestaltet hat, steht dazu. "Dieser Markt findet überall in ganz Deutschland statt", erklärt Jankowiak auf Nachfrage: "Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, uns auf Anbieter aus Stadt und Region zu konzentrieren."

Die neue Regelung soll dem Schutz der Gastronomiebetriebe und des eigenen Wochenmarkts dienen. Im Vorfeld sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler (SPD) dazu, dass man sich Gedanken darüber machen müsse, welche Qualität man insbesondere auf dem Landungsplatz wolle. Abgespeist wurde Brauner allerdings mit einer ganz anderen Begründung: „Mir wurde gesagt, die Perle Überlingens sei der Seeblick und dieser würde durch den Markt verbaut. Das stimmt zwar, aber es handelt sich hier doch nur um fünf Tage im Jahr.“

Einen Dialog mit der Stadt habe es nicht gegeben. Stattdessen kam lediglich die Absage und der Vorschlag eines alternativen Standorts an der Zimmerwiese. Dieser sei jedoch „völlig impraktikabel“. Der Aufbau hätte erst am Samstag ab 15 Uhr beginnen können und bis zum Dienstagmorgen hätte alles wieder beseitigt werden müssen. "Da kann man kein Geschäft machen“, schimpft der Unternehmer. (che/hpw)