Überlingen – Für eine neue Weichenstellung bei der Verkehrsplanung für die Hafenstraße machen sich die Anwohner noch einmal stark. Das Thema hatte sie bereits beim Nachbarschaftstrunk mit Baubürgermeister Matthias Längin beschäftigt. Dieses Mal hatten die Hafensträßler den Verkehrsausschuss dazu eingeladen. Ihr Sprecher und Motor Carl Fahr rekapitulierte die bisherigen Überlegungen von Stadt und Gemeinderat sowie die aktuelle Planung zur Verkehrsberuhigung, auf deren Umsetzung viele warten.

Verkehrsberuhigter Bereich von Hofstatt bis Mantelhafen

Fahrs Fazit war erneut die Favorisierung eines durchgehenden verkehrsberuhigten Bereichs von Hofstatt bis Mantelhafen. Zustimmung kam hier zumindest von den Mitgliedern des Verkehrsausschusses beziehungsweise deren Vertretern. Fahr klammerte bewusst die Bauplanungen aus.

"Die Fußgänger waren zuerst da": Carl Fahr, Sprecher der Anwohner von Hafen- und Schulstraße, zeigte beim Nachbarschaftstrunk die Engstellen der geplanten Verkehrslösung auf.
"Die Fußgänger waren zuerst da": Carl Fahr, Sprecher der Anwohner von Hafen- und Schulstraße, zeigte beim Nachbarschaftstrunk die Engstellen der geplanten Verkehrslösung auf. | Bild: Hanspeter Walter

Umleitung des Busverkehrs würde Fahrplan sprengen

Der Ausschuss hätte eigentlich erst schon im Dezember, dann in der vergangenen Woche die Konkretisierung der bisherigen Planung mit Fahrradstreifen und Restgehwegen in Auftrag geben sollen. Doch der Vorschlag der Verwaltung, den Busverkehr über die Christophstraße und die Jakob-Kessenring-Straße zum Landungsplatz umzuleiten, um den Radfahrern ein Rechtsabbiegen ohne Gegenverkehr in die Marktstraße zu ermöglichen, wird als nicht realisierbar betrachtet. Die längere Strecke würde das gesamte Fahrplangefüge aus dem Takt werfen. Ohnehin scheint sich der Gemeinderat mit dieser Volte für die Busse nicht anfreunden zu wollen.

Hafenstraße bei Radfahrern sehr beliebt

Zuletzt war vor allem von den vielen Radlern die Rede, denen die Stadt in der Hafenstraße eine fahrbare Alternative zum Schieben in der Fußgängerzone Münsterstraße oder zum Holpern über den Münsterplatz anbieten wollte. Mehr als 220 000 Radler strampeln nach Angaben der Touristiker rund um den Bodensee und durch Überlingen.

Anwohner: Fußgänger nicht an den Rand drängen

Das wissen auch die Hafensträßler. Doch um eine Fahrradstraße zu gestalten oder Fahrradwege in beiden Richtungen zu markieren, ist es den Anwohnern an vielen Stellen zu eng. „Die Fußgänger waren sicher die ersten in der Hafenstraße“, resümierte Carl Fahr. Sie dürften nicht durch die Autofahrbahn mit festen Fahrradschutzstreifen ganz an den Rand gedrängt werden.

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Seit Juli 2015 basteln die Stadt und ihre Verkehrsplaner an einer Fahrbahnlösung für Autos, Fahrräder und Fußgänger. Dies sei rein rechnerisch an vielen Stellen einfach nicht sinnvoll möglich, erklärte Fahr und illustrierte dies zeichnerisch. Als seiner Meinung nach einzig kluge Lösung für alle Beteiligten brachte er noch einmal den verkehrsberuhigten Bereich ins Spiel, mit einer niveaugleich durchgehenden Sonderfläche, auf der alle gleichberechtigt seien. Damit verbunden sein müsse ein erklärtes Einfahrtsverbot aus Osten beim Mantelhafen, das die aktuelle Einbahnregelung in der konkreten Situation ersetzen könne.

Andere plädierten gleich für eine Fortsetzung dieses verkehrsberuhigten Bereiches ab dem Fischerbrunnen, hier mit einem neuen Kreisverkehr, und ab dem Franziskanertor. Nach den bisherigen Erfahrungen aus den Verkehrsdiskussionen riet Carl Fahr allerdings dazu, zunächst den ersten Baustein umzusetzen. Ein Argument griff er jedoch aus diesen Überlegungen auf. „Alle wollen ja, dass es weitergeht mit der Verkehrsberuhigung“, betonte Fahr: „Umso wichtiger ist es daher, beim ersten Baustein in der Hafenstraße eine sehr gute Lösung zu realisieren.“

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Angetan vom Verlauf der Diskussion waren am Ende Anwohner und Stadträte. Mancher sah darin sogar ein Musterbeispiel für einen fruchtbaren Bürgerdialog und einen basisdemokratischen Prozess unter Berücksichtigung der Betroffenen.

Regelungenfür Spielstraßen

  • Der verkehrsberuhigte Bereich wird durch das Verkehrszeichen 325.1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) angekündigt und wegen der abgebildeten Kinder in der Umgangssprache auch gern als Spielstraße bezeichnet. Der Münsterplatz ist ein Beispiel dafür. Innerhalb dieses Bereiches gilt nach der StVO: Fußgänger dürfen die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen; Kinderspiele sind überall erlaubt. Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit einhalten, konkretisiert ist dies mit sieben Stundenkilometern. Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig, müssen sie warten. Doch auch die Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig behindern. Das Parken ist außerhalb der dafür gekennzeichneten Flächen unzulässig, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen, zum Be- oder Entladen. Der Bereich gilt als Sonderfläche ohne Fahrbahn.
  • Die Kennzeichnung von verkehrsberuhigten Bereichen setzt nach aktuellen Verwaltungsvorschriften voraus, dass die Straße überwiegend Aufenthalts- und Erschließungsfunktion hat. Das bedeutet, der Bereich muss baulich so angelegt sein, dass der typische Charakter einer Straße mit Fahrbahn, Gehweg, Radweg nicht vorherrscht. In der Regel wird dies durch einen niveausgleichenden Ausbau (Pflasterung), Pflanzbeete, wechselseitige Parkstände, Plateau-Aufpflasterungen und Einengungen erreicht. Durchgangsverkehr und Lastwagen-Verkehr sind nicht grundsätzlich verboten, der verkehrsberuhigte Bereich ist zunächst keine Anliegerstraße. Um den Durchgangsverkehr aus diesen Gebieten herauszuhalten, werden oft Sackgassen angelegt oder die Einfahrt wird nur von einer Seite aus erlaubt.