Vorangetrieben worden war das Projekt vor rund 20 Jahren vom Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 um Markus Aigner, Irene Alpes und Tim Günther. Eine eigens zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) investierte damals rund 170 000 DM – heute würde die Anlage vielleicht noch ein Zehntel kosten.

GbR will Anlage 2021 abgeben

Zu den Gesellschaftern zählt bis heute auch Ex-Oberbürgermeister Volkmar Weber, der dem Vorhaben damals wohl gesonnen war und ihm heute noch verbunden ist. Wie bei der jüngsten Jahresversammlung, als die GbR beschloss, die Anlage im kommenden Jahr an die Stadt zu übergeben. Gratis, lautet das Angebot der Kommune.

Die Betreiber des Bürgersolardachs feierten 2011 das zehnjährige Bestehen ihres Projekts.
Die Betreiber des Bürgersolardachs feierten 2011 das zehnjährige Bestehen ihres Projekts. | Bild: Hanspeter Walter

Warum, wenn die Anlage doch nach wie vor Strom produziert? Mit der Stadt hat die GbR zwar einen Dachnutzungsvertrag abgeschlossen, der bis ins Jahr 2031 reicht. Doch nach 20-jährigem Betrieb läuft im kommenden Jahr die bisherige Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus und damit ist die Solaranlage für die Beteiligten nicht mehr rentabel.

Module liefern 15 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr

Seit der Inbetriebnahme liefern die Module, die 2010 als Garantiefall ausgetauscht worden sind, pro Jahr im Durchschnitt rund 15 000 Kilowattstunden Strom. Pro Kilowattstunde brachte dies 50 Cent Vergütung. Pro Gesellschafteranteil von 1000 Euro bringt dies den 65 Inhabern der insgesamt 85 Anteile jährlich rund 80 Euro Dividende. Noch profitieren die Anteilseigner davon, doch mit dem Auslaufen der ursprünglichen Förderung sinkt die Vergütung auf weniger als ein Zehntel und beträgt dann nur noch zwischen 3 und 5 Cent.

„Als GbR können wir die Anlage dann nicht mehr wirtschaftlich betreiben“, erklärt Tim Günther, neben Markus Aigner und Alfred Kemper einer der drei aktuellen Gesellschafter. Aus Sicht der Anteilseigner lohne sich dies dann nicht mehr, da man geringfügige Betriebskosten und die Versicherung einrechnen müsse. Dass dieses Problem auf die Bürger zukommt, habe man vorausgesehen.

Stadt könnte Strom für Gymnasium nutzen

„Schon Ende 2017 sind wir daher erstmals an die Stadt herangetreten und haben die Anlage zum Kauf angeboten“, sagt Tim Günther. Im Grunde müsse man lediglich eine Leitung „umklemmen“. Dann könne die Stadt den produzierten Strom für das Gymnasium nutzen und einige Kosten sparen.

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Gesellschafter erhalten Angebot über „0 Euro“

Doch sei die Begeisterung bei der Kommune nicht sehr groß gewesen, lange habe sie nichts von sich hören lassen. „Ende 2019 haben wir nun ein Schreiben bekommen“, berichtet Günther. Darin erkläre die Stadt, dass sie bereit sei, die Bürgersolaranlage zu übernehmen, allerdings „für 0 Euro“.

Mangel an Alternativen: Gesellschafter beschließen Verkauf

Die rund 30 Mitglieder bei der jüngsten Versammlung seien enttäuscht gewesen, als er das Angebot vorgestellt habe, erzählt er. Aus Mangel an Alternativen hätten die Gesellschafter darüber beraten und einen entsprechenden Beschluss gefasst – wohl wissend, dass die Anlage noch eine längere Zukunft habe.

Hoffnung auf andere Interessenten noch nicht ganz aufgegeben

„Begeistert war keiner“, sagt Tim Günther. Eher mit Grummeln habe die GbR schließlich beschlossen, die Anlage für 0 Euro an die Stadt zu verkaufen. Doch man habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, vielleicht doch weitere Interessenten zu finden, bevor die Transaktion abgewickelt ist.

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