Ihren 100. Geburtstag konnte Gerda Bäumer am 10. Januar feiern. Sie gehört damit zu den ältesten Einwohnern in Überlingen. Ein Anlass für Oberbürgermeister Jan Zeitler, ihr persönlich zu gratulieren, die Geschenke der Stadt zu überbringen und ihr den Text der Urkunde des Ministerpräsidenten vorzulesen. Als Gerda Liponsky wurde die Jubilarin 1918 in Berlin geboren, wo sie bis 1946 wohnte und 1941 in Charlottenburg ihren Mann Helmut Bäumer geheiratet hatte. Körperlich ist sie durch den Rollstuhl etwas eingeschränkt, doch geistig ist sie hellwach, schlagfertig und mit herzlichem Humor gesegnet. Den Besuch des OB kommentierte sie mit „Endlich hab' ich meinen Bürgermeister gesehen“.

Ihre Kindheit und Jugendzeit fällt in eine der politisch schlimmsten Epochen der deutschen Geschichte: Untergang des Kaiserreiches, die Wirren der Weimarer Republik mit der großen Inflation und der Machtergreifung Hitlers und schließlich die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Gerda Bäumer wuchs in einer Familie mit drei Geschwistern auf, besuchte die Volksschule und wurde mit 14 Jahren in der neuapostolischen Gemeinde konfirmiert. Sie liebte Zöpfe und erlernte deshalb das Friseurhandwerk, das sie mit Auszeichnung abschloss. Ihr gleichaltriger Mann war während des Krieges Ausbilder bei der Luftwaffe. Die zwölf Jahre Naziherrschaft hat sie in der Hauptstadt aus nächster Nähe erlebt, beginnend mit dem Judenpogrom 1938, als in ihrer Nachbarschaft die Synagoge angezündet wurde, den ständigen Bombardierungen, denen sie knapp entkamen, und endend mit dem Einmarsch der Russen und der Angst vor Übergriffen.

Oberbürgermeister Jan Zeitler gratulierte Gerda Bäumer zum 100. Geburtstag und überbrachte die Urkunde des Ministerpräsidenten. Mit dabei waren auch ihre Kinder, Enkel und Urenkel.
Oberbürgermeister Jan Zeitler gratulierte Gerda Bäumer zum 100. Geburtstag und überbrachte die Urkunde des Ministerpräsidenten. Mit dabei waren auch ihre Kinder, Enkel und Urenkel. | Bild: Lothar Fritz

Gerda Bäumer gehörte zur Generation der Trümmerfrauen. „Jetzt gehe ich für dich Steine klopfen“, sagte sie und vertraute ihrer Mutter die Aufsicht ihrer Kinder an. Bereits 1946 zog die Familie von Berlin in die britische Zone nach Velbert bei Wuppertal, wo ihr Mann ein Fuhrunternehmen leitete. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Dieter und Jürgen und die Tochter Brigitte hervor. Inzwischen ist die Familie mit sechs Enkeln und sieben Urenkeln zur Großfamilie angewachsen, deren Familienkern zweifellos die hundertjährige Jubilarin bildet.

In ihrem Herzen blieb sie zwar Berlinerin, wo sie die prägende Zeit ihres Lebens verbrachte, doch die längste Zeit wohnt sie in Überlingen. Von Velbert sind die Bäumers 1979 zu Tochter Brigitte Gischas umgezogen. 2005 wechselte Gerda Bäumer in eine betreute Wohnung der Diakonie auf dem Schättlisberg. Sie ist dort die älteste Bewohnerin, die sich teilweise noch selbst versorgen kann. Das aktuelle Geschehen verfolgt sie beim Zeitunglesen und am Fernseher. Was ihr an Überlingen besonders gefällt? „Die schöne Landschaft und dass ich hier gute Freunde habe und bisher mit allen Menschen sehr gut zurechtgekommen bin.“