Dirk Diestel und Roland Biniossek: Ihre beiden Namen stehen für die BÜB+. Beide, der BÜB-Gründer und der bisherige Linken-Gemeinderat, treten an, die Debatten im Gemeinderat, die ihrer Ansicht nach zu oft hinter verschlossenen Türen stattfinden, aufzubrechen. Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung dieses Textes hatte es geheißen, dass BÜB+ ein Zusammenschluss von Linken und BÜB sei, doch legt BÜB+ Wert auf die Feststellung, dass das nicht der Fall sei, sondern man für alle Menschen offen sei, auch für Mitglieder anderer Parteien. Vereinsvorsitzender Diestel hat sogar die Sorge, dass einzelne Mitglieder nicht begeistert davon wären, mit der Linken in Zusammenhang gebracht zu werden (siehe weiter unten).

Platz 1: Kristin Müller-Hausser, 74 Jahre.
Platz 1: Kristin Müller-Hausser, 74 Jahre. | Bild: Hilser, Stefan

Für die Kommunalwahlen am 26. Mai kandidiert die maximale Zahl von 26 Männern und Frauen, so viele, wie der Gemeinderat Sitze hat. An Bewerbern für diese 26 Listenplätze gab es 34 Personen, weitere Bewerber habe er zurückweisen müssen, so Diestel.

Platz 2: Gerhard Graf, 72 Jahre
Platz 2: Gerhard Graf, 72 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Altersdurchschnitt 64 Jahre

Die Kandidaten, deren Alter bekanntgegeben wurde, kommen auf ein Durchschnittsalter von 64 Jahren. Das Alter, sagte Diestel, sei aber nur eine Zahl. Entscheidend sei die Lebenserfahrung. Das Alter der bei der Nominierung nicht anwesenden Kandidaten gab die BÜB+ bislang nicht bekannt.

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Diestel als Sprecher der Protestbewegung zum Erhalt der Platanen auf dem LGS-Gelände und Biniossek, seit fünf Jahren Gemeinderat der Linken, sind wegen ihrer bisherigen Aktivitäten die bekanntesten Köpfe der BÜB+, führen die Liste aber nicht an, sondern stehen erst auf Platz 3 und 4. Stattdessen schickt die junge politische Gruppierung die Innenarchitektin Kristin Müller-Hausser und den Geschäftsführer Gerhard Graf als Spitzenkandidat ins Rennen.

Platz 3: Dirk Diestel, 63 Jahre.
Platz 3: Dirk Diestel, 63 Jahre. | Bild: Hilser, Stefan

Die Linke kandidiert nicht in Überlingen

"Ich muss nicht immer ganz vorne stehen", sagte Diestel, Vorsitzender des Vereins BÜB+, zur Begründung. Wie Biniossek auf Nachfrage sagte, werde die Linke nicht für den Gemeinderat kandidieren, das sei mit dem Kreisvorstand abgesprochen. Er selbst bleibe Mitglied, kandidiere aber nicht mehr für den Kreistag. Denn er erwäge eine Kandidatur im Ortschaftsrat Hödingen, "zwei Mandate sind genug".

Platz 4: Roland Biniossek, 67 Jahre
Platz 4: Roland Biniossek, 67 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Mit ihrem Plus im Namen möchte die Gruppierung signalisieren, dass sie für mehr stehe als den Protest gegen die Fällung der Platanenallee. Als zentrale Forderung nannte Diestel die frühzeitige Bürgerbeteiligung. Sie sei vom Gemeinderat zwar als Richtlinie beschlossen, bisher aber nie angewendet worden. "Alles nur Lippenbekenntnisse?", fragte Diestel.

Platz 5: Florian Jekat, 35 Jahre
Platz 5: Florian Jekat, 35 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Bereits 2014 sei in allen Wahlprogrammen das Ziel "bezahlbarer Wohnraum" ausgegeben worden. "Passiert ist hier leider bisher sehr wenig." Diestel: "Der aktuelle Gemeinderat hatte fünf Jahre Zeit, alles besser zu machen. Manche Räte hatten dafür schon bis zu 30 Jahren Zeit. Nur bei den Wahlen besinnt man sich dann immer darauf, es in Zukunft besser machen zu wollen."

Platz 6: Rolf Briddigkeit, 70 Jahre
Platz 6: Rolf Briddigkeit, 70 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Es gebe, sagte Diestel, auf mehreren Listen hoffnungsvolle Kandidaten. "Die BÜB+ reicht schon jetzt allen Räten die Hand mit dem ehrlichen Angebot, sich künftig gemeinsam über die Parteigrenzen hinweg für die Interessen der Bürger einzutreten. Nur gemeinsam können wir der Verwaltung zeigen, dass der Gemeinderat die Regierung stellt und nicht die Verwaltung selbst."

Platz 7: U. Binzenhöfer-Schopf (64)
Platz 7: U. Binzenhöfer-Schopf (64) | Bild: Hilser, Stefan

Roland Biniossek sei bisher Einzelkämpfer gewesen (den Namen Monika Behl, die sich von Biniossek im Laufe der Legislaturperiode abwandte, erwähnte Diestel nicht), und seine Forderungen seien schon "aus Prinzip abgelehnt worden". Diestel: "Helfen wir ihm, nicht mehr allein zu sein und stellen ihm Mitkämpfer an die Seite." Das Mindestziel seien drei Sitze.

Platz 8: Dr. Jürgen Cramer, 77 Jahre
Platz 8: Dr. Jürgen Cramer, 77 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Die Reihenfolge für die vorgeschlagenen ersten fünf Plätze auf der Kandidatenliste wurde zuvor in einer Vorstandssitzung abgesprochen: Kristin Müller-Hausser, Gerhard Graf, Dirk Diestel, Roland Biniossek, vor Florian Jekat (Angestellter, engagiert als Elternbeirat in Schule und Kindergarten). Die Versammlung folgte dem Vorschlag mehrheitlich und wies damit Holger Schappeler zurück, der gegen Jekat auf Platz 5 angetreten war. Er sehe darin einen Ausdruck von Demokratie, begründete Schappeler seine gescheiterte Kampfkandidatur.

Platz 9: Holger Schappeler, (58)
Platz 9: Holger Schappeler, (58) | Bild: Hilser, Stefan

"Auf Traditionen besinnen"

In einem weiteren Durchgang, als die Plätze 6 bis 10 vergeben wurden, landete Schappeler auf Platz 9. Die weiteren Plätze in diesem vom Vorstand vorgeschlagenen Block nehmen diese Kandidaten ein: Der pensionierte Berufschullehrer Rolf Briddigkeit (Platz 6), vor Ursula Binzenhöfer-Schopf (Fotografin, Erzieherin und Masseurin), der Jürgen Cramer (Chemiker) und Dieter Weissinger (Freier Architekt, saß drei Legislaturperioden im Gemeinderat von Esslingen).

Platz 10: Dieter Weissinger, (71)
Platz 10: Dieter Weissinger, (71) | Bild: Hilser, Stefan

Schappeler von Platzierung enttäuscht

Kabarettist und Musiker Thomas Kuphal wurde in diesem Block nicht gewählt und verzichtete auf eine weitere Kandidatur. Für Schappeler ist Platz 9 enttäuschend, wie er sagte, habe er sich doch durch Besuche in den letzten Jahren in den Gemeinderatssitzungen intensiv auf die Ratsarbeit vorbereitet. Schappeler kandidierte zusätzlich für den Kreistag auf der BÜB+-Liste. Als er dort nur auf Platz 6 gewählt wurde statt dem von ihm angestrebten Platz 1 lehnte er die Annahme seiner Wahl ab.

Platz 11: Ralph Stuttmann (67)
Platz 11: Ralph Stuttmann (67) | Bild: Hilser, Stefan

Auf Platz 11 wurde mit deutlichem Ergebnis der Mediziner Ralph Stuttmann gesetzt, der sich als früherer Klinikdirektor der berufsgenossenschaftlichen Klinik in Halle an der Saale vorstellte. Die Bodenseeregion kenne er seit vielen Jahren, weil er seinen Bruder regelmäßig besuchte, der über 50 Jahre lang hier in einer Behinderteneinrichtung lebte. Vergangenes Jahr bezog er ein von ihm renoviertes Haus in Hödingen.

Platz 12: Monika Wieden-Biniossek (66)
Platz 12: Monika Wieden-Biniossek (66) | Bild: Hilser, Stefan

Zu seiner Motivation auf eine Kandidatur sagte Stuttmann, dass Überlingen "eine Neuorientierung auf das braucht, was die Tradition dieser Stadt ist". Ihm folgen auf den weiteren Plätzen: Monika Wieden-Biniossek, Architektin, die mit ihrer Kandidatur ihren Mann Roland Biniossek unterstützen möchte.

Platz 13: Wolfgang Bock, 67 Jahre
Platz 13: Wolfgang Bock, 67 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Wolfgang Bock, Zahnarzt. Die 24-jährige Anna-Katharina Schmid, die bei der Versammlung fehlte und als Tierpflegerin mit Protest-Erfahrung aus dem Hambacher Forst vorgestellt wurde.

Platz 14: Anna-Katharina Schmid (24)
Platz 14: Anna-Katharina Schmid (24) | Bild: privat

Rupert Huisel, der sich als Zählkandidat outete. Auf Platz 16 folgt Peter Schmid, in Überlingen aufgewachsen, "einer der Gründer von Smart", Professur an der Hochschule Esslingen, will sich für eine saubere Verkehrsinfrastruktur einsetzen. "Ich bin ein Brennstoffzellenfanatiker."

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Die weiteren Kandidaten heißen: Elfi Straub, Christian Greiter, Michael Schnell, Dimitra Tsoutsani, Bernd Wiese, Margarete Liebchen, Heide Kaim, Eva Adam, Georg Frenzel, Josef Kohlbrenner.

Platz 15: Rupert Huisel, 73 Jahre
Platz 15: Rupert Huisel, 73 Jahre | Bild: Hilser, Stefan
Platz 16: Peter Schmid (68)
Platz 16: Peter Schmid (68) | Bild: Hilser, Stefan
Platz 17: Elfi Straub, 60 Jahre
Platz 17: Elfi Straub, 60 Jahre | Bild: Hilser, Stefan
Platz 18: Christian Greiter, 44 Jahre
Platz 18: Christian Greiter, 44 Jahre | Bild: Hilser, Stefan
Platz 21: Bernd Wiese, 70 Jahre
Platz 21: Bernd Wiese, 70 Jahre | Bild: Hanspeter Walter
Platz 22: Margarete Liebchen, 77 Jahre
Platz 22: Margarete Liebchen, 77 Jahre | Bild: Hilser, Stefan
Platz 23: Heide Kaim, 79 Jahre
Platz 23: Heide Kaim, 79 Jahre | Bild: Hilser, Stefan
Platz 26: Josef Kohlbrenner, 66 Jahre
Platz 26: Josef Kohlbrenner, 66 Jahre | Bild: Hilser, Stefan

Kandidaten ohne Fotos

Die Kandidaten ohne Foto waren in der Nominierungsversammlung nicht anwesend. Die BÜB+ hatte sich noch bemüht, die Bilder nachzureichen, schafft es bis Redaktionsschluss aber nicht (Ausnahme A.-K. Schmid) und konnte auch kein Alter der Kandidaten nennen.

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Ergänzung zu einer ersten Fassung dieses Textes, bei dem es in einer ersten Fassung fälschlicherweise geheißen hatte, die BÜB+ sei ein Zusammenschluss von Linken und BÜB. Vereinsvorsitzender Diestel trägt die Sorge, dass einzelne Mitglieder "nicht begeistert davon wären", mit der Linken in Zusammenhang gebracht zu werden. Diestel: "Das Plus bedeutet eine Ergänzung des bis dahin einzigen Themas Platanenallee um alle anderen stadtrelevanten Themen." Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Linke ohne ihren Kandidaten Biniossek (der auf der Liste der BÜB+ steht) diesmal auf eine eigene Kandidatur verzichtet und dass einige der Kandidaten für die BÜB+ bei den Wahlen 2014 für die Linke kandidiert hatten. Hierzu schreibt wiederum Diestel: "Allein die Tatsache , dass einige Mitglieder der Partei „Die Linke“ ebenfalls Mitglied, Sympathisant oder sogar Kandidat der BÜB+ sind, darf nicht zu der Vermutung eines Zusammenschlusses verleiten." Außerdem ist Diestel der Auffassung, dass die akademischen Titel der Kandiaten Dr. Jürgen Cramer, Dr. Wolfgang Bock, Prof. Peter Schmid, Dr. Michael Schnell und Dr. Ralph Stuttmann genannt werden müssten. Er übersieht allerdings, dass dies im politischen Betrieb nicht üblich ist und weder bei Dr. Angela Merkel, noch bei dem Überlinger CDU-Ortsvereinsvorsitzenden Professor Dr. Alexander Bruns genannt wird. Doch schreibt Diestel: "Man kann davon ausgehen, dass nicht nur unsere Mitglieder mit einem akademischen Titel wenig davon begeistert sind, wenn der Eindruck entsteht, sie selbst würden möglicherweise der Partei „Die Linke“ nahe stehen."

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