Es ist angerichtet. Nach zwei gelungenen Vorspeisen hieß es im Kursaal Vorhang auf für die Hauptgerichte des „WortMenues“. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe werden bis zum 21. Mai mehr als 20 Autoren ihre Geschichten und Erkenntnisse vortragen und damit verschiedene Facetten des kulinarischen Genusses beleuchten. Am Auftaktabend plauderte der Stuttgarter Meisterkoch Vincent Klink zwei Mal 45 Minuten lang geistreich und humorvoll mit Oswald Burger über seinen Werdegang, das Kochen und das Wirtsein als solches. Letzteres liebe er noch mehr als die Tätigkeit am Herd, erklärte Klink und wer dem kurzweiligen Dialog lauschte, nahm ihm das fraglos gerne ab.

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Vincent Klink liest aus „Angerichtet – herzhaft und scharf“

Angerichtet hatte die Kursaalgastronomie des Bad-Hotels zum Auftaktabend Maultaschen mit Salat, Tafelspitz mit Kartoffeln und Apfelküchle zum Dessert. Damit schlug die Küche quasi den Bogen von der schwäbischen Heimat Klinks zu dessen aktuellen Schwerpunktrecherchen in Wien. Kurz vor Schluss blieben Vincent Klink sogar noch einige Minuten, um eine Passage aus seinem aktuellen Buch „Angerichtet – herzhaft und scharf“ zu lesen. Obwohl der Koch und Genießer dabei das anrüchige Thema Flatulenz und deren Folgen mit allen Randerscheinungen ausufernd behandelte und bei seinen Schilderungen in gepflegter Sprache das Entweichen der überschüssigen Luft aus dem Darm beschrieb („Der druckt me nemme.“), musste er sein aktuelles Werk am Ende noch vielfach signieren.

Dem Publikum wurde ein dreigängiges Menü serviert.
Dem Publikum wurde ein dreigängiges Menü serviert. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

OB Zeitler zitiert Minnesänger Oskar von Wolkenstein

Die offizielle Eröffnung des literarisch-kulinarischen Festivals war Oberbürgermeister Jan Zeitler vorbehalten gewesen. Er erinnerte daran, dass er wenige Wochen nach seinem Amtsantritt 2017 die zehnte Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden „WortMenues“ freigeben konnte. Zeitler zeigte sich literarisch und zitierte einen Text von Minnesänger Oskar von Wolkenstein, den der während des Konstanzer Konzils nach einem Besuch im überseeischen Überlingen verfasst hatte. Der sei zwar wenig schmeichelhaft für die Stadt, doch liege die Diagnose ja mehr als 600 Jahre zurück: „Wer sein Geld verplempern will, keine Hemmung dabei kennt, frag sich durch nach Überlingen: Fleisch ist mickrig, Kraut in Haufen, klein die Schüssel, die reihum geht, hungrig bleiben die Kumpane, die draus löffeln.“ Den zweiten Teil vom Wassermus und sauren Wein ersparte Zeitler dem Publikum schließlich, ehe er guten Appetit wünschte.

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Koch erzählt von seinem Werdegang

Lediglich Stichworte brauchte Oswald Burger dem Gastwirt und Küchenchef von der Stuttgarter „Wielandshöhe“ zu geben, um ihm launige Geschichten zu entlocken: über dessen Familie und die Weichenstellung zum Koch anstelle der vermeintlich „brotlosen Kunst“. Ein Faible für den kulinarischen Genuss war ihm wohl in die Wiege gelegt, erzählte Vincent Klink. Nicht jedoch all die Vornamen, über die er in seinem aktuellen Buch munter fabuliert, was nach dem „Theophrastus“ spätestens beim „Bombastus“ offenbar wird. Sie seien eher eine Hommage an den altphilologischen Großvater. Der Vater – ein praktizierender Tierarzt – habe schließlich bei Paul Bocuse und Kollegen mutmaßlich „ein ganzes Wohnhaus verfressa“.

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Klinks Leidenschaft für Jazz

Vincent Klink hegt eine große Leidenschaft für Jazz. Während seiner Kochausbildung habe er schon von Brasilien und dem Bossa Nova geträumt, berichtete er fast wehmütig. Vor Kurzem habe er mal wieder seine Flöte ausgepackt und sei selbst überrascht: „Nach einer Woche stand ich auf der Bühne – für den Jazz hat‘s gereicht.“ Statt Brasilien wurde es das Restaurant „Positillion“ in Schwäbisch Gmünd, wo er später den ersten Michelin-Stern bekam. Doch davon habe er sich längst ganz bewusst verabschiedet, erzählte er. Auch mit exzellenten Rouladen könne man bei den Gastrokritikern kaum punkten. Aber auch „den Hackbraten müsset sie so gut macha, dass die Leut‘ bereit sind, 90 Euro dafür zu zahla“.

„I glaub‘, i ben en guater Wirt“

Zitate des Meisterkochs und Buchautors Vincent Klink während des Auftaktabends der Veranstaltungsreihe „WortMenue“ im Überlinger Kursaal.

  • „Gulasch ist der Schrecken für alle Food-Fotografen, doch er schmeckt so gut. Auch ein schöner Kartoffelsalat schmeckt nicht. Das muss eine Matsche sein. Deshalb gibt es in keinem Feinschmeckerheft ein Foto davon.“
  • „Nur an Silvester gibt es ausnahmsweise mal Hummer und Kaviar, also die ganzen Dinge, die politisch nicht korrekt sind.“
  • „Beim weißen Trüffel muasch gar et kocha könne. Wenn der gut isch, hobelscht ihn in die Nudle nei. Dann isch der Kittel gflickt.“
  • „Wer der Sache beim Spargel nicht ganz traut, der ist erst mal das Beschte. Dann sieht mr weiter. Andere fangen beim holzige an und hebet die Köpfe des Spargels so lang auf, bis sie koin Appetit mer hent.“
  • „Das Wirtsein macht mir die größte Freude. Es gibt en Haufa guate Köch‘, aber guate Wirt gibt‘s ganz selta. Doch i glaub‘, i ben en guater Wirt.“
  • „Dass sich die Leut‘ wohlfühlen, wirkt sich auch drauf aus, ob ihnen s‘Essa schmeckt. Also wenn a Ehepaar Krach kriagt em Restaurant, kannsch kocha wie de willsch.“
  • „Reichenau ist ein Kraftort. Also ich bin nicht religiös und nicht esoterisch veranlagt. Doch wenn man auf einem Boda lauft, wo schon so viel passiert ist, spürt man auch den Wert Europas.“