Überlingen/Pfullendorf – Rund 150 Landfrauen der Vereine Überlingen und Pfullendorf haben bei der Bezirksversammlung die Luibrechthalle in Lippertsreute gefüllt. Lediglich am Prominententisch dominierten die Männer als Ehrengäste. Vorsitzende Kerstin Mock aus Markdorf hieß unter anderem Landrat Lothar Wölfle, Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler, Ortsvorsteher Gottfried Mayer und als Referent den baden-württembergischen Ombudsmann für Flüchtlingserstaufnahme, Karl-Heinz Wolfsturm, willkommen. Mock erinnerte Jan Zeitler mit einem Foto an dessen Abschiedsgeschenk aus den Horber Ortsteilen, auf dem neben Nudelpaketen und Eingemachtem unter anderem zwei Mineralwasserflaschen zu sehen waren. „Da können wir sicher mithalten“, sagte die Vorsitzende ebenso selbstbewusst wie ironisch.

Daran zweifelte auch Jan Zeitler nicht, der den Ball aufnahm und der vielfältigen Arbeit der Landfrauen großen Respekt zollte. „Sie sind das Rückgrat der bäuerlichen Familienbetriebe“, erklärte der Oberbürgermeister. Er verwies auf die Mehrfachbelastungen als Erzeugerinnen und Vermarkterinnen von hochwertigen Lebensmitteln, Vermieterinnen von Ferienwohnungen sowie Hausfrau und Mutter. Umso wichtiger sei gerade das umfangreiche Bildungsprogramm des Dachverbands, das Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung und zur beruflichen Weiterbildung bereit halte. Neben dem Lob für die engagierte Arbeit hatte Jan Zeitler auch schon Wünsche an die Landfrauen mitgebracht: Er hoffe, dass sie sich aus der ganzen Region mit ihren Kompetenzen in drei Jahren an der Landesgartenschau beteiligten.

In ihrer Einführung zum Vortrag von Karl-Heinz Wolfsturm erinnerte Kerstin Mock an die Zahl der geflüchteten Menschen und die damit verbundene Herausforderung an die Gesellschaft. „Diesen Schritt tut keiner mit Freude oder ohne Not“, sagte die Vorsitzende und stellte insbesondere die Frage: „Wie schaffen es die Frauen, sich bei uns zu integrieren?“

Dass es gerade bei der Integration mehr denn je auf das Engagement ehrenamtlicher Helfer ankomme, erklärte Karl-Heinz Wolfsturm, der über seine Erfahrungen mit Geflüchteten berichtete. Der ehemalige Leiter der Polizeidirektion Friedrichshafen ist im Auftrag der Landesregierung seit Juli 2015 als Ombudsmann für die Flüchtlingserstaufnahme tätig. Er definierte seine Aufgabe als Moderation und Beitrag zu Konfliktlösungen. „Das hört sich nicht nur gut an. Das geht auch.“ Wolfsturm bekräftigte die Bedeutung von Transparenz und Objektivität in den Darstellungen und Ehrlichkeit in der Informationspolitik. „Wir dürfen Probleme nicht ignorieren“, sagte er, kritisierte aber Populismus auf dem Rücken der geflüchteten Menschen. Zudem appellierte Wolfsturm an die Landfrauen, populistischen Verunglimpfungen entschieden entgegenzutreten und Position im Sinne der Verfassungsgrundwerte zu beziehen. Nachdrücklich forderte er auch: „Wir müssen schauen, dass die Frauen nicht benachteiligt werden.“

Zum Programm

Nach dem ernsten Beitrag zur Situation geflüchteter Menschen hatte die Bezirksversammlung der Landfrauen ihren Mitgliedern mit Marlies Grötzinger noch einen humorvollen Abschluss zu bieten. Die Autorin und Mundartdichterin sorgte schnell für Heiterkeit und outete sich als mutige schwäbische Solistin unter zahlreichen badischen Landfrauen. Ihren Heimatort Laupheim charakterisierte Grötzinger auf ihre Art. "Sie kennen sicher das Lied 'Auf der schwäbischen Eisenbahn'", leitete sie ihren kurzen Ausflug in die Geographie ein, "auch die Passage 'Stuttgart, Ulm und Biberach'. Da käme ich quasi aus dem 'und'." Grötzinger trug einige vergnügliche Passagen aus ihren Büchern und Texten vor. Und sie gab noch eine kurze Lektion in schwäbischer Aussprache. Es gebe einen kurzen Merksatz, in dem quasi alle existierenden Nasale vorkämen. "Koa i no oi Oi hao?" – Könnte ich noch ein Ei bekommen?