Während zum Schutz der jungen Uhus Jahr für Jahr der Stadtgraben für zwei Monate gesperrt wird, damit die Jungvögel ungestört ihre Flugübungen machen können, müssen junge Amseln, Rotkehlchen oder Meisen sozusagen im Minenfeld üben. Denn in vielen Gärten, wo sie schlüpfen und aufwachsen, ist der Katzenbestand groß.

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Wie viele Katzen es in Deutschland gibt, dazu gibt es lediglich Schätzungen und Hochrechnungen, denn Katzen sind nicht meldepflichtig. Dass es mindestens acht Millionen sind, darüber sind sich Verbände und Statistiker aber einig.

Wie viele Katzen gibt es in Deutschland?

Der Zentralverband zoologischer Fachbetriebe Deutschlands geht sogar von 13,7 Millionen Katzen aus, die in 22 Prozent der deutschen Haushalte leben. Dazu kommen schätzungsweise zwei Millionen verwilderte Katzen, für die die Jagd auf Säugetiere und Vögel dem Überleben dient. Die Hauskatze hingegen muss eigentlich nicht jagen, um zu fressen, sie kann sich schließlich zu Hause aus dem Napf ernähren. Nichtsdestotrotz besitzen auch Hauskatzen einen Jagdtrieb.

Amseln, Meisen (Bild) und Rotkehlchen unternehmen derzeit ihre ersten Flugversuche.
Amseln, Meisen (Bild) und Rotkehlchen unternehmen derzeit ihre ersten Flugversuche. | Bild: Patrick Pleul

Professor Peter Berthold aus Owingen-Billafingen ist Ornithologe und hat den Spiegel-Bestseller „Unsere Vögel/Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können“ geschrieben. Die Hauptursache für den enormen Rückgang der Vogelpopulation in Deutschland – seit 1800 um 80 Prozent – sieht er in der modernen Landwirtschaft mit Chemieeinsatz und Monokulturen. Viele Millionen Vögel werden aber auch jedes Jahr von streunenden und verwilderten Katzen zur Strecke gebracht, schreibt er. Er plädiert dafür, Katzen in der Wohnung zu halten, was kein Problem sei, wenn sie von klein auf daran gewöhnt seien.

Sie sind unter dabei unter anderem durch Katzen gefährdet.
Sie sind unter dabei unter anderem durch Katzen gefährdet. | Bild: Erwin Niederer

Wenn Katzenbesitzer allerdings nicht auf den Freigang ihrer Tiere verzichten können oder wollen, könne man den Freigang der Katzen zumindest einschränken, sagt Hartmut Walter, Vorsitzender des Nabu-Bezirksverbands Donau-Bodensee. Die Hauptbrutzeit ist von Mai bis Juli und die Jungvögel sind vor allem in den frühen Morgenstunden aktiv. Es wäre den Vögeln also schon viel geholfen, „wenn in diesen Wochen Katzen über Nacht im Haus gehalten und erst am späten Vormittag hinausgelassen werden“, so Walter.

Eine junge, hungrige Amsel wartet in einem Garten in ihrem Nest mit geöffnetem Schnabel darauf, von ihrer Mutter gefüttert zu werden.
Eine junge, hungrige Amsel wartet in einem Garten in ihrem Nest mit geöffnetem Schnabel darauf, von ihrer Mutter gefüttert zu werden. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Als äußerst wirksam gilt, Katzen kastrieren beziehungsweise sterilisieren zu lassen, denn zum einen verhindere das die Ausbreitung von verwilderten Katzen, zum anderen mindere die Maßnahme den Jagdtrieb der Vierbeiner. Für diese Maßnahme spricht sich auch der Deutsche Tierschutzbund aus. Der Einsatz von Halsbändern mit Glöckchen ist umstritten, nützt es dem hilflosen Vogelnachwuchs doch nicht, gewarnt zu werden, da die jungen Vögel ohnehin nicht fliehen können. Zudem sei das stete Klingeln eine Tortur für die empfindlichen Katzenohren.