Die Landesgartenschau 2020, so das Ziel, soll den Bodensee als eine große touristische Attraktion weit über die Region hinaus vermitteln. "Grenzenlos" lautet eines der Schlagworte. Was das konkret bedeuten kann? Das wurde in dieser Woche deutlich, als sich Bürgermeister und Touristiker rund um den Bodensee in Überlingen zu einem Gedankenaustausch trafen.

Die Idee für eine IGA, eine Internationale Gartenschau, die rund um den Bodensee stattfinden sollte, scheiterte 2007 in der Entwicklungsphase. Doch ist die Landesgartenschau 2020 nun Gelegenheit für alle Bodensee-Anreiner, sich auf dem LGS-Gelände in Überlingen zu präsentieren, damit der Bodensee als eine große Marke wahrgenommen werde. Oberbürgermeister Jan Zeitler jedenfalls lud seine Amtskollegen bei einer Gesprächsrunde in Überlingen, die am Dienstag im Städtischen Museum und auf der LGS-Baustelle stattfand, zur Teilnahme auf. LGS-Geschäftsführerin Edith Heppeler nahm den Rathauschefs potenzielle Sorgen: Sie müssen nichts, sondern dürfen nur. Sie verwies auf die Überlinger Vereine, die 2020 ebenfalls die Gelegenheit bekommen, einen ganzen Tag, ein Wochenende, einen Abend oder ein ganzes Themenfeld mit Inhalten zu füllen – aber nichts müssen. So sei auf der LGS 2020 ein "Rorschach-Tag" oder ein "Friedrichshafen-Tag" denkbar, und das Programm noch offen für viele Anregungen. Heppelers Geschäftsführer-Kollege Roland Leitner sagte an die Adresse der Kommunen: "Sie können vor einem internationalen Publikum zeigen, was Sie können."

Zu den Besuchern aus der Nachbarschaft gehörten unter anderem Engens Stadtbaumeister Matthias Distler, Owingens Bürgermeister Henrik Wengert und Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer. Distler sagte, dass Engen mit großem Interesse nach Überlingen schaue, weil man sich touristisch als eine Region begreife, und weil Engen sich selbst für die LGS im Jahr 2027 beworben habe. Wengert bezeichnete sich als Freund der Landesgartenschau. "Sie strahlt in die ganze Region hinaus – hier wollen wir uns als Kommune einbringen." Scherer bot sich für Gespräche an zur Bewältigung der logistischen Herausforderungen, die mit dem Ansturm tausender Besucher erwartet werden, nach dem Motto: Parken und nächtigen in Meersburg und mit dem ÖPNV weiterfahren nach Überlingen.

"Wenn Sie jemals überlegen sollten, sich selbst für eine Landesgartenschau zu bewerben, sollten Sie wissen, dass so ein Projekt neben dem Alltagsgeschäft laufen muss." Jan Zeitler wollte seinen Amtskollegen keine Angst machen, doch aber aufzeigen, wie viel Arbeit damit verbunden ist. In Überlingen kommen 2020 noch hinzu: Das närrische Viererbund-Treffen und die Feierlichkeiten zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt, außerdem ein Theaterstück zur Stadtgeschichte, das momentan gerade geschrieben werde. Zeitler: "Sie sehen, bei uns ist einiges geboten – und Sie können sich dabei einbringen."

Roland Leitner berichtete den Nachbarn von der Entstehungsgeschichte der LGS, dass sich die Bürger gewünscht hätten, dass aus dem Stadteingang West, der "kein Schmuckstück der Flächengestaltung" gewesen sei, "ein vielfältig nutzbarer Bürgerpark" entstehe. Es blieben noch 674 Tage Zeit, das umzusetzen, "die Zeit reicht uns auch".

Eine Landesgartenschau mobilisiere Fördergeld und schaffe einen heilsamen Druck, auf einen fixen Zeitpunkt hin die Stadt zu entwickeln. Überlingen erhalte ja nicht nur einen neuen Bürgerpark, sagte Leitner. Vielmehr würden auch andere Flächen aufgewertet und zu einem Grüngürtel rund um die Stadt vernetzt. Als Beispiel nannte Leitner den Graben am Sankt-Johann-Turm, den Rosenobelgarten und die Menzinger Gärten. Hierbei handle es sich um teils überwucherte Flächen, die entweder "ein bisschen vergessen" worden seien oder von nur wenigen Leuten als Privileg genutzt werden konnten. Solche Strukturen "aufzubrechen", so Leitner, gelinge mit einer Landesgartenschau besser als ohne sie. Mancher Bürger empfinde dabei ein Zuviel an Veränderung, deshalb sei es wichtig, fortwährend zu informieren – "und dann zu begeistern". Und so gab sich Edith Heppeler gegenüber den Nachbargemeinden optimistisch, dass die LGS die Identifikation der Überlinger mit ihrer Stadt stärkt, "und dass sie ein neues Miteinander schafft".