Sie machen ihr Versprechen wahr: Unmittelbar nach der Wahl des neuen Vorstands im Oktober 2016 hatten die beiden Vorsitzenden Ulrike Niederhofer und Hansjörg Straub ein weiterentwickeltes Ausstellungskonzept angekündigt, das zum einen die Vielfalt kreativen Schaffens zeigen und dabei insbesondere auch jungen Künstlern eine Chance bieten will. Der Bedarf und das Interesse scheint durchaus vorhanden. "Die ersten Anrufe junger Künstler kamen schon kurz, nachdem im SÜDKURIER über unsere Idee der Öffnung zu lesen gewesen war" , sagt Ulrike Niederhofer. Manche hätten sich das außergewöhnliche Ateliergebäude in der Goldbacher Straße auch schon angeschaut. Alle seien von dem kleinen, aber feinen Ausstellungsraum hell begeistert gewesen, betont die Vorsitzende. Das Konzept biete jungen Künstlern eine Chance und mache zugleich die Galerie bekannter.

Die neue Spitze des Fördervereins will dabei den Künstler Hans Fähnle keineswegs aus den Augen verlieren, wie Hansjörg Straub, der stellvertretende Vorsitzende, ausdrücklich betont. Bruder Ernst Fähnle hatte das außergewöhnliche Atelier hoch über der Straße gebaut und es später als Vermächtnis mit Auflagen der Stadt zur Verfügung gestellt. Volker Caesar veranlasste vor zehn Jahren, dass der Bau als Kulturdenkmal ausgewiesen wurde. Dem ehemaligen Denkmalpfleger und Kunstfreund ist es auch zuzuschreiben, dass die Arbeiten Hans Fähnles aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurden und inzwischen mehr Beachtung finden.

Erstmals wird es in diesem Jahr drei Ausstellungen in der Galerie geben. Beginnen wird das Programm in der kommenden Woche mit einer Werkschau der Meisterklasse an der Freien Kunstakademie Bodensee, die am 6. April eröffnet wird. Bis zum Ende der Osterferien am 23. April werden die Arbeiten der Studenten hier zu sehen sein.

Einen ebenso mutigen wie spannenden Brückenschlag wagt der Förderverein dann mit dem folgenden Projekt: Ausgehend von Fähnles eindrucksvollem Bild "Der verlorene Sohn" stellen die Kuratoren Fotografien des jungen Fotografen Till Rimmele unter dem Titel "Verlorene Söhne" gegenüber. Hans Fähnle hatte das bekannte biblische Motiv in verschiedenen Ölbildern und in grafischen Blättern und Zeichnungen verarbeitet. Teilweise anrührend, teilweise bewegend mit Szenen aus dem Kriegslazarett. Hier wird der Bezug zu den ausdrucksstarken Fotografien von Till Rimmele deutlich. "Das ist auch ein ganz interessanter Kontrast", sagt Ulrike Niederhofer.

Der gebürtige Überlinger Till Rimmele war mit seiner Kamera in verschiedenen Kriegsgebieten unterwegs. Unter anderem im ukrainischen Donbass-Becken, wo er mit Bildern der Menschen dramatische Geschichten erzählt und auch manche Fragen aufwirft: Was veranlasst manche, aus North Carolina oder dem georgischen Abchasien hierher zu kommen und zu kämpfen? "Man kann diese Männer als 'verlorene Söhne unserer Zeit' bezeichnen", sagt Hansjörg Straub. Die Gegenüberstellung werfe vor diesem Hintergrund sicher Fragen auf und dürfe auch provozieren.

Mit der dritten Ausstellung des Jahres realisiert der Verein zugleich die angekündigte Kooperation mit dem Bodenseekreis, für den Landrat Lothar Wölfle bei einem Besuch im September 2015 die Unterstützung der Galerie zugesagt hatte. Zu sehen sein werden dann großformatige Aquarelle von Lisa Marie Pfeffel aus Karlsruhe, die im vergangen Oktober mit dem Förderpreis des Kreises für gegenständliche Kunst ausgezeichnet worden war. Unter anderem für ihre außergewöhnlichen Kindermotive, mit denen die junge Künstlerin "gängige Klischees" konterkariere, wie Heike Frommer, Galerieleiterin des Bodenseekreises, in ihrer Laudatio damals betont hatte. Auch künftig will der Verein den Preisträgern der in zweijährigem Turnus verliehenen Auszeichnung im Folgejahr Gelegenheit zu einer Ausstellung geben.

Das Programm

6. April bis 23. April

  • "Bild 17"- Die Meisterklasse der Freien Kunstakademie Überlingen stellt aus: Dagmar Bodamer, Anke Bonhoff-Neugebauer, Markus Dietrich, Petra Ebeler, Irene Rapp, Denise Sigrist, Daniel Wollmann. Geöffnet vom 7. bis 23. April, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Vernissage am 6. April, 19.30 Uhr.

12. Mai bis 30. Juli

  • Hans Fähnle "Der verlorene Sohn – Bilder und Zeichnungen" – Till Rimmele "Verlorene Söhne – Fotografien". Vernissage: 12. Mai, 18 Uhr – Finissage mit Sommerfest: 30. Juli, 14 Uhr. Dazwischen Kuratorenführungen, Vorträge und Lesungen. Öffnungszeiten: Sonntag 14 bis 17 Uhr.

3. September bis 29. Oktober

  • Lisa Marie Pfeffel "Aquarelle". Preisträgerin des Bodenseekreises im Jahr 2016.
  • Anschrift: Goldbacher Straße 70