Kinder sehen die Welt mit eigenen Augen, ganz unbekümmert, voller Neugierde und Freude, reagieren spontan, kreativ und authentisch, mal lustig und fröhlich, aber auch traurig, enttäuscht und verärgert. In ihren meist großformatigen Aquarellen konfrontiert Lisa-Marie Pfeffel den Betrachter mit dieser entwaffnenden Natürlichkeit der Kinder in den unterschiedlichsten Situationen.

Der Musterknabe, Katzenjammer und rosige Zeiten, Völlerei, Goldmarie oder Flüsterpost: Die Bilder sind ehrlich und direkt, ohne jegliche Verniedlichung oder Idealisierung. Durch die großformatige Darstellung verringert sich die Distanz zum Betrachter, man schaut direkt in die großen Augen der Kinder, wird unweigerlich berührt durch ihre Gesten, ihre Mimik. Wie die Laudatorin, Ulrike Niederhofer, betonte, treten auch die Bilder untereinander in eine lebendige Konfrontation, begünstigt durch die in sich geschlossene, übersichtliche Raumsituation in der Galerie Fähnle.

Die Aquarelltechnik ermöglicht es der Künstlerin, durch das teilweise freie Fließen der Farbpigmente bestimmte Bildpartien zu dynamisieren, keine starren Oberflächen, transparente Schichtungen zarter Farbe bei den Hauttönen. Die Bildmotive basieren auf eigenen Fotografien von Kindern in ihrer unmittelbaren Umgebung, die dann frei Hand auf das Aquarellpapier als Umrisszeichnung übertragen werden, wobei die Künstlerin bewusst in Ausdrucksweise und Komposition eingreift. Der Bildhintergrund ist immer leer. Die Personen agieren auf unberührtem Terrain, losgelöst von Umgebung und Einfluss, ausschließlich konzentriert auf die unmittelbare Begegnung mit dem Betrachter.

Die israelische Musikerin Liron Meshulam hatte extra für diese Vernissage ein Musikstück komponiert, live gespielt und gesungen, ein gelungenes, künstlerisches Gesamtpaket. Lisa-Marie Pfeffel wurde übrigens 2016 anlässlich der großen Ausstellung mit realistischer Gegenwartskunst in der Galerie Rotes Haus in Meersburg mit dem Förderpreis des Bodenseekreises ausgezeichnet. Die Ausstellung in der Galerie Fähnle läuft noch bis zum 29. Oktober und ist jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.