Auf dem einen Tisch wird mit Lineal und Bleistift konzentriert eine Linie gezogen, auf dem anderen fliegen die Späne. Es sind ganz unterschiedliche Stile, in denen sieben Jugendliche ihre Ideen für den Uferpark in Miniatur Realität werden lassen. Sie haben die Chance, für die Landesgartenschau eine Jugendlounge zu entwerfen. Das städtische Jungendreferat und die Landesgartenschau GmbH haben Zwölf- bis 18-Jährige zum Ideenwettbewerb "Pimp my Beach" ins Jugendzentrum Rampe eingeladen. Viele sind nicht gekommen.

Auf der Suche nach Plätzen am Ufer

Dabei ist es ein bedeutendes Thema für die Überlinger Jugend: Der Platz für sie am Ufer des Bodensees sei rar, wie Benjamin Kostenbäder und Liza-Marie Schumacher bei dem Workshop erzählen. Beide wurden kürzlich in den Jugendgemeinderat gewählt. "Es gibt im Sommer nur zwei Möglichkeiten: Ost- oder Westbad", sagt Kostenbäder vom Überlinger Gymnasium. Seine neue Ratskollegin Liza-Marie Schumacher schließt sich an: "Im Winter gibt es nichts am Ufer." Das soll sich ändern, eine Chance bietet die Landesgartenschau 2020. Beide haben Ideen in die Rampe mitgebracht, um sie den Verantwortlichen zu präsentieren. Und es zeigt sich: Im kleinen Kreis, aufgeteilt in zwei Gruppen, sprühen die Jugendlichen vor Kreativität.

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LGS nicht nur für ältere Generation

Dass es der Landesgartenschau GmbH mit der Jugend ernst ist, erklärt Geschäftsführer Roland Leitner. Er heißt die Teilnehmer willkommen und gibt zu: "Jugendliche zur Landesgartenschau zu holen, ist eine gewisse Schwierigkeit." Zum einen fehle den Planern meist der Kontakt zu jungen Menschen. Zum anderen sei bei den Jugendlichen der Gedanke verankert, dass die Landesgartenschau einzig Blumenbeete für ältere Menschen zeigen soll. "Aber wir haben den Anspruch, etwas für die nachfolgende Generation zu schaffen." Er wolle die Beteiligung junger Menschen fortlaufend am Leben erhalten und keine "Alibi-Veranstaltungen machen", wie er den Jugendlichen erklärt. Christin Grob, die für die LGS im Bereich Planung, Bau und Betrieb arbeitet, schließt sich seiner Meinung an: "Überlingen ist die zweitälteste Stadt in Baden-Württemberg." Sie versprach, dass die Gartenschau 2020 nicht nur für die ältere Generation gedacht sei. "Wir brauchen euren Input, eure Ideen, alles was ihr schon gesehen habt. Dann wird gebastelt, gemalt, damit uns klarer wird, was ihr wollt."

Konzepte in zwei Gruppen erarbeiten

Und so geht es ans Werk, erst theoretisch dann praktisch. In einer Fantasie-Reise kann jeder in sich gehen, um "die Kreativität rauszulassen", wie Stadtjugendpfleger Juan Diabuno sagt. Danach schreibt jeder sein eigenes Konzept nieder. In zwei Gruppen mit drei und vier Jugendlichen wird anschließend über die Ideen beraten. Die Ansätze unterscheiden sich gänzlich: Auf der einen Seite statten sich die Waldorfschüler Flynn Martin, Daniel Warner, Jugendgemeinderat Sven Erik Feger und Realschüler David Fürmaier mit Bastel-Materialien aus. Mithilfe von Säge und Heißklebepistole arbeitet die Gruppe an einem Entwurf, der ähnlich aufgebaut ist, wie man es von einem Architekturwettbewerb kennt.

Mit handwerklichem Geschick geht es an die Gestaltung ihrer Idee für den Uferpark: Sven Erik Feger, Flynn Martin und Daniel Warner (von links) bauen ihren Entwurf wie bei einem Archtikturwettbewerb.
Mit handwerklichem Geschick geht es an die Gestaltung ihrer Idee für den Uferpark: Sven Erik Feger, Flynn Martin und Daniel Warner (von links) bauen ihren Entwurf wie bei einem Archtikturwettbewerb. | Bild: Kares, Julian

Idee für Muschel mit vielen Funktionen

Styroporbälle, die auf Holzspießen stecken, bilden auf der Karte zum Uferpark die Bäume im Baugebiet. Daneben basteln sie eine Muschel, die laut Sven Erik Feger als "Multi-Funktions-Raum" dienen soll. Auf einem Block zeigt das Team eine weitere Idee: Eine futuristisch wirkende Liege- oder Sitzgelegenheit, die mit Solarplatten angebaute Steckdosen mit Strom beliefern soll. LGS-Geschäftsführer Roland Leitner dazu: "Der Entwurf ist mehr für die Saisonnutzung gedacht und modulartig aufgebaut. Wir können uns überlegen, erst einen Teil zu machen und später zu erweitern." Der Vorteil: Der Entwurf muss nicht komplett realisiert und damit nicht auf einen Schlag finanziert werden.

Hütte auf Stelzen und Strandabschnitt

Auf der anderen Seite sitzen die Jugendgemeinderäte Liza-Marie Schumacher, Benjamin Kostenbäder und Espen Rechtsteiner. Ein Konsens ist in der Gruppe schnell gefunden. Rechtsteiner sagt: "Wir sind uns alle einig. Es wird eine Hütte mit Stelzen." Mit davorliegendem Strand könne diese im Sommer zum gemütlichen Abhängen genutzt werden. Im Winter kann sich das Treiben nach innen verlagern. "Dahinter steckt der Plan für eine ganzjährige Nutzung", sagt Leitner. Durch die erforderlichen Genehmigungen und die Finanzierung auf einen Schlag sei jedoch die Gefahr hoch, dass die Gesamtidee auf einmal stirbt oder die Hütte wesentlich kleiner ausfällt. Sein Fazit zum Workshop: "Beide Konzepte sind toll und spiegeln den Bedarf wider." Seine Aufgabe ist es nun, die Ideen einem Realitätscheck zu unterziehen. "Was lässt sich davon umsetzen? Das ist jetzt für uns die Frage", sagt Leitner.