Bernd Wiese scheint doch noch eine Chance zu haben, sein Antiquariat in der Turmgasse weiter betreiben zu können. Die Vermieterin hatte ihm schon im Juni fristgerecht zum 31. Dezember 2018 gekündigt, da sich Wiese trotz mehrfacher Hinweise nicht auf die eigenen Räume beschränke.

Vorwurf: Viele Gemeinschaftsflächen zugestellt

Stattdessen habe er auch viele Gemeinschaftsflächen des Mietshauses mit Büchern zugestellt und diesbezügliche Aufforderungen zur Räumung bislang einfach ignoriert, wie die Rechtsanwältin der Vermieterin, Eva-Maria Leirer, betont. Der Antiquar verstand die Welt nicht mehr und wollte die Argumente nicht nachvollziehen, schaffte indessen dennoch ganze Bücherberge schon im Dezember außer Haus – und war im Januar immer noch da. Wiese: "Ich bin nur noch geduldet."

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Anwältin und Vermieterin hätten unabhängig voneinander die Lage inspiziert, berichtet Bernd Wiese in diesen Tagen, und seien zu einer unterschiedlichen Bewertung gekommen. "Die Vermieterin war schon ganz zufrieden, wie sie mir sagte", sagt der Antiquar. "Ja, sie war nicht unzufrieden", formulierte es Anwältin Leirer. "Mal sehen, ob Herr Wiese weiter kooperativ ist, dann werden wir ihm einen neuen Mietvertrag anbieten." Wenn sich der Antiquar dann zur Einhaltung der Regelungen verpflichte, "dann kann er schon noch ein paar Jährchen drinbleiben. Wir werden das genau beobachten".

Bücher, Bücher, Bücher....Doch Antiquar Bernd Wiese (69) weiß genau, was er hat und was wo steht.
Bücher, Bücher, Bücher....Doch Antiquar Bernd Wiese (69) weiß genau, was er hat und was wo steht. | Bild: Hanspeter Walter

Es gehe vor allem um die Gemeinschaftsräume, Flure und den Kellerabgang, die Bernd Wiese nicht alleine zustünden. So seien in den oberen Etagen noch zwei Wohnungen. "Die Mieter haben sich zurückgehalten, weil sie keine Konflikte wollten", betont Leirer. Doch seien sie über die Belagerung der Räume nicht glücklich gewesen. Bernd Wiese hält entgegen, dass die dort gestapelten Bücher niemanden störten. Ja, selbst Bauordnungsamt und der Brandschutzbeauftragte der Feuerwehr hätten darin kein Problem gesehen.

Druck scheint nun zu wirken

Es gehe einfach auch darum, dass der Antiquar Flächen belege, "die ihm gar nicht zustehen", bekräftigt die Rechtsanwältin der Vermieterin. "Wir versuchen deshalb ja schon seit Jahren darauf hinzuwirken, dass er die vollgestellten Flure und Kellertreppen räumt – doch ohne Erfolg." Dieses Mal scheint der Druck zu wirken.