Die jungen Mütter liegen im Stroh und käuen wieder, während der Nachwuchs sich neugierig den Besuchern nähert. Eine andere Kuh interessiert sich mehr fürs Fressen und ignoriert Mechthild Knösel, die sich auf den Futtertrog gestellt hat, damit sie besser zu sehen ist. Zusammen mit ihrem Mann leitet sie die Landwirtschaft des Hofguts Rengoldshausen und ist für die Rinder zuständig.

Sie erklärt den Gästen, dass sie die Kälber einen Monat bei den Müttern lässt und dann schrittweise entwöhnt. Auch der männliche Nachwuchs wird erst später von den künftigen Milchkühen getrennt. Alle leben in einem luftigen Stall, bekommen duftendes Heu zu fressen und haben so viel Platz, dass sie ihre Hörner problemlos behalten können. "Die Tiere sind zufriedener und gesünder bei dieser Methode der Haltung", erklärt Mechthild Knösel und fügt hinzu, dass es nicht in allen Biobetrieben so zugeht.

Die Kälber bleiben vier Wochen bei den Müttern und werden dann schrittweise und behutsam entwöhnt.
Die Kälber bleiben vier Wochen bei den Müttern und werden dann schrittweise und behutsam entwöhnt. | Bild: Sabine Busse

Zuvor hatte Inga Günther Einblicke in ein Projekt der ökologischen Geflügelzucht gewährt. Dabei werden Tiere gezüchtet, die sich sowohl für die Eier- als auch die Fleischproduktion eignen, was Hühnern und deren Brüdern eine Überlebenschance auf dem Hof sichert.

Die Führung auf dem Hof Rengoldshausen fand auf Einladung von Slow Food Deutschland und dem katholischen Hilfswerk Misereor statt. Die beiden Organisationen wollen in einer gemeinsamen Kampagne mit "95 Thesen für Kopf und Bauch" auf die Reformbedürftigkeit der Nahrungsmittelproduktion aufmerksam machen. In Anlehnung an das Lutherjahr und die nun 500 Jahre alten Thesen haben sie neue zu zehn Bereichen verfasst. Das Thema Tiere stand jetzt bei der Führung mit anschließendem Expertengespräch in Überlingen auf dem Programm. In der Runde saßen Vertreter der beiden Organisationen sowie die Gastgeber und ein Berufsschäfer.

In der konventionellen Tierhaltung würde es in einem Stall mit lauter jungen Hähnen wesentlich weniger friedlich zugehen.
In der konventionellen Tierhaltung würde es in einem Stall mit lauter jungen Hähnen wesentlich weniger friedlich zugehen. | Bild: Sabine Busse

Moderiert wurde das Gespräch von Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Ernährung. Die Experten machten deutlich, dass Genuss und Ernährung auch mit sozialer Verantwortung zu tun hätten. Wenn in Südamerika Soja in Monokultur angebaut wird, um damit hier die Tiere zu mästen, habe das vielfältige Auswirkungen. Aber hochwertige und im Sinne des Tierschutzes produzierte Milch und Eier sowie Fleisch von "glücklichen" Rindern sind teuer. Trotzdem brauchen die Erzeuger viel Idealismus und produzieren kaum kostendeckend. Sind die Verbraucher bereit, höhere Preise zu zahlen? Dem hielt Moderator Jürgen Maier entgegen: "Der meistverkaufte Kaffee wird in Kapseln angeboten und kostet 40 Euro das Kilo. Der Preis ist immer relativ!"

Auf dem Hofgut Rengoldshausen werden männliche und weibliche Küken nicht direkt nach dem Schlüpfen getrennt. Die beiden sind zwei und vier Wochen alt.
Auf dem Hofgut Rengoldshausen werden männliche und weibliche Küken nicht direkt nach dem Schlüpfen getrennt. Die beiden sind zwei und vier Wochen alt. | Bild: Sabine Busse

Landesgartenschau

Die Biobauern in der Region möchten sich gerne an der Versorgung der Gäste der Landesgartenschau 2020 in Überlingen beteiligen. "Für uns ist es hochgradig interessant, uns dort einzubringen", betont Markus Knösel, Betriebsleiter Landwirtschaft des Hofguts Rengoldshausen. Noch seien die Gespräche allerdings im Anfangsstadium. Als guten Einstieg sieht er die laufende Bewerbung des Bodenseekreises zusammen mit dem Landkreis Konstanz um das Label "Bio-Musterregion". Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat dazu einen Wettbewerb gestartet.