Überlingen – Was haben sich die Überlinger nicht jahrelang die Köpfe zerbrochen, wie sie ihren hässlichen, einer Industriebrache gleichenden Stadteingang West aufwerten könnten. Dort, wo bislang ein Campingplatz und eine Baustoffhandlung am Bodensee siedelten, den Überlingern selbst aber der Zugang zum See versperrt war, gab es Pläne für den Bau von Hotels und Wohnungen – aber keinen Platz für die Bürger selbst. Doch mit dem Zuschlag des Landes zur Landesgartenschau 2020 bot sich die Chance, ein gut sechs Hektar großes Gelände zu einem öffentlichen Park und zu einem frei zugänglichen Ufer umzubauen.

Bevor die Schau am 23. April 2020 öffnet, gibt es noch viel Gelände zu bewegen und Gemüter zu beruhigen. Zwar stimmten die Überlinger im Jahr 2013, nach einer kontroversen Debatte, in einem Bürgerentscheid für die Teilnahme. Doch kam 2016, als die Dimensionen der Geländemodellierung deutlich wurden, und als die Fällung einer Platanenallee bevorstand, eine neue emotionale Debatte auf.

Wie ein Fels in der Brandung all' dieser Diskussionen steht Roland Leitner, Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH, Ausrichter der Gartenschau. Er ruft zu Gelassenheit auf. Leitner ist ehemaliger Bauhof-Chef in Villingen-Schwenningen und um die Erfahrung der dortigen Landesgartenschau aus dem Jahr 2010 reicher. Er kennt die Diskussionen im Vorfeld solcher Großereignisse. Und so ist er sich sicher, dass die Kritiker dann verstummen, wenn sie sehen, was bleibt.

Ein erstes Bild vom neuen Uferpark, der als Daueranlage nach der LGS geöffnet bleibt, kann man sich schon machen. Denn der westlichste Zipfel ist bereits fertig gestaltet. Von hier aus bietet sich ein Blick über den kompletten Überlinger See, auf die historisch wertvolle Silvesterkapelle und auf steil abfallende Molassefelsen, in denen ab 2020 der seit dem Mittelalter quasi ausgestorbene Waldrapp wieder brüten soll. In den Beeten blühen bereits die Stauden, prachtvolle 4500 Stück, weitere 11 500 Stauden folgen.

Explosion an Blüten

Roland Leitner stellt probeweise einen Liegestuhl auf, und er sprach eine Einladung an die SÜDKURIER-Leser aus, sich zum Sonnenuntergang an einem der längsten Tage des Jahres Baustelle und künftiges Gartenschaugelände anzuschauen. Das stieß auf so große Resonanz, dass aktuell mitgeteilt werden muss, dass diese Veranstaltung ausgebucht ist, also bitte nicht mehr anmelden.

Gezeigt wird bei der Leserführung nicht nur der fertige Teil des Ausstellungsgeländes, vielmehr führt sie auch über die noch offenen Baustellen. Aktuell sind die Arbeiter mit schwerem Gerät beschäftigt, den östlichen Teil des neuen Uferparks, wo früher eine von einer hohen Ufermauer gestützte Straße lag, zu einem flach abfallenden Uferstreifen umzumodellieren. Zudem erhalten die Teilnehmer Informationen über das für 2020 geplante Programm und die weiteren Orte in Überlingen (Parkanlagen, Gärten, Uferpromenade), die für den Besucheransturm geschaffen oder aufgewertet werden. Die Landesgartenschau kostet laut einer Mitteilung rund 20,8 Millionen Euro: 10,3 Millionen für den Bau der Daueranlagen, wovon das Land 6,3 Millionen beisteuert, sowie 10,5 Millionen Euro für Planung und Durchführung der Ausstellung selbst, was zu 80 Prozent über Eintrittsgelder refinanziert werden soll.

Laut einer Mitteilung der LGS GmbH werden im neuen Uferpark 35 000 Kubikmeter Erde bewegt und 6000 Tonnen Böschungssteine gesetzt. Und noch eine Zahl: Laut LGS werden im Herbst 2019 exakt 255 687 Blumenzwiebeln in die Erde gesteckt, für eine florale Explosion im Frühjahr 2020.