Der eine oder andere mag überrascht gewesen sein, die frühere Oberbürgermeisterin Sabine Becker auf der Kandidatenliste von Bündnis 90/Die Grünen für den Kreistag wiederzufinden. Für den Überlinger Gemeinderat kandidiert sie allerdings nicht. Das sagte Sabine Becker auf Nachfrage. Die Nominierungsversammlung für die Gemeinderatsliste von Grünen und LBU findet am Donnerstag statt. Hier wolle sie zwar anwesend sein, aber sich nicht zur Wahl stellen. Das will sich die ehemalige Oberbürgermeisterin nach der empfindlichen Niederlage bei den OB-Wahlen im Herbst 2016, wo sie im zweiten Wahlgang nur zwölf Prozent der Stimmen holte, nun doch nicht antun.

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Sabine Becker war früher Mitglied der CDU. Der ehemalige Vorsitzende des Überlinger Ortsverbands, Werner Schrader, wollte von Becker vor der Abstimmung für die Kreistagsnominierung deshalb wissen, wie sie zu grünen Positionen steht.

Inzwischen sind die Wunden geheilt

Nach der Oberbürgermeisterwahl habe sie sehr mit sich gerungen, erklärte Becker bei ihrer Bewerbung bei den Grünen, ob sie sich überhaupt noch einmal kommunalpolitisch engagieren wolle. Doch inzwischen scheinen die Wunden weitgehend geheilt. „Das geht natürlich nur im Kreis, nicht in der Stadt“, sagte sie. Die Region liege ihr einfach sehr am Herzen. Deshalb habe sie sich entschlossen, sich „dort mit voller Kraft einzusetzen“. Besonders wichtig seien ihr ein besseres Mobilitätskonzept, das Städte und Straßen der Region mit einem besseren ÖPNV und einer besseren Fahrradinfrastruktur entlaste. Einsetzen wolle sie sich auch für eine stärkere Unterstützung inklusiver Kinderbetreuungen, kritisch begleiten die immer stärkere Förderung des Flughafens aus Steuergeldern.

Die frühere Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker (53), hier auf dem Archivbild mit ihrem heutigen Ehemann, dem grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn, bei der Oberbürgermeisterwahl 2016 in Überlingen.
Die frühere Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker (53), hier auf dem Archivbild mit ihrem heutigen Ehemann, dem grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn, bei der Oberbürgermeisterwahl 2016 in Überlingen. | Bild: Stef Manzini

„Du bist ja nun lange CDU-Mitglied gewesen“, sagte Werner Schrader bei der Parteiversammlung: „Ich würde schon gerne von dir wissen, wie du jetzt zu den grünen Themen stehst.“ Sie habe zuvor mit einer eigenen Liste in Überlingen kandidiert und viele Stimmen bekommen, „was ja gut ist“. Dennoch erwarte er von ihr eine klare Positionierung zu den Grünen insgesamt. „Wir haben ja viele Themen“, sagte Schrader: „Mich würde interessieren, ob du zu 100 Prozent zu unseren Themen stehst.“

Sabine Becker: „Die grüne Grundeinstellungen teile ich“

In die CDU eingetreten sei sie in Nordrhein-Westfalen, sagte Becker. Dort habe sie die CDU als „sehr sozial und sehr schöpfungsorientiert“ empfunden. „Das ist eine andere CDU als in Baden-Württemberg“, sagte sie. In Erinnerung geblieben sei ihr aus den ersten Jahren, dass sie mit einem CDU-Mandatsträger „aneinandergerasselt“ sei, der die Meinung vertreten habe, dass „alleinerziehende Mütter nicht arbeiten sollten, sondern bei ihren Kindern bleiben“. Sie habe sich auch später immer wieder an der CDU gerieben und sei ausgetreten, nachdem sie sich 2014 im Kreistag vergeblich um eine Kooperation mit der Unionsfraktion bemüht habe. „Die grüne Grundeinstellungen teile ich“, erklärte Becker.

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Eskaliert ist das schon zuvor angespannte Verhältnis zwischen Sabine Becker und der CDU, als die Partei der Oberbürgermeisterin 2014 nicht den ersten, beziehungsweise einen aussichtsreichen Listenplatz für die Kreistagswahl einzuräumen bereit gewesen sei. Unter „ferner liefen“ wollte Becker nicht gelistet sein, suchte Unterstützer, gründete eine eigene Wählergemeinschaft, die BVÜOS, bekam genügend Stimmen und zog so knapp in den Kreistag ein. Dort kooperiert sie mit den Grünen und ist zufrieden: „Das ist eine ganz andere Diskussionskultur.“

Sie arbeitet wieder als Rechtsanwältin

Dass sie lange Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten ist, war Becker deutlich anzumerken. „Ich bin etwas nervös heute. Ich habe seit Langem nicht mehr vor so vielen Menschen gesprochen“, entschuldigte sie sich quasi für die Vier-Minuten-Vorstellung. Sie versuchte bei dieser Gelegenheit, einige Gerüchte auszuräumen, die im Gemeinderat und in der Stadt kursierten. „Ich arbeite seit einem Jahr wieder als Rechtsanwältin“, erklärte Becker. „Ich arbeite nicht bei Betz und Weber (der Bauträger aus Markdorf, Anm. d. Red.). Es ist ein Mandant von vielen und ich kümmere mich da um juristische Themen.“ Das dürfe sie öffentlich mitteilen, weil es mit der Namensnennung schon in der Zeitung gestanden habe.

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In diesem Zusammenhang sei ja vom „Telekomhaus“ die Rede gewesen, betonte Becker: „Also damit befasse ich mich nicht.“ Ihr Büro hat Sabine Becker zu Hause auf dem Helchenhof. Da sie sich seit dem Vorjahr intensiv um ihre schwer kranken Eltern in Köln kümmern müsse, sei sie mit den bisherigen Aufträgen vorrangig zivilrechtlicher Auseinandersetzungen ziemlich ausgelastet. Schließlich genieße sie auch gerne das Ausreiten mit ihren beiden Pferden, sagt Becker.