Am Freitag, 20. September, findet der dritte gemeinsame, globale Fridays-for-Future-Streik statt. Anlässlich dieses Großereignisses hat das Überlinger Organisationsteam beschlossen, an diesem Tag nicht in Überlingen, sondern gemeinsam in Friedrichshafen zu demonstrieren. Los geht der Klimastreik dort um 11.30 Uhr.

Auferstehungskirche hält Uhr an

Auch die Überlinger Kirchen haben für den diesen Tag eine Aktion geplant. Unter dem Motto „Es ist fünf vor zwölf“ wird um 11.55 Uhr die Kirchturmuhr der Auferstehungskirche bis zum Abend angehalten. Damit will Dekanin Regine Klusmann auf die Dringlichkeit der Debatte aufmerksam machen und ihre Solidarität mit der Fridays-for-Future-Bewegung bekunden. Sie bietet außerdem die Möglichkeit, zur gleichen Zeit ein gemeinsames Gebet für die bedrohte Schöpfung zu sprechen.

Die Turmuhr der Auferstehungskirche wird um 11.55 Uhr bis zum Abend angehalten.
Die Turmuhr der Auferstehungskirche wird um 11.55 Uhr bis zum Abend angehalten. | Bild: Hanspeter Walter

Osanna-Glocke läutet

Münsterpfarrer Bernd Walter schließt sich der Aktion an. Er wird um 11.55 Uhr die große Osanna-Glocke läuten lassen. Weil die nur zu besonderen Ereignissen erklinge, gelinge es vielleicht so, die Menschen wach zu rütteln und zum Nachdenken zu bringen, sagt er. „Denn unsere Schöpfung ist in Gefahr. Die Welt ist in Gefahr.“

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Überlinger Arzt Röver ist heute nicht dabei

Die Überlinger Demonstranten müssen bei dem Klimastreik in Friedrichshafen ohne Rainer Röver auskommen. Der Überlinger Arzt hatte Mitte Juli in einem Facebook-Video angekündigt, seine Praxis ab sofort freitagmittags zu schließen, um sich den Fridays-for-Future-Demonstranten anzuschließen. In Friedrichshafen kann er aber nicht dabei sein: Dafür müsse er seine Praxis ganztags schließen und das wolle er seinen Patienten nicht zumuten, sagt er.

Röver erlebe die Demonstrationen sehr positiv: „Die jungen Leute sind viel konstruktiver und sachorientierter, als man es ihnen unterstellt. Sie setzen sich sehr differenziert mit dem Thema auseinander.“ Durch sein Video und die Berichterstattung des SÜDKURIER konnte er bereits eine Handvoll Erwachsener in Überlingen dazu bewegen, es ihm gleichzutun und ihre Arbeit am Freitagnachmittag für die Demonstration niederzulegen.

Der Überlinger Arzt Rainer Röver (rechts) zusammen mit Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe bei der Demonstration in Überlingen.
Der Überlinger Arzt Rainer Röver (rechts) zusammen mit Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe bei der Demonstration in Überlingen. | Bild: Judith Brouwers
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Für seine Unterstützung der jungen Demonstranten habe er auch Kritik bekommen – zum Beispiel dafür, dass er vor seiner Arztpraxis einen Steingarten habe und in seinem Wartezimmer Stühle aus Plastik stehen. „Das ist genau das, was ich in meinem Video angesprochen habe. Man diskutiert nicht über das globale Thema, sondern sucht nach Fehlern beim Einzelnen“, sagt er. Abschrecken lasse er sich davon nicht, er werde die Fridays-for-Future-Demonstration weiter unterstützen.

Organisationsteam enttäuscht von OB Jan Zeitler

Die Organisatoren der Klimademo sind darüber enttäuscht, dass es bislang keine weiteren Gespräche mit Oberbürgermeister Jan Zeitler zustande kamen. „Bei unserer ersten Demo war Herr Zeitler zwar vor Ort und hat ein paar Worte an uns gerichtet, aber mehr auch nicht“, sagt Karol Roller aus dem Überlinger Organisationsteam.

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„Während der Gemeinderatswahlen hat sich dann auch in den Diskussionen immer mehr das Gefühl verbreitet, dass die Debatte um die Klimakrise noch nicht in den entsprechenden Köpfen angekommen ist“, kritisiert er.

Mittlerweile bemühe sich der Jugendgemeinderat darum, ein Gespräch mit den Organisatoren und Oberbürgermeister Jan Zeitler herzustellen. „Wir hoffen, dass das ernst genommen wird und unsere Proteste in Überlingen nicht weiter auf Betonmauern stoßen“, sagt Karol Roller.