Die Galerie Gunzoburg zeigt eine Ausstellung von Künstlern des Freundeskreises Kunst Uhldingen-Mühlhofen zum Thema Heimat. Die Vorsitzende des Vereins, Elisabeth Heckenberger-Holstein, erklärte, das Thema so manchem der 22 Künstler ziemlich unter die Haut gegangen. Die Ausstellung bietet daher auch eine abwechslungsreiche Palette künstlerischer Umsetzungen an.

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Begriff Heimat ist nicht konfliktfrei

Es sei heutzutage nicht einfach, den Begriff Heimat konfliktfrei zu verwenden. Für die einen sei es der Inbegriff einer reaktionären, völkischen Idee mit der Neigung, sich gegen alles Fremde abzugrenzen. Andererseits drücke der Begriff aber ein weitverbreitetes, natürliches Bedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit, Verbundenheit und Ursprünglichkeit aus. Angesichts weltweiter Reisen, offener Grenzen mit Freizügigkeit in Sachen Arbeit und Lebensraum und nicht zuletzt durch die massenhafte Migration befinde sich der Heimatbegriff in einem gravierenden Umbruch. Heimat sei austauschbar.

Auf dem Bild von Karin Jablonka schwebt ein Zelt über dem Meer, zugleich Symbol für die erträumte neue Heimat für so viele Migranten, aber allzu oft trostlose Endstation, wenn man die überfüllten Auffanglager in Griechenland betrachtet. Kunst löst die Probleme zwar nicht, Bilder setzen sich aber viel nachhaltiger im Gedächtnis fest, als Worte und Parolen, Versprechungen und Konzepte. Die Angst um Leib und Leben zwingt zum Verlassen der Heimat; Hoffnung auf einen Neuanfang für dieses Leben. Unmittelbar neben dieses Gemälde hat Karin Jablonka ein zweites gehängt: dasselbe Zelt, diesmal aber schwebend über Land, menschenleer, ausgetrocknet. Neue Heimat – wo?
Auf dem Bild von Karin Jablonka schwebt ein Zelt über dem Meer, zugleich Symbol für die erträumte neue Heimat für so viele Migranten, aber allzu oft trostlose Endstation, wenn man die überfüllten Auffanglager in Griechenland betrachtet. Kunst löst die Probleme zwar nicht, Bilder setzen sich aber viel nachhaltiger im Gedächtnis fest, als Worte und Parolen, Versprechungen und Konzepte. Die Angst um Leib und Leben zwingt zum Verlassen der Heimat; Hoffnung auf einen Neuanfang für dieses Leben. Unmittelbar neben dieses Gemälde hat Karin Jablonka ein zweites gehängt: dasselbe Zelt, diesmal aber schwebend über Land, menschenleer, ausgetrocknet. Neue Heimat – wo? | Bild: Erwin Niederer

Gartenzwerg als Migrant ziert das Plakat

Schon Karl Valentin meinte in seiner humorvollen Art: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ Auf dem Plakat zur Ausstellung findet sich neben dem Begriff Heimat auch ein Gartenzwerg, Symbol für deutsches Spießertum und Heimatidylle, nicht ohne Hintergedanken von den Künstlern prominent in Szene gesetzt. Dabei ist der Gartenzwerg selbst Migrant, im 15. Jahrhundert aus der Türkei nach Italien eingewandert, um hochfürstliche Parkanlagen zu zieren.

Anna Rudolf erinnert mit ihrem Gemälde „Die Heimat verlassen müssen“ an die schmerzhafte Vertreibung ihrer Eltern durch Krieg und Not. Menschen ziehen einen Karren mühsam aus dem Bild, hinein in eine ungewisse Zukunft. Die Farben scheinen zu verblassen, alles erscheint schemenhaft, löst sich auf. Dennoch keine Resignation; Hoffnung und Mut treiben die Menschen einer neuen Heimat entgegen. Dies ist nicht wirklich ein Blick zurück, wir sind in Wahrheit im Hier und Jetzt. Auch wenn uns die Schrift altertümlich erscheint, kaum mehr zu entziffern, und die Flüchtlinge heute auf Booten kommen, ohne Hab und Gut: Am Anfang und am Ende der Reise steht eine Heimat, hoffentlich.
Anna Rudolf erinnert mit ihrem Gemälde „Die Heimat verlassen müssen“ an die schmerzhafte Vertreibung ihrer Eltern durch Krieg und Not. Menschen ziehen einen Karren mühsam aus dem Bild, hinein in eine ungewisse Zukunft. Die Farben scheinen zu verblassen, alles erscheint schemenhaft, löst sich auf. Dennoch keine Resignation; Hoffnung und Mut treiben die Menschen einer neuen Heimat entgegen. Dies ist nicht wirklich ein Blick zurück, wir sind in Wahrheit im Hier und Jetzt. Auch wenn uns die Schrift altertümlich erscheint, kaum mehr zu entziffern, und die Flüchtlinge heute auf Booten kommen, ohne Hab und Gut: Am Anfang und am Ende der Reise steht eine Heimat, hoffentlich. | Bild: Erwin Niederer

Klanginstallation von Dorle Ferber

Unter den 44 Arbeiten der Ausstellung, meist Gemälde, ist auch eine Klanginstallation von Dorle Ferber, eine Ansammlung unterschiedlichster heimatlicher Töne, Geräusche, Musik. Ganz anders Ralf Bittner. Er präsentiert ein Video, in dem er mit einer Handsäge ein Hirschgeweih zerlegt, Zierde so mancher Jäger-, Bauern- und Heimatstube. Der Versuch, die zerstörte Idylle wieder rückgängig zu machen, scheitert aber kläglich. Fryderyk Heinzler zeigt Fotografien, einsame Behausungen.

Für Carla Chlebarov ist das Nähkästchen ihrer Oma unter anderem ein Stück lebendiger Heimat. Mit der bunten Bemalung versetzt die Künstlerin das alte Stück in ihre aktuelle Gegenwart; ein einfacher Kunstgriff, den man heute vielfach auch als Upcycling bezeichnet. Heimat muss in unserer Zeit nicht verstaubte Erinnerung bleiben, nicht heile Welt und Idylle. Auch die Heimat wurde tatkräftig erkämpft, ging durch Höhen und Tiefen, hatte Freud und Leid. Die bunten, spontan gesetzten Farben auf dem Nähkästchen machen Mut, auf der vergangenen Heimat eine neue Heimat aufzubauen. Und warum sollte die nächste Generation nicht wieder einen neuen Anstrich darüber setzen?
Für Carla Chlebarov ist das Nähkästchen ihrer Oma unter anderem ein Stück lebendiger Heimat. Mit der bunten Bemalung versetzt die Künstlerin das alte Stück in ihre aktuelle Gegenwart; ein einfacher Kunstgriff, den man heute vielfach auch als Upcycling bezeichnet. Heimat muss in unserer Zeit nicht verstaubte Erinnerung bleiben, nicht heile Welt und Idylle. Auch die Heimat wurde tatkräftig erkämpft, ging durch Höhen und Tiefen, hatte Freud und Leid. Die bunten, spontan gesetzten Farben auf dem Nähkästchen machen Mut, auf der vergangenen Heimat eine neue Heimat aufzubauen. Und warum sollte die nächste Generation nicht wieder einen neuen Anstrich darüber setzen? | Bild: Erwin Niederer

Auch Kunstfreunde suchen neue Heimat

Auch die Kunstfreunde aus Uhldingen sind derzeit auf der Suche nach einer neuen Heimat, nachdem ihr Ausstellungsraum in der ehemaligen Schleckerfiliale in Uhldingen aufgegeben werden musste. „Jetzt gehen wir eben fremd“, sagt Elisabeth Heckenberger-Holstein erfreut über die Möglichkeit, sich in der Galerie Gunzoburg präsentieren zu können.

Die Ausstellung ist bis 27. Oktober zu sehen, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 13 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr. An Wochenenden sind die Künstler anwesend.