Bildung ist der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben, dass ist Franz Seehubers tiefe Überzeugung. Der Überlinger Geschäftsmann, der ehemals einen Handel für Sportwaffen betrieb, bringt seit einem viertel Jahrhundert Bildung in den Kenianischen Busch. Der Gründer der privaten Hilfsorganisation „Green Olive“ bekommt glänzende Augen, wenn er über „seine Lakewood Highschool“ berichtet, die sich im Bezirk Kilifi rund 80 Kilometer von Mombasa am indischen Ozean befindet. „Wir sind mit unserer Schule mitten im Busch, die staatlichen Entwicklungshilfe-Organisationen bevorzugen eher die Städte. Das ist einfacher wegen der Strom und Wasserversorgung, aber wir sind da, wo die ärmere Bevölkerung wohnt und auch hinkommen kann“. 160 Schüler, Mädchen und Buben sind aktuell auf der Sekundarschule, vier davon werden demnächst ihr Studium beginnen, erzählt Seehuber stolz.

Das Ehepaar Anita und Franz Seehuber verhelfen Jugendlichen in Kenia mit ihrer Schule zu Bildung.
Das Ehepaar Anita und Franz Seehuber verhelfen Jugendlichen in Kenia mit ihrer Schule zu Bildung. | Bild: Stef Manzini

Habona hat als Jahrgangsbeste ihr Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,7 geschafft. Sie kam mit sechs Jahren zur Schule und musste sich täglich zweimal auf einen einstündigen Schulweg machen. Alle weiterführenden Schulen lehnten Habona ab, da ihr Notendurchschnitt damals zu schlecht war. Habona kam 2014 an die „Lakewood-Green-Olive-High-School“, nun hat sie einen Studienplatz an der „Kenyatta-Universität“, und möchte Biologie und Chemie studieren. Die Schule von „Green-Olive“ wurde von der zuständigen Behörde als eine der sich am besten entwickelnden und innovativsten im Distrikt Kilifi ausgezeichnet.

Bildung verhindert Flucht

Franz Seehuber, Sohn kinderreicher Eltern, ist nicht das was man gemeinhin unter einem Bildungsbürger versteht. Der Überlinger ist jedoch fest davon überzeugt, dass alleine die Bildung der Menschen in Afrika ihre Flucht in andere Länder verhindern kann. Ganz besonders die Mädchen hat Seehuber dabei im Visier, denn ihre schulische Bildung verhindere auch eine frühe Schwangerschaft in einem Land, das an einer Bevölkerungsexplosion leide, erklärt der Gründer der Hilfsorganisation. Die Bevölkerung in dem ostafrikanischen Land wuchs von rund acht Millionen Einwohnern in den 1960-er Jahren auf über 46 Millionen an. „Unsere 14 Lehrer unterrichten Mädchen und Jungen im Alter von 14 bis 20 Jahren gemeinsam, Katholiken wie Moslems, da gibt es keinen Unterschied. Alle verstehen sich und wer nicht gut tut, fliegt raus. Das ist allerdings noch nie geschehen“, lacht Seehuber.

Der Gründer der Hilfsorganisation „Green Olive“, Franz Seehuber aus Überlingen, mit seiner Enkeltochter Anita Seehuber auf dem Schulgelände. Das Ehepaar Seehuber hatte vor Jahren ein kenianisches Mädchen adoptiert.
Der Gründer der Hilfsorganisation „Green Olive“, Franz Seehuber aus Überlingen, mit seiner Enkeltochter Anita Seehuber auf dem Schulgelände. Das Ehepaar Seehuber hatte vor Jahren ein kenianisches Mädchen adoptiert. | Bild: Franz Seehuber

Es ist nicht ungefährlich in Kenia, Flüchtlinge aus Somalia und dem Sudan kommen teilweise auf ihrem Weg aus oder nach Dadaab, einem der weltweit größten Flüchtlingslager mit über einer halben Million Menschen, auch an den Schulgebäuden vorbei, die mit einem Zaun und Security-Personal gesichert sind. „Sie fliehen aus Ländern, die ihnen keine Perspektive bieten. Ich könnte jedes Mal heulen, wenn ich die Menschen auf Booten im Meer sehe. Es ist unsere einzige Chance, den Menschen direkt in ihren Heimatländern zu helfen, und sie dort auszubilden“, so der Überlinger. Sein Neffe Michael Seehuber ist Mitarbeiter beim LKA in München. Er organisiert das ganze Schulwesen, und ist wie Seehubers Frau Anita längst in die „Green-Olive“-Aktivitäten verwoben.

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Auch das Wappen von Max Markgraf von Baden prangt an einem Schulgebäude. Er ist ein Sponsor der Schule im kenianischen Busch. Professor Kilian Mehl, von der Wollmarshöhe, einer privaten Fachklinik für Psychosomatische Erkrankungen in der Nähe von Ravensburg, und der Zahnmediziner Doktor Markus Korte sind die Schirmherrn von „Green Olive“. Die beiden Mediziner führen regelmäßig Untersuchungen der Schüler vor Ort durch. Zu diesem Zweck wird ein neues Gebäude benötigt, um den Schülern einen persönlichen Rahmen bei diesen Untersuchungen zu bieten. Zehn Computer hat die Schule in der Vergangenheit angeschafft, zehn neue werden jetzt dringend gebraucht, ebenso eine Bibliothek. Mehl und Korte ermöglichten der Schule 2015 ein Solarmodul, und damit eine eigene autarke Stromversorgung. Die deutsche Entwicklungshilfe leide an Bürokratie und Kontrollwahn, es fehle an Flexibilität, konstatiert Kilian Mehl.

Verein vergibt Stipendien

Der Verein „Green Olive“ vergibt für die Sekundarschule Voll- und Teil-Stipendien. Seehuber berichtet von der neu gegründeten Schülerzeitung, alle wären mit Feuereifer dabei und es gebe bereits drei Ausgaben.

Im November 2019 kam Franz Seehubers zweites Enkelkind zur Welt. Der Junge hört auf den Namen Angelo-Franz-David Seehuber, sozusagen der „kenianische Franz“, lacht der Großvater aus Überlingen.
Im November 2019 kam Franz Seehubers zweites Enkelkind zur Welt. Der Junge hört auf den Namen Angelo-Franz-David Seehuber, sozusagen der „kenianische Franz“, lacht der Großvater aus Überlingen. | Bild: Franz Seehuber

Vor vielen Jahren hatte das kinderlose Ehepaar Seehuber eine Kenianerin adoptiert. Zu ihrer Enkeltochter Anita ist in diesem Jahr der erste Enkel dazugekommen. „Unsere Ruth hat einen Angelo-Franz-David bekommen, freut sich der hiesige Franz und zeigt Fotos des kleinen Jungen, der nun im kenianischen Busch zum Zweitnamen auch ein Franz ist.

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