Herr Fetscher, anlässlich des Foodtruck-Festivals gab es von Seiten des Gemeinderats Reinhard A. Weigelt Kritik bezüglich der Qualität von Veranstaltungen auf dem Landungsplatz. Was sagen Sie als Veranstalter dazu?

Prinzipiell muss ich Herrn Weigelt Recht geben. Jede Stadt sollte sich bei der Vergabe von Veranstaltungen Gedanken über die jeweilige Qualität machen. Allerdings kann ich es nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet nach dem Foodtruck-Festival diese Kritik kommt.

Wie meinen Sie das?

Herr Weigelt hat zahlreiche Kritikpunkte genannt, die schlichtweg nicht richtig sind.

Welche?

Beispielsweise, dass das Foodtruck-Festival eine externe Veranstaltung gewesen sei. Ich bin in Überlingen geboren und sogar Beiratsmitglied des Wirtschaftsverbundes WVÜ. Außerdem sind wir auf vielen Veranstaltungen in Überlingen vertreten. Von extern kann also keine Rede sein.

Und außerdem?

Dass das Foodtruck-Festival den Überlinger Geschäften Konkurrenz mache.

War das keine Konkurrenz zu den Gastronomen?

In einzelnen Fällen vielleicht. Allerdings weiß ich von ganz vielen, die allein wegen des Foodtruck-Festivals nach Überlingen gekommen sind. Das bedeutet, dass diese Besucher erst gar nicht in Überlingen gewesen wären. Außerdem wurde mir gesagt, dass die Cafés an der Promenade sehr gut besucht waren und es dort kaum Plätze gab. Und der sonstigen Kritik, dass viele Besucher des Landungsplatzes die Toilette in der Greth benutzen, habe ich auch entgegengewirkt.

Wie?

Ich hatte einen separaten Toilettenwagen gemietet, der mich alleine 463 Euro gekostet hat.

Und was ist mit dem Einzelhandel?

Ich kenne viele Einzelhändler, die mich teilweise sogar als Sponsoren unterstützt haben. Ich bin mir sicher, dass, wenn das Foodtruck-Festival tatsächlich eine Konkurrenz gewesen wäre, mich weder Sport Schmidt, noch Munding und Marco Polo unterstützt hätten.

Was sagen die Einzelhändler zum Foodtruck-Festival?

Ich habe mit einigen geredet und sie fanden es super, denn so sind Leute nach Überlingen gekommen, die sonst nicht da gewesen wären. Offensichtlich wurde selbst dem Oberbürgermeister gegenüber geäußert, dass viele junge Menschen deswegen in die Stadt gekommen seien.

Dann ist das Foodtruck Festival in Ihren Augen also keine Konkurrenz zu den Gewerbetreibenden in Überlingen, wie es Reinhard A. Weigelt sagt, sondern das genaue Gegenteil. Nämlich eher ein Ereignis, das potenzielle Kunden in die Stadt bringt?

Genau so sehe ich es. Und damit bin ich im Wirtschaftsverbund Überlingen wohl nicht alleine.

Sie sagten in einem SÜDKURIER-Interview nach dem Foodtruck-Festival, dass Sie sich in Überlingen heimisch fühlen.

Das stimmt. Und genau deshalb war es für mich ganz logisch, dass ich mit dieser Veranstaltung nach Überlingen komme und nicht woanders hin. Ich wollte damit der Stadt auch etwas zurückgeben. Deshalb ist die ganze Diskussion für mich auch so überraschend.

Das Foodtruck-Festival scheint Kreise zu ziehen.

Ja, es waren mehrere Vertreter da, die extra gekommen sind, um mit mir zu reden, ob ich so etwas auch in anderen Städten machen könne. Es kam sogar jemand von der Stadt Stuttgart angereist, was mich total überraschte.

Es wäre also möglich, dass Sie mit dem Foodtruck-Festival in eine andere Stadt gehen?

Prinzipiell durchaus. Allerdings hängt mein Herz schon an Überlingen. Es wäre sehr schade, wenn das Foodtruck-Festival nicht mehr gewünscht wäre, denn es hat sich sowohl von Seiten der Besucher als auch von Seiten der Aussteller gezeigt, dass genau so ein Angebot bislang gefehlt hat – vor allem, weil es eine Veranstaltung für jedes Alter ist.

Zur Person

Markus Fetscher ist 28 Jahre alt und in Überlingen geboren. Der gelernte Einzelhandelskaufmann ist unter anderem Schausteller in der vierten Generation. Er gehört dem Beirat des Wirtschaftsverbundes Überlingen an und ist hauptsächlich in der Region unterwegs, wie auf dem Frickinger Herbstmarkt, mehrere Male in Markdorf, auf der Messe IBO in Friedrichshafen, auf dem Hafenfest in Uhldingen-Mühlhofen und Seenachtfest Konstanz. In Überlingen ist er unter anderem bei der Kinderolympiade, auf dem Weihnachtsmarkt, beim Halbmarathon und bei den verkaufsoffenen Sonntagen dabei. Insgesamt sind es im Jahr etwa 50 verschiedene Veranstaltungen. (mag)

Hintergrund:

Wiederholt stieß Stadtrat Reinhard Weigelt (FDP) eine Diskussion um Geschmack und Geschäftstätigkeit auf dem Landungsplatz und der Uferpromenade an. Der Eisbahnbetreiber, der den Landungsplatz selbst nutzt, übte nach dem "Foodtruck Festival" Kritik an, wie er sagte, "externen Veranstaltungen".

Weigelt am 27. September im Gemeinderat: "Wir hatten in diesem Jahr auf dem Landungsplatz einen italienischen Markt, zwei französische Märkte und am letzten Wochenende ein Foodtruck Festival." Dies seien Veranstaltungen, die "unseren Überlinger Geschäften, unseren Gastronomiebetrieben und unserem Wochenmarkt eindeutig Konkurrenz machen".

Zuvor hatte Weigelt im Bauausschuss des Gemeinderats gegen einen Antrag eines Gastronomen zur Aufstellung eines Gastrozeltes gestimmt. Obwohl er als Eisbahnbetreiber direkt neben der Greth ein Gastrozelt (Lounge) aufstellt, erklärte er sich nicht für befangen. Weigelt am 18. September: „Wenn Sie das oder auch nur einen Teil genehmigen, schaffen Sie einen Präzedenzfall.“ Der Ausschuss folgte daraufhin mehrheitlich seiner Argumentation und lehnte den Antrag ab, den Greth-Gastronom Pino Arena für die Wintermonate gestellt hatte, ab. (shi)