Fachgebietsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger referierte zur Flüchtlingsunterbringung. Bis Ende des Jahres kommen 309 Flüchtlinge in die Anschlussunterbringung. Für 180 von ihnen, meist nur noch syrische Familien, braucht die Stadt noch Wohnraum. Er verwies gleichzeitig aber auch auf die mehr als 300 ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer.

Zu den Standorten sagte Oberbürgermeisterin Sabine Becker, dass sie schon sehr viele Flüchtlinge privat unterbringen konnten. Die Flüchtlinge sind im ganzen Stadtgebiet und den Teilorten untergebracht. "Eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge direkt in den Wohngebieten ist Grundlage einer Integration." Die Stadt habe alle Standorte geprüft, sagte sie. Aber rechtliche und zeitliche Vorgaben lassen eine kurzfristige Anschlussunterbringung nur auf dem Schättlisberg zu. Sie hoffe aber, dass es nicht so kommt und dass doch nicht 180 Flüchtlinge dort untergebracht werden müssen.

Mehr Hilfe nötig

"Ich brauche noch mehr Hilfe an meiner Seite", sagte die neue Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, Elke Dachauer. Sie ist verantwortlich für die Unterbringung und sie kann sich dabei auf starke Partner verlassen, wie zum Beispiel die Diakonie. Dennoch, es werden weitere Ehrenamtliche gesucht. Und es wird noch Wohnraum gesucht. Gemeinsam mit Sabine Becker bedankte sie sich für das bisher Geleistete und appellierte nochmals, Wohnraum und ehrenamtliche Tätigkeit anzubieten. "Nur gemeinsam können wir das schaffen!"

Schon bei der ersten Wortmeldung wurde vor einer Ghettoisierung gewarnt. Die Flüchtlinge auf eine Wiese zu pferchen, schaffe soziale Brennpunkte, sagte Sieglinde Schreiber. "Provisorien haben Tendenzen, dauerhaft zu werden."

"Hat die Stadt geschlafen?", fragte Jäckel. Gefragt wurde auch, wie die Integration funktionieren soll mit 180 Flüchtlingen auf einem Fleck? "Was machen Sie, wenn Sie keine andere Möglichkeit haben?", fragte Sabine Becker etwas energisch zurück. Die Stadt arbeite seit Jahren schon an der Problematik und sie appellierte nochmals: "Je mehr mitmachen, desto weniger brauchen wir am Schättlisberg."

Emotionale Rede

In ihrer sehr emotionalen und lautstarken Rede verwies Sabine Becker auf die vor Krieg und Bomben geflüchteten Menschen, die hier ein neues Leben beginnen müssen. Und die hier friedlich empfangen werden wollen. "Wir können es angehen, das sind keine Monster, das sind Menschen!"

Nach viel Applaus ging die Veranstaltung in einer anderen Richtung weiter. Es meldeten sich zahlreiche Unterstützer, so wie Manuel Schiffler, der den Werdegang der einstigen Hundewiese Schättlisberg aufzeigte und an die vielen neuen Nachbarn erinnerte. "Es liegt an uns, was wir daraus machen. Wir Bürger sollten es in die Hand nehmen. Damit lösen wir das Problem!"

Konstruktiv ging es weiter. Bürger fragten nach der Möglichkeit, Ferienwohnungen, Zweitwohnungen oder Hotels zu nutzen, nach der präventiven Änderung von Bebauungsplänen oder nach nachhaltigen Konzepten für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Interessengemeinschaft Schättlisberg zum Gespräch im Rathaus

16 Vertreter der Interessengemeinschaft Schättlisberg (IgS) waren der Einladung der Stadt gefolgt und erschienen am Montag zu einem Gespräch im Rathaus. Dort standen neben der Oberbürgermeisterin Sabine Becker auch die neue Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt, Elke Dachauer, sowie die Fachgebietsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger (Soziales) und Matthias Längin (Bauen) Rede und Antwort. Von den Gemeinderäten waren Günter Hornstein (CDU) und Robert Dreher (FWV/Üfa) anwesend.

"Wir wollten nie eine solche Unterkunft bauen müssen", sagte Sabine Becker zu Beginn. Sie betonte, alle verfügbaren Grundstücke genau geprüft zu haben: "Ich habe 20 Mal Herrn Längin gefragt, ob es Alternativen gibt. Aber wir haben keine anderen geeigneten Grundstücke." Sie hoffe dennoch, dass sich noch Überlinger melden und Flüchtlinge privat aufnehmen. Auch Matthias Längin betonte nochmals die Notwendigkeit, 180 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung unterbringen zu müssen.

Die IgS ist vertreten durch neun Familien, und ihnen geht es um Integration. Die funktioniere nur dezentral, 100 bis 180 Flüchtlinge auf engem Raum funktioniere nicht, sagte eine ihrer Vertreterinnen. Neben Kritik gab es auch positive Wortmeldungen, etwa von Daniela Ecker "Uns hat die Transparenz gefehlt, aber sie haben uns schon viele Antworten gegeben."

Die Interessenvertreter hatten auch diverse Vorschläge für Alternativen mitgebracht, etwa die Nutzung des Kunkelhauses, die Nutzung der Container des St. Angelus-Kindergartens oder Fragen zum Grundstück in der Schreibersbildstraße.

An dieser Stelle drohte das Gespräch zu scheitern. Sabine Becker bezeichnete Vorschläge als Satire und drohte, das Gespräch zu beenden. Im Gegenzug warf die Interessensgemeinschaft der Stadt vor, ihre Vorschläge zu zerrupfen. "Macht die Stadt Front gegen uns?", wurde gefragt.

Robert Dreher sagte, dass der Gemeinderat auch Bürger seien, und dass alle im selben Boot sitzen würden. "Wir machen uns die Aufgabe nicht leicht."

Am Ende verständigte man sich darauf, eine von der IgS eingereichte Liste mit Alternativvorschlägen zu prüfen.

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