Der Gemeinderat stimmt mehrheitlich der neuen Kalkulation für den Durchführungshaushalt zur Landesgartenschau zu. Die Kernaussage des neuen Zahlenwerks lautet: Es wird gegenüber der bisherigen Grobplanung mit einem Plus von 2,2 Millionen Euro an Eintrittsgeld gerechnet. Dieses Geld fließt nicht in den Stadtsäckel, sondern in eine gewünschte Qualitätssteigerung der LGS. Der städtische Zuschuss bleibt bei 2 Millionen Euro. Der Gesamtetat steigt damit von 10,5 auf 12,8 Millionen Euro.

Die regelmäßigen Führungen über das Gelände (hier mit Edith Heppeler) sind ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Der Etat Öffentlichkeitsarbeit ist insgesamt gestiegen.
Die regelmäßigen Führungen über das Gelände (hier mit Edith Heppeler) sind ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Der Etat Öffentlichkeitsarbeit ist insgesamt gestiegen. | Bild: Hilser, Stefan

Wie LGS-Geschäftsführer Roland Leitner im Gemeinderat betonte, sei es eine Überlinger Besonderheit, dass Änderungen im Zahlenwerk dem Rat in der laufenden Vorbereitung vorgelegt werden, womit mehr Transparenz hergestellt werde als etwa in Öhringen, wo der Gemeinderat erst nach Abschluss des Ausstellungsjahrs eine Schlussbilanz präsentiert bekommen habe. Diese Überlinger Besonderheit hatte sich der Gemeinderat bereits 2016 ausbedungen, als der Rahmenplan zur LGS beschlossen worden ist.

Mehr Geld für die Öffentlichkeitsarbeit

Der Durchführungshaushalt umfasst die Arbeiten rund um die Schau, nicht die Investitionen in die Daueranlagen. Er enthält beispielsweise die Kosten für den Aufbau einer Seebühne oder für die Öffentlichkeitsarbeit. Letztere steigt um 150 000 Euro auf voraussichtlich 976 000 Euro. Wie es stichwortartig für den Gemeinderat heißt, ergebe sich der höhere Bedarf "aufgrund lokaler Besonderheiten". Weitere Stichworte, die den Räten auf der Liste der Mehrkosten geliefert werden, lauten "Einbeziehung Bodensee" oder "fünf Ausstellungsbereiche" oder "zweites Gebäude" für die LGS-Verwaltung.

Kritik von Ulf Janicke

Während Roland Biniossek (Die Linke) und Günter Hornstein (CDU) im Gemeinderat die Liste lobten, kritisiert Ulf Janicke (LBU/Die Grünen), dass sie nicht transparent genug sei. Wenn die LGS-GmbH um Zustimmung für die Verwendung von 2,2 Millionen Euro bittet, würde er sich "etwas mehr inhaltliche Begründung" wünschen. Janicke: "Wir könnten das Geld ja auch statt der LGS der Stadt zuführen."

Leitner: Viel "Hirnschmalz" investiert

LGS-Geschäftsführer Leitner antwortete, dass es sich nicht um eine pauschale Erhöhung um 20 Prozent handle, "jeder Punkt wurde einzeln kalkuliert, dahinter stehen unzählige Listen, und wir haben viel Hirnschmalz investiert." Dazu Janicke in einem Zwischenruf: "Davon wissen wir aber nichts." Dagegen sagte Hornstein: "Das Papier ist für mich schlüssig."

OB Zeitler: "Hervorragendes Zahlenwerk"

"Überrascht" sei er, sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler zu Ulf Janickes Wortmeldung. "Im Aufsichtsrat wurde viel darüber diskutiert... die Zahlen sind absolut realistisch. Was uns jetzt vorliegt, ist für mich ein hervorragendes Zahlenwerk mit umfassenden Überlegungen." Es sei in anderen Gartenschaustädten "absolut unüblich, dass die Zahlen auf einer so hoch akquirierten Ebene dargelegt werden".

Nach monatelanger Diskussion in Überlingen wurden an Rosenmontag 2017 die Platanen auf dem Landesgartenschaugelände gefällt. OB Zeitler: "Die Platanendebatte hat uns viel Geld gekostet."
Nach monatelanger Diskussion in Überlingen wurden an Rosenmontag 2017 die Platanen auf dem Landesgartenschaugelände gefällt. OB Zeitler: "Die Platanendebatte hat uns viel Geld gekostet." | Bild: Hilser, Stefan

Mehrkosten für Platanendebatte

Auf Nachfrage von Reinhard A. Weigelt (FDP-Gemeinderat), woraus sich die Mehrkosten für die Öffentlichkeitsarbeit ergeben, antwortete Leitner, dass man in Überlingen viel früher als bei Landesgartenschauen üblich mit der Öffentlichkeitsarbeit begonnen habe. "Wir hatten in Teilen Gegenwind, dagegen mussten wir angehen und sind dazu auch vom Aufsichtsrat dazu aufgefordert worden." Diese Mehrkosten seien zu großen Teilen bereits "abgefrühstückt", wie sich Leitner ausdrückte, und Zeitler ergänzte: "Sagen wir doch, wie es ist: Die Platanendebatte hat viel Geld gekostet."

Die Baustelle der Landesgartenschau 2020, vom Bodensee aus fotografiert.
Die Baustelle der Landesgartenschau 2020, vom Bodensee aus fotografiert. | Bild: Hilser, Stefan

Der etwas andere Gartenschau-Besucher in Überlingen

Die ursprüngliche Kalkulation für den Durchführungshaushalt sah ein Budget von 10,5 Millionen vor. Dies habe man anfänglich "fast im luftleeren Raum geplant", begründete LGS-Geschäftsführer Roland Leitner. Es war demnach eine grobe Schätzung, die zu einem frühen Zeitpunkt getroffen wurde, als die Eintrittspreise noch nicht feststanden und Sponsoren noch gar nicht in Sicht waren. Nachdem der Preis im Januar auf durchschnittlich 13,72 Euro (netto) taxiert wurde (nach 10 Euro bei der Vorausberechnung 2014), habe man nun die Planung verfeinert und Wünschenswertes mit den Einnahmeerwartungen in Einklang gebracht.

Angenommen werden wie bisher 775 000 Besucher. Nach den Erfahrungen aus anderen LGS-Städten sei diese Zahl niedrig angesetzt und könne in die Höhe schnellen, was zu Mehreinnahmen führt, die dann an die Stadt flössen. Leitner: "Bei Sauwetter aber können wir einpacken, dann haben wir ein grundsätzliches Problem."

Im Besucher der LGS 2020 sieht Leitner insofern einen besonderen Gast, als dass er ohnehin vor Ort ist. Andere Städte werben mit der LGS um Gäste von außerhalb, während Überlingen mit der LGS gegen andere Attraktionen am Bodensee um die Gunst der vorhandenen Besucher werben muss. Mit Berufung auf den Marketing-Chef der Insel Mainau, Franz Petzold, sagte Leitner, dass der Bodensee-Urlauber "multioptional" sei. Sprich, er entscheidet nicht nur nach Wetterlage, sondern auch nach dem Ruf, den eine Destination genießt. Leitner warnte davor, die Gartenschau "kaputtzusparen". Das Risiko eines ruinierten Rufs sei nicht mehr überschaubar.