Als der damals 39-jährige Heiko Ackel 2014 der Überlinger Feuerwehr als neuer Kommandant vorgestellt wurde, war davon die Rede, dass er ein "in der Wolle gefärbter Feuerwehrmann" sei. In seiner bisherigen Laufbahn sei er "auf enger Tuchfühlung mit ehrenamtlichen Feuerwehrkräften" gestanden, was bei seiner Wahl als wichtige Voraussetzung bewertet wurde. Jetzt, nachdem bekannt wurde, dass Brandinspektor Heiko Ackel die Überlinger Feuerwehr schon wieder verlässt, gibt es dazu weder von der Stadt noch von der Freiwilligen Feuerwehr eine Stellungnahme.

Wie hinter verschlossenen Türen zu hören ist, mangelte es in der Zusammenarbeit zwischen Ackel und den Ehrenamtskräften genau daran: An Ackels Gespür für die Wünsche einer Truppe an Frauen und Männern, die ihre Freizeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Vielmehr sei er ein hundertfünfzigprozentiger Verwalter gewesen, der die Paragraphen über die Empathie stelle. In den nächsten Tagen verlässt er die Wehr, er habe sich erfolgreich andernorts beworben, heißt es. Darüber sei man nicht traurig, über die Geschwindigkeit aber überrascht.

Ackel war 2014 auf Andreas Löhle gefolgt

Ackel hatte sich unter fünf Bewerbern hervorgetan und wurde in geheimer Wahl im Überlinger Gemeinderat im März 2014 gewählt. Er kam für den im September 2013 mit 52 Jahren verstorbenen Kommandanten Andreas Löhle ins Amt, einen Feuerwehrkommandanten, den eben diese Nähe und Verbundenheit zu den ehrenamtlichen Kräften auszeichnete. Löhle war ein Überlinger Eigengewächs, Feuerwehrmann in vierter Generation, der sich aus dem Ehrenamt heraus auf die Stelle als Kommandant beworben hatte, 2001 zum ersten hauptamtlichen Kommandanten gewählt und erst drei Jahre später die Staatsprüfung als Brandinspektor zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst absolviert hatte.

Ackel ist in Mosbach aufgewachsen, war vor seinem Wechsel nach Überlingen in Wiesloch zuhause und in Diensten bei der Berufsfeuerwehr in Heidelberg, als Brandinspektor war er unter anderem Zugführer und organisatorischer Leiter der Einsatzplanung.

Stadt will sich zu Personalangelegenheiten nicht äußern

An Oberbürgermeister Jan Zeitler richteten wir unter anderem diese Fragen: "Warum und bis zu welchem Termin verlässt Heiko Ackel die Feuerwehr? Wie kommentieren Sie Führung/Motivation der ehrenamtlichen Kräfte durch Herrn Ackel? Wie bewerten Sie die aktuelle Leistungsstärke der Überlinger Feuerwehr?" Darauf antwortete Zeitler, dass die Stadtverwaltung "zu internen Personalangelegenheiten grundsätzlich keine Auskunft" gebe.

Eine weitere Frage lautete, ob es nach der Erfahrung mit dem früheren Kommandanten Andreas Löhle, der die Befindlichkeiten des Ehrenamts aus eigener langjähriger Erfahrung kannte und der die Truppe entsprechend zu motivieren wusste, denkbar sei, den Karriereweg auch für bisher ehrenamtliche Kräfte zu ermöglichen, die im Nachgang die nötigen Qualifikationen erwerben? Dazu die Antwort Zeitlers: "Stellenbesetzungen im öffentlichen Dienst unterliegen grundsätzlich und aus gutem Grund bestimmten fachlichen Laufbahnvoraussetzungen, an die die Stadt Überlingen sich gebunden fühlt."

Braucht es einen hauptberufliche Feuerwehrkommandanten?

Muss Überlingen tatsächlich? Wo sind hauptberufliche Feuerwehrkommandanten überhaupt nötig? Diese Frage beantwortete die Pressestelle des Regierungspräsidiums Tübingen wie folgt: "Eine rechtliche Vorgabe, hauptberufliche Feuerwehrkommandanten zu beschäftigen, gibt es in Baden-Württemberg nicht. Es obliegt jeder Gemeinde, im Rahmen ihrer Selbstverwaltung darüber zu befinden, ob die Aufgaben des Feuerwehrkommandanten durch hauptberufliche oder (noch) von einem ehrenamtlichen Feuerwehrkommandanten wahrgenommen werden können." Und welche Qualifikationen müssen hauptberufliche Feuerwehrkommandanten vorweisen? RP-Sprecher Daniel Hahn: „Jede Gemeinde legt im Rahmen ihrer Selbstverwaltung die für einen Feuerwehrkommandanten nötigen Qualifizierungen fest. Hierbei stehen den Gemeinden sowohl die Kreisbrandmeister als auch die Bezirksbrandmeister beratend zur Verfügung.“

Große Kreisstädte müssen demnach also erst einmal gar nichts, würden aber "größtenteils hauptberufliche Feuerwehrkommandanten" beschäftigen, so Pressesprecher Daniel Hahn. Auch Gemeinden mit unter 20 000 Einwohnern gingen mehr und mehr dazu über, Hauptberufliche einzustellen. Hahn: "Hauptgrund für die Beschäftigung eines hauptberuflichen Feuerwehrkommandanten ist vornehmlich die Entlastung eines ehrenamtlichen Feuerwehrkommandanten.“

Ehrenamtliche wünschen zeitgemäßen und kooperativen Führungsstil

Aus der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen ist zu hören, dass man sich für die Nachfolge Ackels jemanden wünsche, "der einen zeitgemäßen und kooperativen Führungsstil pflegt, der mit den Freiwilligen gut kann, aber auch mit der Stadtverwaltung, der einen Haushaltsplan lesen kann, der delegieren und motivieren kann, der sich bei der Mannschaft zeigt und hier sein Fachwissen einbringt". Zusammengefasst mit einem Wort: Man wünscht sich einen "Menschenfischer".

In nächster Zeit übernehmen kommissarisch und ehrenamtlich die stellvertretenden Kommandanten Martin Schweitzer und Klaus Erdenberger die Führung. Sie sind vor allem bei Einsätzen gefordert, beim aktiven Geschehen. Die administrativen Aufgaben im Hintergrund gehen großteils an die Stadtverwaltung über. Ein Feuerwehrmann sagte, dass für ihn die Personalie Ackel gar nicht so wichtig sei: "Wenn der Piepser losgeht, dann rücken wir eben aus."

Sechs Fragen an Heiko Ackel

Trotz mehrfacher Anfragen und dem Versuch der persönlichen Kontaktaufnahme hat Heiko Ackel zum Sachververhalt keine Stellung bezogen. Diese Fragen haben wir ihm gestellt – leider blieben sie bis gestern Nachmittag unbeantwortet:

1. Warum verlassen Sie die Feuerwehr Überlingen nach vierjähriger Dienstzeit bereits wieder?

2. Wohin und in welcher Funktion wechseln Sie beruflich?

3. Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Kräften in der Überlinger Wehr?

4. Wie wir aus feuerwehrinternen Kreisen hören, hätten Sie es nicht oder nicht in ausreichendem Maße vermocht, eine von Empathie getragene Beziehung zu den Freiwilligenkräften aufzubauen? Wie stehen Sie zu dazu?

5. Das Feuerwehrwesen unterliegt heutzutage einem immer dichteren Regelwerk, an das sich ein verbeamteter Feuerwehrkommandant natürlich halten muss. Wie bewerten Sie hier aus heutiger Sicht das Zusammenwirken von Freiwilliger Feuerwehrkräften, die ein besonderes Hobby ausüben, und einem städtischen Feuerwehrkommandanten, der zunächst all seine Pflichten gegenüber dem Gesetzgeber erfüllen muss?

6. Wie beurteilen Sie die momentane Leistungskraft der Überlinger Feuerwehr? (shi)