Mit der Corona-Krise trifft es gleich beide Überlinger Fastenkliniken hart. Die Kurpark-Klinik musste ihren Umsatz am 22. März von 100 Patienten auf 0 herunterfahren, innerhalb weniger Tage, nachdem bekannt wurde, dass sich der Virus in ihrem Haus ausbreitete. Die Klinik Buchinger Wilhelmi ist noch frei von Corona, die Zahl an Patienten ging aber dennoch krass zurück.

Kurzarbeit angemeldet

Die Buchinger-Klinik beherbergt am Standort Überlingen derzeit nur noch etwa 40 Patienten (bei einer Vollbelegung wären es 150), und am Standort Marbella in Südspanien nur noch 10 statt 135, berichtet Leonard Wilhelmi, der vor einem Jahr die Verantwortung in der Klinik übernommen hat. Man befinde sich „im Krisenmodus„. Die laufenden Kosten seien so hoch, dass man sich gezwungen sehe, Kurzarbeit anzumelden. Dennoch macht die Fastenklinik das Beste aus der Situation. Entschleunigen gehört für sie schließlich zur Philosophie.

Anfrage der Gesundheitsbehörde

Wie schon die Kurpark-Klinik sieht sich auch die Buchinger-Klinik mit der Bitte um Unterstützung konfrontiert: Das Gesundheitsamt des Bodenseekreises sucht vorsorglich Ausweichplätze, sollten die Akut-Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Beide Häuser signalisierten grundsätzlich Bereitschaft dazu. Leonard Wilhelmi verwies im Gespräch mit dem SÜDKURIER jedoch darauf, dass die Infrastruktur in ihrem Haus keine Betreuung schwerer Fälle zulasse. Dafür fehlten mindestens die Anschlüsse für eine Sauerstoffzufuhr, wie dies in Krankenhauszimmern üblich ist, um Patienten zu intubieren. Jederzeit sei man aber bereit dazu, im Bereich Küche, Verpflegung und Personal auszuhelfen.

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Auch die Kurpark-Klinik sieht sich zur Aufnahme von Patienten bereit, müsste aber auch Infrastruktur-Maßnahmen klären – und das bei einem derzeit extrem heruntergefahrenen Personalstamm, bedingt durch die Kontakte, die die Beschäftigten mit Corona-Fällen hatten, was sie noch eine weitere Woche in die Quarantäne zwingt.

Wilhelmi: Wer weiß, was bleibt?

Die Welt habe mit Blick auf die Klima-Krise zuletzt immer wieder nach Entschleunigung gerufen, erinnert Leonard Wilhelmi. „So kann es doch nicht weiter gehen“, lautete ein viel zitierter Satz. Doch niemand habe ein Mittel gefunden. „Und heute“, sagt Wilhelmi, „heute schwimmen Delphine vor Venedig.“

Leonard Wilhelmi: „Man kennt das aus autoritären Regimen, dass man sich dem Feind von außen stellt, indem man das Innere stärkt.“
Leonard Wilhelmi: „Man kennt das aus autoritären Regimen, dass man sich dem Feind von außen stellt, indem man das Innere stärkt.“ | Bild: Tobias Doehner

Vier von sechs Häusern geschlossen

In ihrem Haus habe man schon früher in den Krisenmodus umgeschaltet, als dies hierzulande für nötig befunden wurde. Ihre Gäste kommen von der ganzen Welt. Buchungen mussten storniert oder abgelehnt werden, weil die Patienten aus Krisenregionen kamen. „Als dann plötzlich die Lombardei betroffen war, Dörfer in Norditalien, die wenig Berührung mit China haben, da haben wir in den Krisenmodus umgeschaltet und uns Gedanken darüber gemacht, wie wir das gestalten wollen.“ Von den sechs Häusern habe man sich auf zwei begrenzt, rasch den Pool gesperrt und Masseuren abgesagt. So müsse es 1953 zugegangen sein, „als wir angefangen haben“. Die wenigen Patienten, die noch da sind, sagten, dass sie sich sicher fühlen. Es herrsche Dankbarkeit.

Von autoritären Regimen lernen

Auch innerhalb der Belegschaft sei zu spüren, „wie wir alle füreinander da sind“. Wilhelmi: „Man kennt das aus autoritären Regimen, dass man sich dem Feind von außen stellt, indem man das Innere stärkt.“ Für die Mitarbeiter sei eine Task Force gegründet worden: Es gelte, ihre Signale frühzeitig aufzunehmen. „Wenn es einer nicht schafft, wie unterstützen wir ihn?“ So habe man auch damit begonnen, den Mitarbeitern, die zu Hause bleiben, Essenspakete vorbeizubringen. Man wolle nach der Krise noch jeden an Bord haben. „Das ist ein Drahtseilakt“, sagt Wilhelmi. Doch blicke er auf die positiven Aspekte, die durch die Krise beschleunigt werden, zum Beispiel den Aufbau modernster Kommunikationsmittel. „Die Sachen, die gut laufen: Wer weiß, was davon bleibt?“