Zwischen Hoch- und Tiefstapelei bewegte sich ein heute 76-jähriger Mann aus Meersburg über Jahrzehnte hinweg durch sein Leben. Geboren 1942 im damaligen Stettin, landete er irgendwann im Schwarzwald. Überall sei er im Verlagswesen tätig gewesen, sogar in leitender Stellung, wie er vor einer Berufungskammer am Landgericht Konstanz erklärte.

Seit 50 Jahren immer wieder straffällig

Seit seinem 26. Lebensjahr war er immer wieder straffällig. So kam er auf rund 35 Voreintragungen in der Strafliste und musste zusammengerechnet vier Jahre seines Lebens in Gefängnissen verbringen. Nachdem er bis vor drei Jahren bei seiner von ihm geschiedenen und schwer erkrankten Frau im westlichen Bodenseekreis untergekommen war, wurde ihm das Geld nach deren Tod knapp. Er beantragte Sozialhilfe, ohne seine Nebeneinkünfte anzugeben, und soll sich auf diese Weise 42 000 Euro erschwindelt haben. Der Betrug flog auf.

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Seinen Frust über das wiederholte Scheitern ließ er an den Besitzern von Autos aus, die es aus seiner Sicht zu Unrecht geschafft hatten, sich in dieser Gesellschaft zu behaupten. Zwischen Sommer 2013 und Anfang 2014 zerkratzte der Mann zahlreiche Fahrzeuge im Raum Überlingen (Sipplingen) und richtete einen Schaden im fünfstelligen Bereich an. Rechnungen für die Reparatur seines eigenen Wagens bezahlte er nicht. Weil er aufgrund seiner Straftaten ständig Ärger mit der Justiz hatte, beauftrage er Anwälte, obwohl er wusste, dass er sie nicht werde bezahlen können. So kam ein weiterer Schaden von 3000 Euro dazu.

Sozialstunden leistete er nicht ab

Ende 2015 verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Konstanz den 76-Jährigen zu einem Jahr Haft. Unter der Auflage, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu verrichten, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Ein psychiatrischer Sachverständiger hielt den Senior für voll schuldfähig, sprach von Sozialneid und empfahl ihm, seine Depressionen behandeln zu lassen. Die Sozialstunden leistete der Mann nicht ab. Jetzt erklärte er, das sei ihm wegen seiner Depressionen nicht möglich gewesen.

Zwei Jahre nach der Verurteilung zerkratzte er im Frühjahr 2017 wieder zwei Fahrzeuge, die auf dem Parkplatz des Überlinger Altenheims St. Ulrich abgestellt waren. Zuvor hatte er an den Autos Zettel angebracht, auf denen er den Haltern unberechtigtes Parken vorwarf und mit Abschleppen drohte, obwohl er mit der Einrichtung überhaupt nichts zu tun hat. Beim Zerkratzen der Autos hatte ihn eine Zeugin beobachtet, sodass man ihm bald auf die Spur kam. Zusätzlich zur neuen Anzeige wegen Sachbeschädigung wurde er später auch wegen Diebstahls angeklagt. Ende 2017 hatte er in einer Tankstelle in Meersburg zwei Schachteln Zigaretten gestohlen, obwohl er selbst gar nicht raucht.

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Das Amtsgericht Überlingen verhängte im Juni vorigen Jahres wegen Sachbeschädigung und wegen Diebstahls vier Monate und zwei Wochen Haft. Dagegen ging der 76-Jährige jetzt vor dem Landgericht Konstanz in Berufung. Hier sagte er zur Erklärung für die neuen Straftaten: "Das war Dummheit." Er erzählte, dass er seine von ihm geschiedene Frau bis zu ihrem Tod gepflegt habe. Als Zeichen seiner tiefen Trauer um sie trug er beim Prozess einige Kleidungsstücke der Verstorbenen.

Keine Zweifel an der depressiven Grundstimmung

Das Gericht und ein neuer Sachverständiger hatten keine Zweifel an der depressiven Grundstimmung des 76-Jähringen und daran, dass diese behandelt werden sollte. Als schwere seelische Störung, die seine Zurechnungsfähigkeit beeinträchtigt oder gar aufgehoben haben könnte, galt das dem Gericht aber nicht. Man verwarf die Berufung. Damit wurden die vier Monaten und zwei Wochen Haft bestätigt. Sollte das neue Urteil rechtskräftig werden, käme noch ein Jahr Freiheitsstrafe dazu, das vom Amtsgericht Konstanz vor drei Jahren verhängt worden war. Denn auch die damals gewährte Bewährung hat der 76-Jährige mit der Nichterfüllung der Auflagen und mit seinen neuen Taten gebrochen.