Rund zwei Jahre haben die Sanierungsarbeiten gedauert, jetzt ist das spitälische Gebäude Krummebergstraße 20 wieder bewohnt: Bereits im April dieses Jahres hat das städtische Kinderhaus St. Angelus im Familienzentrum Altstadt seinen Betrieb wieder aufgenommen. Mitte Juli zog der Familientreff Kunkelhaus ein. Die 6,8 Millionen Euro teure Sanierung des mittelalterlichen Gebäudes, die sich alles andere als einfach gestaltete, wurde unter anderem aus Mitteln der Städtebauförderung (3 Millionen Euro) und des Ausgleichstocks (150 000 Euro) gefördert. Am kommenden Samstag, 7. Oktober, wird das Familienzentrum offiziell seiner Bestimmung übergeben: Von 13 bis 16 Uhr findet ein Tag der offenen Tür statt.

Bereits seit dem Jahr 1902 befindet sich die städtische Kindertageseinrichtung St. Angelus in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. Um das Familienzentrum zu verwirklichen, war 2006 das Sanierungsgebiet Altstadt III Nord eingerichtet worden. Erstmals war das Familienzentrum 2008 in Angriff genommen, die Kosten damals auf 3 Millionen Euro gedeckelt worden. Doch musste die Stadt nach einem ersten Spatenstich 2012 umplanen und einen zweiten Anlauf unternehmen: So wurde 2014 das Planungsbüro gewechselt, das Architekturbüro Gruber aus Bad Saulgau mit dem Vorhaben beauftragt. Im Sommer 2014 kletterten die Kosten durch Mehraufwand für Statik und notwendige Auslagerung des Kinderhauses auf knapp 5,2 Millionen Euro. Der Startschuss für Umbau und Erweiterung fiel schließlich im Juni 2015. Die seinerzeitigen Kosten waren auf 5,91 Millionen Euro berechnet worden. Im März 2016 schließlich billigte der Gemeinderat die Gesamtkosten von knapp 6,8 Millionen Euro – 880 000 Euro mehr als seinerzeit im Haushalt ausgewiesen. Im April 2016 wurde schließlich gefeiert.

Das Familienzentrum Altstadt soll die Stadt Überlingen als familienfreundlichen Standort stärken.
Das Familienzentrum Altstadt soll die Stadt Überlingen als familienfreundlichen Standort stärken. | Bild: Reiner Jäckle

Das gesamte Projekt wurde in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt begleitet. Eines der wichtigsten Ziele war eine barrierefreie Erschließung des Gebäudes. Für die gestiegenen Kosten gab es mehrere Gründe: Die baulichen Anforderungen und der Raumbedarf waren gestiegen, zugleich waren immer gravierendere Bauschäden aufgetreten. Vieles davon sei erst nach und nach erkennbar gewesen, hatte Gruber im Gemeinderat im März 2016 gesagt.

Das Gebäude wurde um einen Gruppenraum für eine Kindergartengruppe sowie um ein neues Treppenhaus erweitert. Zuvor unbenutzte und kaum genutzte Räume wurden einer sinnvollen Nutzung zugeführt. Der hohe Dachraum wurde ausgebaut, im zweiten Dachgeschoss hat der Familientreff jetzt sein Domizil. Das Kinderhaus, das seit Frühjahr 2015 in einem Provisorium an der Schlachthausstraße untergebracht war, hat sich mit fünf Gruppen wieder im ersten Dachgeschoss eingerichtet. Im bislang als Lager genutzten Erdgeschoss befinden sich Bistro und Bewegungsraum sowie ein Büro für Beratungsangebote des Landratsamts Bodenseekreis.

Nach Mitteilung der Stadt wurde der Familientreff mit dem Kinderhaus im Familienzentrum „zu einem Dienstleistungszentrum mit einem Netz von attraktiven niederschwelligen Angeboten für Familien in allen Lebensphasen und -lagen verknüpft“. Familien fänden dort vielfältige Angebote von Begegnung, Betreuung, Bildung, Beratung, Information und Hilfe, die zuvor auf verschiedene Standorte verteilt waren. Das Familienzentrum stärke die Stadt Überlingen als familienfreundlichen Standort. "Es stellt neben dem breiten schulischen und kulturellen Angebot einen wichtigen weichen Standortfaktor für die expandierenden örtlichen Wirtschaftsunternehmen dar, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

“ Die seit vielen Jahren bestehende Kooperation beider Einrichtungen soll durch die räumliche Zusammenführung schrittweise weiter ausgebaut werden. So plant die Stadt weitere gemeinsame Angebote im Bereich der Elternbildung, der Gesundheits-, Ernährungs- und Bewegungsförderung beziehungsweise Angebote, "die sowohl Eltern der Kindergartenkinder als auch die Zielgruppe der Eltern aus ganz Überlingen nutzen können“.

Tag der offenen Tür

Das spitälische Gebäude Krummebergstraße 20 kann am Samstag, 7. Oktober, 13 bis 16 Uhr, besichtigt werden. Die Erzieherinnen des Kinderhauses St. Angelus sowie Mitglieder des Familientreffs Kunkelhaus erläutern in den Räumen ihre pädagogische Arbeit. Kinderliedermacher Olaf Schechten wird mit den Kindern singen. Außerdem können sie malen und Bewegungsangebote im Mehrzweckraum wahrnehmen. Gegen 14.30 Uhr findet eine Führung durch das Gebäude statt, Bilder aus der über 140-jährigen Geschichte des Kinderhauses St. Angelus und zum Bauverlauf werden gezeigt. Die Mitglieder des Familientreffs und die Eltern des Kinderhauses bieten im Bistro im Erdgeschoss Getränke sowie Kaffee und Kuchen an. Die Freiwillige Feuerwehr Überlingen versorgt die Gäste mit Würstchen und Pommes frites.