Familienunternehmen können eine Vorbildfunktion übernehmen, was das Thema Frauen in Top-Positionen angeht. Darin sind sich die Gastrednerinnen einig, die der Club Soroptimist zu seiner Reihe „Frauen-Leben“ in die Klinik Buchinger Wilhelmi eingeladen hat. Thema dieses Mal: Unternehmensnachfolge aus weiblicher Sicht.

Rege Diskussion auf dem Podium

Moderiert von den Soroptimistinnen Françoise Wilhelmi de Toledo, Petra Bekker und Karin Degner, entsteht eine rege Diskussion mit und zwischen den Wissenschaftlerinnen Daniela Jäkel-Wurzer und Dinah Spitzley, die auch Unternehmertöchter sind, und Alexa Hüni, seit 2016 in der Geschäftsführung des gleichnamigen Friedrichshafener Familienbetriebs.

Ex-Unternehmerin: "Bin wie ein Mann geworden"

Aus dem Publikum meldet sich später eine Überlinger Ex-Unternehmerin zu Wort und meint, so einen Austausch hätte sie sich früher gewünscht. Als Nachfolgerin eines Familienbetriebs sei sie nach 20 Jahren gescheitert: „Mit fehlte die weibliche Art zu führen, ich bin wie ein Mann geworden.“ Sie hätte sich ein Coaching gewünscht, das ihr gezeigt hätte, wie man „intelligent als Frau führen kann“, ohne sich auf männliche Art durchsetzen zu müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Drei Dinge, die nicht zusammenpassen: Unternehmen, Familie, Vermögen

Jäkel-Wurzer betont jedoch, dass es kein Patentrezept gebe, wie man als Frau ein Unternehmen führt. Dazu gebe es zu viele unterschiedliche Voraussetzungen. Überhaupt träfen bei einem Familienbetrieb drei Dinge aufeinander, „die eigentlich gar nicht zusammenpassen: Unternehmen, Familie und Vermögen.“ Da brauche es klare Vereinbarungen. Bei weitverzweigten Clans rät sie sogar zu einer Familiencharta, einem Regelwerk.

Rollenbild in der Familie als größte Herausforderung

Zwar folgten immer mehr Töchter nach, doch die größte Herausforderung für junge Frauen sei immer noch ihr Rollenbild in der Familie. So übernähmen auch Unternehmerinnen rund 65 Prozent der Familienaufgaben. Jäkel-Wurzer: „Es ist ganz wichtig, dass wir da eine echte Gleichberechtigung bekommen.“ Sie selbst machte sich, als sie ihr erstes Kind bekam, als Beraterin selbstständig. Ihr Vater hatte eine Firmentochter übernommen und ausgebaut, doch diese zu übernehmen, sei ihr mit 27 zu riskant gewesen, sagt Jäkel-Wurzer.

"Firma saß jeden Tag am Mittagstisch"

Alexa Hüni, die noch eine jüngere Schwester hat, wuchs im Familienbetrieb auf: „Bei uns saß die Firma jeden Tag am Mittagstisch.“ Ihre Eltern hätten ihr aber freie Berufswahl gelassen. „Ich fühlte mich immer als Teil des Unternehmens“, betont Hüni. Dennoch arbeitete sie nach dem Studium zuerst in Fremdbetrieben.

Erfahrung in anderen Betrieben "Gold wert"

Diese externe Berufserfahrung hält sie von großer Bedeutung. „Sie ist Gold wert.“ Etwa deshalb, weil sie sich, anders als ihr Vater, der immer Unternehmer war, auch sehr gut in Mitarbeiter hineinversetzen könne. Hüni räumt ein, dass es ihr dann doch mulmig war, als sie in den Betrieb einstieg. Aber als sie ihre Zweifel, auch begleitet von einem Coach, offen ausgesprochen habe, seien diese „schon zu Dreiviertel gelöst“ gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Ob die Hilfe von Beratern bei Unternehmensnachfolgen angenommen werde, sei ganz unterschiedlich, berichtet Spitzley aus ihrer Forschung. Und fügt hinzu: „Bei uns ist das eine Sache zwischen meinem Vater und mir.“ Ob sie dessen Betrieb einmal übernehmen wird, ist eine Option, aber noch nicht ganz sicher. Anders als bei Hüni, war ihr Verhältnis zum Vater nicht reibungslos. Als Dinah Spitzley 19 war, eröffnet er ihr, wie ihr weiteres Leben zu verlaufen habe: Praktikum, Studium, „dann zu mir in die Firma“.

Familienunternehmen "Last, aber auch Privileg"

Die Tochter rebellierte und wollte „erst mal weit weg“. So kam sie von Berlin nach Friedrichshafen. Ein Familienunternehmen sei immer eine Last, aber auch ein Privileg, findet sie. Sie balanciere auf der „Schneide zwischen Last, Stolz und der Chance, die damit verbunden ist“.

Und von der Mutter auf die Tochter?

Eine Besucherin fragt, wie es denn sei, wenn ein Unternehmen von der Mutter auf die Tochter übergehe. Jäkel-Wurzer meint lächelnd: „Das ist ein Thema, dem ich mich zukünftig gerne widme.“ Tatsächlich nähmen diese Fälle zu. Ihre vorläufige Antwort: „Nein, es ist genauso kompliziert, auf eine andere Weise.“ Hüni wirft die Frage auf, ob Familienunternehmen eine Vorreiterrolle in punkto weibliche Führungskräfte übernehmen könnten. „Auf jeden Fall“, bekräftigt Spitzley. Sie erzählt, wie schwierig es für sie gewesen sei, für einen Vortrag weibliche Nachfolgerinnen zu finden.

Zahl der Frauen in Spitzenpositionen wieder rückläufig

Jäkel-Wurzer berichtet sogar, dass in Deutschland die Zahl der Frauen in Spitzenpositionen in jüngster Zeit sogar wieder rückgängig sei. Frauen stießen beim Aufstieg immer noch an gläserne Decken. Aber, betont sie: „In Familienunternehmen sind diese Barrieren außer Kraft. Sie können der Welt da draußen zeigen: Es funktioniert, wenn Töchter ganz oben landen.“