Gekrönte Häupter gibt es hierzulande eher selten. Eine Krone setzte der Familientreff Kunkelhaus bei der Feier des eigenen Vereinsjubiläums nun allerdings einer Mitstreiterin auf, die von der Vereinsgründung vor 25 Jahren bis heute die gleiche verantwortliche Aufgabe innehat: Hanna Nothhelfer leitete in dieser Zeit stets die Vormittagsbetreuung und das Müttercafé. Bei einem Familientreff ist das alles andere als selbstverständlich, denn Kinder kommen und gehen hier, Eltern kommen und gehen. Diese Besonderheit nannte Vorsitzende Mirijam Geiger-Riess eine Erschwernis gegenüber der üblichen Vereinsarbeit, da diese für die aktiven Mütter – denn die seien es meist – ohnehin in eine Lebensphase besonderer Beanspruchung durch die Familien fallen. Umso wichtiger seien konstante Größen wie Hanna Nothhelfer, die für Kontinuität sorgten. Dazu trägt derzeit auch die Vorsitzende selbst bei, die inzwischen im vierten Jahr an der Spitze des Vorstands steht – mit wechselnden Mitstreiterinnen.

Krönung für Hanna Nothhelfer (rechts): Sie gehörte zu den Frauen der ersten Stunde im Verein und ist bis heute in veranmtwortlicher Position dabei. Wie schwierig es ist, solche Kontinuität aufrechtzuerhalten, machtren die ehrenamtliche Vorsitzende, Mirijam Geiger-Riess (links), und Martina Fahlbusch-Nährig als Fachkraft des Jugendamts deutlich.
Krönung für Hanna Nothhelfer (rechts): Sie gehörte zu den Frauen der ersten Stunde im Verein und ist bis heute in veranmtwortlicher Position dabei. Wie schwierig es ist, solche Kontinuität aufrechtzuerhalten, machtren die ehrenamtliche Vorsitzende, Mirijam Geiger-Riess (links), und Martina Fahlbusch-Nährig als Fachkraft des Jugendamts deutlich. | Bild: Hanspeter Walter

Bedürfnisse verändern sich

„Wir orientieren uns an den sich verändernden Bedarfen und Bedürfnissen der Überlinger Familien, den Eltern und ihren Kindern“, zitierte Geiger-Riess im Garten des neuen Familienzentrums das Credo der hauptamtlichen Fachkraft Martina Fahlbusch-Nährig, die schon kurz nach der Gründung dazu gestoßen war. Neben dem Babytreff, der Krabbelgruppe oder der Regelbetreuung, die zu den zahlreichen ständigen und festen Angeboten gehören, orientieren sich andere Themen an der Nachfrage bzw. den konkreten Wünschen. „Der zweitweise angebotene Zwillingstreff gehört genauso dazu, wie der bereits seit über zehn Jahren etablierte Mittagstisch von Birgit Payarolla oder die ‚Minis in Bewegung’,“ nennt die Vorsitzende einige Beispiele: „Oder zuletzt die Erweiterung um Bewegungsangebote für Schwangere und Mamas kurz nach der Geburt, die aufgrund der neuen räumlichen Gegebenheiten nach dem Umzug möglich wurde.“

"Der Familientreff stärkt die Erziehungskompetenz der Eltern und leistet eine wichtige Integrationsarbeit in der Stadt", sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler.
"Der Familientreff stärkt die Erziehungskompetenz der Eltern und leistet eine wichtige Integrationsarbeit in der Stadt", sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Nicht alles einfacher am neuen Standort

Nicht alles ist jedoch einfacher geworden an dem neuen Standort im Familienzentrum in der Krummebergstraße, räumt Martina Fahlbusch-Nährig ein, die unter anderem die „gute Raumatmosphäre“ unter dem Dach des historischen Gebäudes hervorhebt. Die Aufenthaltsqualität wüssten auch die Besucher des Familientreffs sehr zu schätzen. Arrangiert hätten sich diese inzwischen auch mit der veränderten Parksituation, die einen längeren Fußweg erforderlich macht. „Wir sind hier angekommen“, resümiert die Vertreterin des Jugendamts.

Allerdings steht dem Familientreff aufgrund der vorgeschriebenen strikten Trennung vom Kinderhaus St. Angelus in der Regel nur ein kleiner Anteil des außergewöhnlichen Gartens zur Verfügung, von dem aus sich ein grandioser Panoramablick über Stadt und See eröffnet. Eine wohltuende Ausnahme war das „kunkelbunte Fest“ zum Vereinsjubiläum daher für Eltern und Kinder des Familientreffs, denen hier einmal die ganze Grünanlage mit den Spielgeräten zur Verfügung stand. Fahlbusch-Nährig: „Wir sind auch mit der Stadt im Gespräch, wo wir das eine oder andere verbessern können.“

Kinder, Eltern und zahlreiche Mitstreiter der ersten Stunde waren gekommen. Manche Erinnerung sorgte für Heiterkeit.
Kinder, Eltern und zahlreiche Mitstreiter der ersten Stunde waren gekommen. Manche Erinnerung sorgte für Heiterkeit. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Anlaufstelle und Ansprechpartner für alle Familien

Gemeinschaft zu erleben und den Erfahrungsaustausch hatten die Verantwortlichen zu Beginn des Fest als wesentliches Element der Angebote im Familientreff herausgestellt. Das theoretische Statement wurde in den folgenden Stunden durch die bunte Mischung an Besuchern eindrucksvoll illustriert. Als Anlaufstelle und Ansprechpartner für alle Familien und deren Fragen da zu sein, ist das Hauptanliegen des Vereins. Das enorme ehrenamtliche Engagement des Vorstands und der anderen Aktiven im Verein stellten Oberbürgermeister Jan Zeitler und der Sozialdezernent des Bodenseekreises, Ignaz Wetzel, gleichermaßen heraus, den auch die Leiterin des Kreisjugendamtes, Simone Schilling, nach Überlingen begleitet hatte.

Kooperationsvertrag zwischen dem Verein Stadt

Denn seit dem Jahr 2000 besteht ein offizieller Kooperationsvertrag zwischen dem Verein der Stadt Überlingen und dem Bodenseekreis. „Sie bringen Ihr Know-how, Ihre Kraft und Ihre wertvolle Zeit zum Wohle des Vereins, zum Wohle der Familien und damit unserer Stadt ein“, erklärte OB Zeitler, hob aber auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Fachkräften hervor. Es biete den Eltern „wohnortnahe Beratung, Bildung, Betreuung und Kommunikationsmöglichkeit an einem Ort und aus einer Hand“. Der Familientreff stärke die Erziehungskompetenz der Eltern, betonte Zeitler, und leiste zudem „eine wichtige Integrationsarbeit in der Stadt – die Integration von Zugezogenen egal welcher Herkunft“. Das ganze Konzept und die Kooperation der drei Partner habe vor Kurzem auch Gemeinderäte aus Wangen/Allgäu beim Besuch in Überlingen stark beeindruckt, berichtete der OB stolz: „Das kannten sie vorher nicht in dieser Form.“