Alt werden will jeder, alt sein will keiner: Mit diesem Bonmot ließe sich der Hype einer Anti-Aging-Bewegung am besten beschreiben. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema will der Arbeitskreis Ethik am Helios-Spital Überlingen mit seinem fünften Forum leisten, dem er den Titel „Ermutigung zum Altwerden – Vom Anti-Aging-Hype und der Illusion ewiger Jugend zur Würde selbst gestalteten Altwerden“ gegeben hat.

„Schon seit mehreren Jahren kann man einen Anti-Aging-Hype beobachten, der sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt hat“, sagt Organisator Dr. Christian Kühnl, ehemals Ärztlicher Direktor am Helios-Spital und nach wie vor im Ethik-Arbeitskreis engagiert. Kühnl verweist auf aktuelle Forschungsberichte, die in den Medien bei vielen Menschen die Hoffnung nährten, dass der Alterungsprozess bald aufgeklärt, damit überwunden und das Leben nahezu unbegrenzt verlängert werden könne. Selbst in der seriösen Presse seien Titel wie „Für immer jung“ oder „Das Ende des Alterns“ zu lesen.

„Werden damit dem Altern und dem Leben älterer Menschen nicht die Achtung und Wertschätzung versagt“, fragt der Mediziner kritisch: „Und das Potenzial und die Gestaltungsfähigkeit alter Menschen unterschätzt?“ Antworten auf diese Fragen verspricht sich das Ethik-Forum unter anderem von Professor Andreas Kruse, dem Direktor des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg. Kruse spricht über Würde, Selbst- und Weltgestaltung im Alter und stellt Forschungsergebnisse und Erfahrungen zu den Fähigkeiten und dem Entwicklungspotenzial alter Menschen vor.

Mit den Chancen und Möglichkeiten einer geriatrischen Frührehabilitation befasst sich Dr. Marc Riemer, Chefarzt der Geriatrie am Helios-Spital, unter dem Stichwort Frühreha statt Pflegeheim. Sie könne älteren Menschen helfen, nach Operationen oder schweren Krankheiten schneller wieder ein selbstständiges und unabhängiges Leben zu führen.

Der Arbeitskreis Ethik besteht seit 2007 und hat sich zur Aufgabe gemacht, Patienten in ethischen Fragestellungen zu beraten und die Öffentlichkeit über wichtige Themen zu informieren. Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 5. November um 19 Uhr im Überlinger Kursaal.