Wir schreiben den 14. Oktober 2018. Auf den ersten Blick ein ganz normaler Sonntag. Nicht jedoch für Überlingen. Dann nämlich wird auf der Landesgartenschau in Lahr der "Überlingen-Tag" gefeiert und die Fahne für die nächste Gartenschau in Baden-Württemberg an die Große Kreisstadt am See übergeben. Spätestens ab dann beginnt die heiße Phase der Vorbereitungen für die erste Gartenschau am Bodensee, die vom 23. April bis 18. Oktober 2020, insgesamt also 179 Tage, in Überlingen stattfinden wird.

Doch schon jetzt schreiten die Planungen zügig voran. Annette Stoll-Zeitler, bei der LGS GmbH zuständig für die Ausstellungskonzeption, stellte am Dienstag bei der Bürgerinformation im Kursaal die Ideen für die Zeit der Landesgartenschau vor. Dabei handele sich nur "um eine allererste Idee", betont LGS-Pressesprecherin Petra Pintscher ausdrücklich in einer E-Mail an die Redaktion. "Die Arbeit daran geht intensiv weiter." Der derzeitige Stand der Planung sieht wie folgt aus:

  • Uferpark: Im Uferpark sollen vor allem die Natur und der See im Zentrum stehen, erklärt Annette Stoll-Zeitler. So könne sie sich hier den Nabu, den Forst, den Landkreis, Gewässerschutz, Fischereiverbände und auch die Kirche mit ihren Beiträgen vorstellen.
  • Kurgarten: Im Kurgarten sieht sie „eher feinere Gärten“ mit pflanzlichem Schwerpunkt. Zudem soll hier das Pflanzenhaus entstehen: "Wir sind gerade dabei, die Anforderungen für das Pflanzenhaus zusammenzutragen", erklärt Baubürgermeister Matthias Längin.
    Vermutlich im zweiten, "spätestens im dritten Quartal 2018", so Längin, solle der Spatenstich erfolgen. Allerdings wird das Pflanzenhaus im Ausstellungsjahr noch nicht als neue Heimat der renommierten Überlinger Kakteensammlung dienen, sondern als "Treffpunkt Baden-Württemberg", also als Plattform für die Beiträge des Landes. Denkbar sei, 2020 schon eine Vorhut der Kakteen im neuen Gebäude zu präsentieren. Die komplette Sammlung könne dann zum Ende der LGS ins Pflanzenhaus umziehen. "Das wäre ein wunderbarer Übergang", so Stoll-Zeitler. Zudem ist beim Kurgarten ein Steg mit schwimmenden Gärten vorgesehen.
  • Bodensee: Generell soll der See stark in die Ausstellungskonzeption einfließen: "Der See ist unser Star", sagt Stoll-Zeitler. Unter anderem ist eine Seebühne angedacht. "Das ist technisch eine Herausforderung, aber machbar", erklärt LGS-Geschäftsführer Roland Leitner. Noch stehe eine Freigabe durch das Landratsamt aus, aber "die Signale stehen auf grün", sagt Stoll-Zeitler. Fest steht schon jetzt, dass die Bühne nur temporär während der Ausstellungsmonate im See schwimmen dürfte. Da die generelle Richtlinie sei, das Bodenseeufer zu renaturieren, seien dauerhafte Eingriffe ins Ufer unerwünscht, erklärt Leitner.
  • Kapuziner: Die ehemalige Kapuzinerkirche sei "unser Objekt der Begierde für die Blumenausstellung", sagt Stoll Zeitler. Hier könnten die Floristen ihr Können mit prächtigen Blumengestecken präsentieren. Der Kapuziner sei "die absolut beste Möglichkeit" dafür, so Stoll-Zeitler.
    Das Problem: In den Sommermonaten finden dort auch kulturelle Veranstaltungen wie das Sommertheater und "Kultur im Kapuziner" statt. Mit den Organisatoren sei man bereits in guten Gesprächen für eine Alternativlösung.
  • Menzinger und Rosenobelgärten: Während es in den spitälischen Gärten um modernes Kleingärtnertum gehen soll, sind in den Menzinger Gärten „langsamen Themen“ eingeplant, hier könnten die Landfrauen oder die Imker eine Bühne finden.
  • Blatterngraben: Noch unsicher ist, ob der Blatterngraben Teil der Ausstellungsfläche wird. "Die Gräben sind schön, aber sie bieten noch einen Haufen Potenzial." Die Idee ist, das Stadtjubiläum mit Bildern an den Felswänden zu illustrieren. Generell ist das Stadtjubiläum als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Stationen vorgesehen – obwohl der Gemeinderat noch keinen Beschluss gefasst hat, ob denn nun tatsächlich 2020 oder erst drei Jahre später gefeiert werden soll. Doch schon stellt Annette Stoll-Zeitler klar: "Das ist keine Konkurrenz." Man würde den Bürgern und Vereinen durch die doppelten Festivitäten auf keinen Fall zuviel aufbürden. "Wir werden das gemeinsam schultern."

"Es sind viele kleine Projekte, die die Stadt durch ihre Vielzahl und ihre Verteilung enorm aufwerten", erklärt Annette Stoll-Zeitler. Und: "Wir wollen die Landesgartenschau direkt vor die Haustüre holen." Allerdings beginnt dann direkt vor der Haustüre der eintrittspflichtige Bereich. Denn auch Überlinger Bürger brauchen eine Eintrittskarte, um beispielsweise in die Rosenobel- und die Menzinger Gärten zu kommen.

Auch der Sandbergweg wird in den Ausstellungsmonaten gesperrt sein, wie mit Blatterngraben verfahren wird, steht noch nicht fest. Auch auf Ermäßigungen für Dauerkarten dürfen sich die Überlinger keine großen Hoffnungen machen. Rein rechtlich dürfe man den Einwohner der Ausstellungsstadt keinen Rabatt gewähren, erklärt Roland Leitner. Allerdings werde es Vorverkäufe in Überlingen geben, bei denen es Dauerkarten zu einem deutlich billigeren Preis gebe, als regulär. "Das ist das einzige Instrument, das wir haben." Oberbürgermeister Jan Zeitler gibt derweil zu bedenken: "Viele dieser Anlagen werden der Stadt dauerhaft erhalten bleiben. Da sollte es möglich sein, diesen Wermutstropfen ein halbes Jahr lang zu verkraften."

Eintrittspreise

Die Eintrittspreise in für die LGS in Überlingen werden sich auf einem "ähnlichen Niveau" (Leitner) bewegen, wie bei den vorherigen Landesgartenschauen in Öhringen 2016 und Lahr 2018. Zum Vergleich: In Öhringen kostet eine Tageskarte 16,50 Euro, in Lahr wird sie 18 Euro kosten. Die Preise für reguläre Dauerkarten liegen bei 100, bzw. 110 Euro für Erwachsene, und 200, bzw. 225 Euro für eine Familie mit zwei Erwachsenen mit beliebig vielen Kindern. Im Vorverkauf waren die Dauerkarten in Öhringen 15 Euro (Erwachsene) und 30 Euro (Familie) billiger. In Lahr sind Ermäßigungen von bis zu 25 Euro (Erwachsene) und 50 Euro (Familie) vorgesehen. (mde)