Ein letzter Salto. Das Zeichen an die Wettkampfrichter. Das Publikum applaudiert und der Lauf ist vorbei. Egal, ob alles perfekt lief oder nicht, jeder wird von den anderen Teilnehmern bejubelt und abgeklatscht. Beim ersten Parkour-Contest in Überlingen in der Wiestorhalle am vergangenen Sonntag zeigten insgesamt 14 Teilnehmer ihr Können. Der Wettkampf, der von der lokalen Parkour-Gruppe "FRB Freerun" zusammen mit dem Jugendforum Überlingen organisiert wurde, war mit etwa 50 Zuschauern gut besucht.

Die 14 Teilnehmer hatten jeweils 60 Sekunden Zeit einen sogenannten "Run" zu absolvieren. Als "Run" wird eine Abfolge von Tricks und Sprüngen über Hindernisse bezeichnet. Der Hinderniss-Parkour bestand unter anderem aus zwei Recks, mehreren verschieden großen Kästen, einem Podium und Bodenmatten. Je kreativer der Lauf und je schwerer und origineller die Tricks waren, desto mehr Punkte wurden von der fünfköpfigen Jury vergeben. Zu den beliebtesten Tricks zählten beispielsweise Vorwärts-und Rückwärtssalti sowohl von Turnkästen als auch vom Reck und Flick-Flack-Variationen. Nach der ersten Runde wurde aus den besten sechs Teilnehmern das Finalistenfeld zusammengestellt.

Mitten im Rückwärtssalto: Contest-Gewinner Dennis König beim ersten Parkour-Wettkampf in der Überlinger Wiestorhalle.
Mitten im Rückwärtssalto: Contest-Gewinner Dennis König beim ersten Parkour-Wettkampf in der Überlinger Wiestorhalle. | Bild: Julian Paulsen

Obwohl es am Ende natürlich nur einen Gewinner geben konnte, war jeder Durchgang der Finalisten beeindruckend. Am Ende entschied Dennis König den Contest mit einem spektakulären "Run" für sich. "Es hat echt Spaß gemacht und die Leute waren gut drauf. Typisches Freerunner-Business", resümierte König nach dem Wettkampf.

Auch bei den Zuschauern kam die Vorführung der akrobatischen Künste der Wettkämpfer sehr gut an. "Wenn Jugendliche selber etwas auf die Beine stellen, dann ist da die Motivation gleich viel höher", sagte Besucher Timo Metzger. "Das ist dann für alle eine Mehrgewinn. Sie können sich verwirklichen. Es wird für jeden jubiliert. Es ist wirklich eine tolle Sache!", lobte Metzger den Contest. Moderator Julian Gröllich, ein Mitglied von "FRB Freerun", war mit dem Ergebnis und dem Zuschauerinteresse sehr zufrieden. Es solle eine jährliche Veranstaltung werden und: "Wir wollen es immer größer aufziehen."

Die Idee, einen Parkour-Contest zu veranstalten, habe sich aus dem Bedürfnis entwickelt, Parkour und Freerunning in der Region bekannter zu machen. Über Gröllich war die Gruppe mit dem Jugendforum Überlingen in Kontakt gekommen, erzählt Jonas Nussbaum, ebenfalls Mitglied von "FRB Freerun". Letztes Jahr hätten sie schon zwei Parkour-Shows aufgeführt. Ebenfalls setzen sich "FRB Freerun" und das Jugendforum Überlingen dafür ein, dass im Rahmen der Landesgartenschau 2020 ein Parkour-Park gebaut wird. Die Arbeit der Gruppe wird zusätzlich von dem Verein zur Förderung der Jugendarbeit unterstützt.

Auch geht es der Gruppe darum, Vorurteile und Halbwissen gegenüber dem Sport entgegenwirken. Daher wollen die Jugendlichen ihren Sport noch bekannter und vor allem verständlicher machen.

 

Wer den Sport kennenlernen will, kann immer freitags, von 18 bis 20 Uhr, beim Training der Parkourläufer des TV Überlingen in der Wiestorhalle vorbeischauen.


Das ist Parkour

Die Sportart Parkours, wie man sie heute kennt, entstand Ende der 1980er Jahre in dem Pariser Stadtteil Lisses. Als Gründer gilt der Franzose David Belle (1973). Durch seinen Vater erlenrnte er früh die Méthode Naturelle, das Standard-Training des französischen Militärs. Diese Methode passte Belle an das urbane Umfeld der Pariser Vororte an und entwickelte es entsprechend weiter. Parkourläufer werden oft als Traceure bezeichnet (franz. für "der, der eine Linie zieht"). Das Ziel bei Parkour ist es so schnell und effizient wie möglich von einem Punkt zum anderen zu kommen. Somit unterscheiden sich Parkour und Freerunning grundlegend voneinander. Während Parkour auf Effizienz fokussiert ist, geht es beim Freerunning um die besonders kreative Ausgestaltung eines Laufes mit verschiedenen Tricks. Oft werden die beiden Disziplinen jedoch als Synonym benutzt.

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