Der neue Uferpark, der derzeit im Zuge der Landesgartenschau im Westen der Stadt entsteht, liegt zu einem großen Teil auf einer Aufschüttung aus Molassegestein. Zwangsarbeiter hatten es vor rund 65 Jahren während der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs beim Bau der zur Unterbringung von Rüstungsbetrieben vorgesehenen Stollen aus der Felswand geholt und in Loren zum nahen See transportiert. Mindestens 243 Arbeiter kamen um, 97 davon sind auf dem KZ-Friedhof nahe der Klosterkirche Birnau bestattet.

Gedenktafel im Uferpark geplant

Auch auf dem Gartenschaugelände des Uferparks selbst sollen die Besucher ab dem kommenden Jahr an diese leidvolle Geschichte und die Entstehung der Anlage erinnert werden. Dazu plant der Verein Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen eine Gedenktafel mit kurzen Informationen an zentraler Stelle auf dem Boden. Damit die Menschen sie nicht übersehen, ist in unmittelbarer Nähe eine dreidimensionale abstrakte Skulptur vorgesehen. Wie sie aussehen könnte, darüber beriet der Verein anhand einiger grober Ideenskizzen eines Grafikbüros.

Mitglieder des Vereins Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen diskutieren erste Skizzen, wie eine Skulptur im Uferpark als Hinweis auf die Gedenkstätte aussehen könnte. Von links Hansjörg Straub, Brigitte Mohn, Renate Müller, Oswald Burger und Hans Kley.
Mitglieder des Vereins Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen diskutieren erste Skizzen, wie eine Skulptur im Uferpark als Hinweis auf die Gedenkstätte aussehen könnte. Von links Hansjörg Straub, Brigitte Mohn, Renate Müller, Oswald Burger und Hans Kley. | Bild: Hanspeter Walter

Mehrere tausend Besucher jährlich entdecken den Goldbacher Stollen auf verschiedenen Wegen und kommen zu den Führungen des Vereins durch die riesigen düsteren Gänge im Molassefels. Einmal pro Monat – an jedem ersten Freitag – finden feste öffentliche Fügungen statt. Ohne besondere Werbung fanden sich auch am 7. Juni wieder mehr als 60 Interessenten aus nah und fern vor den Stahltüren zum Stollen ein, um sich von Thomas Hirthe rund 90 Minuten lang die Hintergründe dieser Anlage zeigen und deren Geschichte erläutern zu lassen. Manche haben sich schon vorab informiert, der unmittelbare Eindruck ist dennoch für alle bewegend.

Bisher Betreten auf eigene Gefahr

Eine Vielzahl von Führungen findet Jahr für Jahr auf Wunsch und nach Vereinbarung für individuelle Gruppen statt. Warum der Stollen nicht frei begehbar ist, erläuterte Hirthe gleich zu Beginn mit einer Warnung: „Die Anlage ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und Sie betreten den Stollen auf eigene Gefahr.“ Weder die Bundesrepublik noch der Verein übernähmen eine Haftung. Umso wichtiger ist der Schutzhelm, den jeder Besucher beim Betreten tragen muss.

Rund 60 Besucher kamen bei der letzten öffentlichen Führung durch die Stollenanlage, die jeden ersten Freitag im Monat angeboten wird. Thomas Hirthe (rechts) erläutert die Hintergründe.
Rund 60 Besucher kamen bei der letzten öffentlichen Führung durch die Stollenanlage, die jeden ersten Freitag im Monat angeboten wird. Thomas Hirthe (rechts) erläutert die Hintergründe. | Bild: Hanspeter Walter

Im Jahr der Landesgartenschau will der Verein erstmals täglich kurze Öffnungszeiten des Stollens anbieten. Dazu arbeitet eine Gruppe um Brigitte Mohn, Hansjörg Straub und Thomas Hirthe an einem neuen Konzept, um die wichtigsten Informationen auch ohne Führung an die Besucher zu vermitteln. Im Moment werde an eine zweistündige Öffnungszeit täglich gedacht, sagt Vorsitzender Oswald Burger. Dazu ist eine Präsenz von Ehrenamtlichen erforderlich. Über die fünf bestehenden Tafeln hinaus soll am Eingang das Herunterladen eines Hörtextes mit den wichtigsten Hintergrundinformationen ermöglicht werden.

Erster Hauptstollen soll frei zugänglich sein

Aufgrund des erwähnten Haftungsausschlusses soll nur der erste Hauptstollen frei zugänglich sein, der Rest der Anlage für Besucher abgesperrt werden. Dies ist insofern erforderlich, da die verwinkelte Anlage nach wie vor auf insgesamt 3,6 Kilometern zu Fuß begehbar ist. Diese Ausmaße sollen den Interessierten zumindest multimedial vermittelt werden. Noch besteht eine gewisse Skepsis, inwieweit das Angebot angenommen werden wird. Doch will der Verein flexibel auf die Situation reagieren.

Erinnerungskultur niederschwellig vermitteln

„Mir ist es wichtig, diese Erinnerungskultur niederschwelliger zu vermitteln“, sagt Vereinsmitglied Renate Müller. „Viele wissen noch immer nicht, was es mit dem Stollen auf sich hat. Noch etwas ratlos waren die Mitglieder des Vereins, was die Gestaltung der Skulptur im Uferpark angeht. Ad acta gelegt wurde die ursprüngliche Idee, eine Lore aufzustellen, wie sie zum Abtransport des Gesteinsmaterials vom Stollen zum See genutzt worden war. „Es steht zu befürchten, dass die Lore vor allem dazu genutzt wird, seinen Müll los zu werden“, mutmaßte Oswald Burger. Dies werde der Idee nicht gerecht. Festhalten will der Verein allerdings an dem dreidimensionalen künstlerischen Zeichen, das auf die Gedenkplatte hinweist. Ein Stahlbogen, der den Stolleneingang symbolisiert, wurde allerdings verworfen.

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