Fallen die Bäume oder nicht? Nachdem sich die "Bürgergemeinschaft für Überlinger Bäume im Westen", kurz BÜB, gegründet hat, um einen Bürgerentscheid über den Erhalt der Platanenallee und die Ufermauer herbeizuführen, hat nun die Stadt klar Stellung bezogen. In einem von der Stadtverwaltung selbst geführten Interview halten Oberbürgermeisterin Sabine Becker, Baubürgermeister Matthias Längin und Grünflächenamtsleiter Rolf Geiger an der vom Gemeinderat im Januar beschlossenen Rahmenplanung fest und sprechen sich klar gegen einen erneuten Bürgerentscheid aus.

Ein Bürgerpark mit direkt Seezugang sei klarer Wunsch der Bürger gewesen. Dafür müssten Platanen und Mauer weichen. Ein Erhalt der Bäume beim Abriss der Mauer sei technisch nicht möglich, heißt es im Pressetext. Die Stadtverwaltung fürchtet gar, dass Abweichungen von der Gesamtplanung das Gesamtprojekt Landesgartenschau 2020 mit dem Bürgerpark gefährden könnten. Zum einen könnte der Terminplan nicht eingehalten werden, zum anderen befürchtet die Stadtverwaltung vor allem erhebliche finanzielle Nachteile, sollte der Rahmenplan geändert werden. "Die Förderkulisse, die sich der Stadt auftut, würde in sich zusammenbrechen."

Aufgrund der geplanten ökologischen Aufwertung des Ufers könne die Stadt mit einer zusätzlichen Förderung aus der „Gewässerrenaturierung“ in Höhe von 1,75 Millionen Euro rechnen. Diese Subventionierung würde beim Erhalt der Ufermauer und der Platanenallee wegfallen. "Die Landesgartenschau könnte nicht stattfinden. Das wäre schlimm für Überlingen", sagt OB Becker. "Am schlimmsten aber wäre der Imageschaden. Das Land und andere Städte würden nur noch den Kopf schütteln. Verheerend wären auch die Spätfolgen. In Zukunft müsste sich Überlingen bei allen Förderungen ganz hinten anstellen. Das darf nicht passieren. Die Landesgartenschau 2020 in Überlingen muss stattfinden."

Das sehen auch die Gemeinderatsfraktionen der SPD und der FWV/ÜfA so. In Stellungnahmen sprechen sich beide Fraktionen deutlich gegen ein Bürgerbegehren aus. "Die Verantwortlichen der LGS brauchen in dieser Phase dringend unsere Unterstützung für das Vorhaben und nicht Sperrfeuer", heißt es im Schreiben der SPD, in dem sie der BÜB einen Generalangriff auf die Landesgartenschau vorwerfen. "Die Betreiber eines Bürgerbegehrens geben vor, dass es ihnen nur um eine Änderung bei einer Mauer und einer Straßenplatanenallee gehe, sie aber zur LGS stünden. In Wirklichkeit geht es für sie um einen Angriff gegen die Planung von Frau Mommsen insgesamt. Gewollt ist ein anderer Bürgerpark West und damit verbunden eine andere LGS."

Zwar könne man der Informationspolitik der Stadt kritisch gegenüberstehen, der Vorwurf einer Unterdrückung von Bürgerbeteiligung sei aber in keinster Weise gerechtfertigt. In Richtung BÜB heißt es weiter: "Sie haben die mit großem Aufwand, Kosten und Engagement drei Jahre lang vorangebrachte Entwicklung der LGS abgewartet, um nach Ablauf der Bindungsfrist des Bürgerentscheids ihre mit altbackenem Material gefüllte Bombe hochgehen zu lassen. Die Unfähigkeit weniger Personen, mit ihrer Ansicht in der Minderheit sein zu können, darf nicht dazu führen, die LGS zu gefährden."

Ähnlich argumentiert Fraktion von Freie Wähler und Überlingen für Alle. Die Mitglieder können nicht nachvollziehen, woher die jetzige Kritik komme, die Pläne seien in der Vergangenheit mehrfach erörtert und erklärt worden. "Es muss für jedermann klar erkennbar und nachvollziehbar gewesen sein, dass bei den geplanten Aufwertungen und positiven Veränderungen nicht alles so bleiben kann wie es bisher war.

Deshalb könne sich die Fraktion "weder inhaltlich noch vom Zeitablauf mit dem Bürgerbegehren zu den Platanen und zur Ufermauer identifizieren." Ein Bürgerbegehren bringe nach Meinung der Fraktion die Durchführung der Landesgartenschau in große Gefahr. Zudem befürchten die Ratsmitglieder, dass die verantwortlich Landschaftarchitektin Marianne Mommsen bei massiven Veränderungen an ihrem Entwurf, nicht mehr weiter als Planerin der LGS zur Verfügung stehen könnte. "Dies bedeutet, dass viel Geld und Energie in den Sand gesetzt werden", schreibt die Faktion.