Sind wir mal ehrlich, die Baracken an der Überlinger Füllenwaid gelten zwar offiziell als Notunterkunft, fungieren aber de facto längst als Obdachlosenheim. Die langen Unterbringungszeiten sprechen Bände. Die randstellige Unterbringung verbirgt unseren Blick auf das Elend. Die Ränder halten aber eine Gesellschaft zusammen, darum lohnt es sich, genau dort hinzusehen. Menschen, entsorgt am Entsorgungszentrum Füllenwaid, so fühlten sich die Frauen: Das sagt der Sozialarbeiter Thomas Buneta. Wenn Buneta in diesem Zusammenhang von „Müllkippe“ spricht, dann ist das polemisch, weil die Füllenwaid keine Müllkippe mehr ist, aber er meint es bildlich. Und deshalb die Frage: Lassen wir das zu und schauen unbeschwert zu den Blumen der Landesgartenschau? Ohne zu moralisieren wird klar, hier muss was passieren. Aber klar ist auch, sieht man die Situation auf dem Überlinger Wohnungsmarkt, mag man an Wohnungen für wohnsitzlose Frauen nicht glauben, so sehr sich Buneta das auch wünschen mag. Auch Oberbürgermeister Jan Zeitler kann diese nicht aus dem Hut zaubern, aber der OB sagt, er sei über die jetzige Lage nicht glücklich. Vom Glück sind wir wahrscheinlich noch weit entfernt, aber ein rasches und umfangreiches Handeln scheint unabdingbar. Eine Unterbringung wie die „Herberge“ in Friedrichshafen wäre vielleicht eine gute Alternative.