Überlingen – "Wir freuen uns schon ganz arg auf die Flüchtlinge", sagt Judith, eine junge Mutter aus Überlingen. Sie hängt im Hinterhof eines städtischen Mietshauses in der Innenstadt gerade die Wäsche auf. Sie wird die Wäscheleine demnächst mit einer syrischen Großfamilie teilen. "Auch die Kinder freuen sich schon, die werden dann hier zusammen mit den syrischen Kindern spielen." Wann die denn endlich kommen werden, fragt sie etwas ungeduldig. "Das wird ein ganz lustiges Multikulti hier, unsere Türen stehen offen."

Die neue städtische Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte, Elke Dachauer, hat sich in den vergangenen Tagen persönlich bei den Nachbarn vorgestellt und über den Einzug der Flüchtlinge in dem städtischen Mehrparteienhaus informiert. Wo genau dieses Haus liegt, möchte die Stadtverwaltung derzeit nicht öffentlich bekanntgeben, um Rückschlüsse zu vermeiden, wird auch der Nachname von Judith nicht genannt. Geplant ist, dass im Zuge der Anschlussunterbringung Syrer in die Wohnung einziehen werden. Die künftigen Bewohner haben also schon erste Deutschkenntnisse sowie ein Aufenthaltsrecht und eine Arbeitserlaubnis.

"Die müssen jetzt aus eigener Kraft selbstständig werden", sagt Raphael Wiedemer-Steidinger bei der Vorstellung der Wohnung und verweist auf zwei Probleme: Die Flüchtlinge brauchen Arbeit und eine eigene Wohnung. "Bis sie beides gefunden haben, bleiben sie erst einmal hier." Die kleine Wohnung wurde frei, da die bisherigen Mieter ausgezogen sind. 50 Quadratmeter Wohnfläche stehen zur Verfügung. Bei der Anschlussunterbringung sind sieben Quadratmeter Wohnfläche pro Person Standard, berichtet Oberbürgermeisterin Sabine Becker. "Damit können wir hier maximal sieben Personen unterbringen", rechnet sie vor und ergänzt: "Wir werden hier auch definitiv sieben Personen unterbringen, wir brauchen jeden Platz."

Ideal wäre eine siebenköpfige Großfamilie, aber auch zwei Familien mit je drei und vier Mitgliedern können hier untergebracht werden. "70 Prozent der bereits untergebrachten Flüchtlinge wohnen in städtischen Wohnungen, 30 Prozent in privaten", sagt Wiedermer-Steidinger. "Vor einem Jahr hätte ich das nicht gedacht, so viele private Objekte angeboten zu bekommen." Obwohl der Stadt schon viele Wohnung angeboten wurden, appellieren die drei an die Überlinger: "Wir können das nicht ohne die Mithilfe der Bürger schaffen, wir brauchen noch mehr private Wohnungen!" Mit jeder in einer Wohnung untergebrachten Person werden weniger provisorische Wohncontainer benötigt.

Mitarbeiter des Werkhofes haben die städtische Wohnung für die Anforderungen hergerichtet und eine kleine Einbauküche eingebaut. Auch Etagenbetten und provisorische Schränke stehen zur Verfügung, aus dem Fundus der Feuerwehr stammen die zwei Tische und Stühle im Wohnzimmer. Den Rest bringen die Flüchtlinge mit, inklusive der Matratzen. Die Vorbereitungen für den Einzug der syrischen Nachbarn laufen, bald kommen sie. Auf der Wäscheleine im Hinterhof flattert derweil die Wäsche im Wind. Demnächst wird hier auch syrische Wäsche trocknen.

 

Anschlussunterbringung

Etwa 80 anerkannte Flüchtlinge leben in der Anschlussunterbringung in Wohnungen in Überlingen. Bis Jahresende werden noch weitere 180 Flüchtlinge untergebracht werden müssen, meist syrische Familien. Diese Flüchtlinge haben Deutschkenntnisse und eine Arbeitserlaubnis. Die Unterbringung soll soweit möglich in städtischen und privaten Wohnungen erfolgen. (dle)