Die Idee zum Buch „Alemannisch-Deutsch – 1000 Mal Alemannisch“ kam durch einen Leserbrief und einen alemannischen Ausdruck, den die Nachbarin nicht kannte. Ernst Obermaier las die Geschichte über die rote Bank am Mantelhafen, auf den sich SÜDKURIER-Redaktionsleiter Stefan Hilser im Sommer zur Mittagszeit für Gespräche mit Lesern hinsetzte. In einem Leserbrief merkte Obermaier an, dass selbst die „Bänklefurzer“ diese Bank meiden würden, da sie nicht auf den Bodensee, sondern auf den Hafen ausgerichtet ist.

Was denn ein „Bänklefurzer“ sei, wollte seine Nachbarin Renate Paul wissen. Die Sächsin wohl schon seit rund 20 Jahren im Badischen, hatte den lokalen Begriff für Rentner noch nicht gelernt. Ernst Obermaier, selbst ein sogenannter Reigschmeckter und aus dem Bayerischen stammend, war darüber äußerst überrascht. „Das habe ich nicht verstanden. Ich habe sofort ein Konzept geschrieben.“ Das hat er seinem Freund Dieter Stein geschickt, mit dem er schon zuvor ein Buch realisiert hatte. „Mit dir mache ich alles, hat er mir geantwortet.“

Der „Bänklefurzer“ gab den Anstoß für das Wörterbuch.
Der „Bänklefurzer“ gab den Anstoß für das Wörterbuch. | Bild: Werner Oppelt

Verliebt in Überlingen

Seit 42 Jahren lebt Obermaier in Überlingen. Der gebürtige Bayer ist mit einer Badenerin aus Sankt Georgen verheiratet. „Ich bin verliebt in Baden. In die ganze Mentalität.“ Richtig alemannisch Schwätzen kann er nicht. „Die Aussprache gelingt mir ned ganz so. Aber ich verstehe jedes Wort.“ Und es ist ihm ein Anliegen, dass der Dialekt, der von Ort zu Ort unterschiedlich ist und keine einheitliche Schreibweise hat, gepflegt wird und erhalten bleib. „Dialekt ist wieder im Kommen“, ist sich Ernst Obermaier sicher. Und: „Dialekt ist viel feingliedriger. Man kann viele Sachen gar nicht übersetzen.“ Deshalb lohne es sich, den Dialekt zu erhalten.

Zumindest eine Hand voll Wörter sollten Zugezogene beherzigen, findet er. Dazu gehören unter anderem
„i-Dipfele“, zu Deutsch „Höhepunkt“ oder „Dipfleschießer“ als Ausdruck für einen pingeligen Menschen. Wenn etwas rübergereicht werden soll, sollte man den Satz mit „dädsch mer“ (zu Deutsch „würdest du“) anfangen, sonst gehört man zur Gruppe der „uflädigen“ Menschen, also den unhöflichen Menschen. Nicht zu verwechseln mit „das Mensch“, darunter ist ein „Weib mit schlechtem Ruf“ zu verstehen.

Bislang hat Ernst Obermaier Krimis und Freizeitplaner geschrieben.
Bislang hat Ernst Obermaier Krimis und Freizeitplaner geschrieben. | Bild: Navid Moshgbar

Manche Wörter erschließen sich einem schnell, wie „Heimed“ für Heimat, andere Worte wie „heldig“ für „steil“ muten einem, der das Alemannische nicht beherrscht, als eher fremd an. Beim Probedruck des Buchcovers schlich sich zunächst ein Fehler ein. Im Lektorat in Norderstedt wurde der Buchstabendreher nicht bemerkt. Statt „munkelebru“, worunter der Südbadener dunkles Braun versteht, stand zunächst „munkekbru“.

Den Fehler hat Obermaier angemerkt, doch beim nächsten Probedruck stand „munkelbru“. Die ‚le-Endung ist dem Norddeutschen vermutlich nicht geläufig. Ein in Bayern geborener Überlinger hat die Fehler korrigiert. Sein Wörterbuch erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit, betont Obermaier. Das kann das 32 Seiten starke Heft nicht leisten. Es ist als humorvolle Publikation gedacht, mit Zeichnungen von Werner Oppelt: Zum Beispiel von einem „Bänklefurzer“ auf einer Bank.

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