Aus planerischer Sicht hielte es Roland Leitner nach wie für einen Fehler, auch der ökologische Wert sei sehr begrenzt: Dennoch lenkt der Geschäftsführer der Landesgartenschau 2020 GmbH in der neu aufgekommenen Diskussion um die Fällung einer Platanenallee ein. „Wir anerkennen die emotionale Seite der Debatte und wollen nicht stur an einer Planung festhalten, um irgendetwas durchzusetzen“, teilte er gestern mit. Ein Teil der Platanenallee könne erhalten bleiben, sagte Leitner nach Rücksprache mit der Planerin, Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen. Auch auf dem Gelände des bisherigen Campingplatzes könne man der eine oder andere Baum stehen bleiben, den man aus gestalterischen Gründen bisher fällen wollte. Dahinter stehe der Wunsch, „die aktuelle Diskussion zu beruhigen“.

Stadtverwaltung erstattet Strafanzeige

Unterdessen erstattete die Stadtverwaltung Strafanzeige gegen Dirk Diestel, einen der Kritiker der Baumfällaktion. Er soll, so der Vorwurf, das abgesperrte Campingplatzgelände betreten haben, um einen Trauerflor an zu fällende Bäume zu tackern. Aus Sicht der Rathausverwaltung ein Fall von Hausfriedensbruchs.
 

Im Gegensatz dazu geht die Landesgartenschau GmbH auf ihre Kritiker zu. Platanen in der Kurve am Campingplatz, auf der nördlichen Straßenseite Richtung Bahnübergang, sollen demnach doch stehen bleiben. Es handelt sich um acht bis neun Bäume einer längeren Allee. Alle anderen Bäume, die entlang der Bahnhofstraße bis zur Villenbebauung stehen, müssten im Zuge der Geländemodellierung aber gefällt werden, sagte Leitner. An der Planung zum Abriss der Ufermauer wolle man ebenfalls festhalten. Erstens seien Fördermittel davon abhängig, zweitens sei es technisch schwierig, einen Teil stehen zu lassen. Drittens wäre es in seinen Augen „ein sehr starker gestalterischer Bruch“.

„Ich bin von der Planung überzeugt“, unterstreicht Leitner seine Position, die der Gemeinderat im Januar abgesegnet hatte – von der er heute aber annimmt, dass sie bei einem Teil der Bürger noch nicht richtig angekommen sei. Es entstehe „ein nutzbarer Park, der landschaftlich ein ungeheures Potenzial bietet“, betont er. Die „Unruhe und schlechte Stimmung können wir uns nicht mehr leisten“. Mit „wir“ meine er sowohl die Verantwortlichen in der Landesgartenschau GmbH und im Rathaus, aber auch die Bürger. „Wir wollen doch alle das gleiche: Dass es der Stadt besser geht.“ Nach Abschluss der Entwurfsplanung sei es an der Zeit, „ans Eingemachte zu gehen“, sich gemeinsam mit den Bürgern mit der genaueren Ausgestaltung des Geländes für das Jahr 2020 zu beschäftigen, der Spielelandschaft beispielsweise. Hierfür sei ein Budget „im sechsstelligen Bereich“ fix eingeplant. Auch alle weiteren Kosten seien berechnet und mehrfach geprüft worden. Demnach sei das veranschlagte Budget von 10,8 Millionen Euro noch nicht völlig ausgeschöpft. „Wir haben noch 400.000 Euro Luft.“

Aus der Kostenberechnung resultiert das Honorar für Planerin Mommsen. Sollte sich herausstellen, dass die Kosten nach den Ausschreibungsergebnissen steigen, bliebe das Honorar laut Honorarordnung unverändert. Für die Daueranlagen im Uferpark West errechnete die LGS GmbH Projektkosten einschließlich aller Baunebenkosten in Höhe von brutto 7,933 Millionen Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Bomben-Sondierung, die Leitner mit „rund einer halben Million Euro“ beziffert. Für die Daueranlagen am Mantelhafen liegen die Projektkosten bei 1,973 Millionen Euro und für eine optionale Treppe zum Mantelhafen bei 0,189 Millionen Euro.

Eine Bürgerinformation zu den aktuellen Plänen veranstaltet die LGS GmbH am Mittwoch, 18. Mai. Beginn 19 Uhr im Kursaal.
 

Anzeige gegen Dirk Diestel

Dem Überlinger Bürger Dirk Diestel flatterte vergangene Woche eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs ins Haus. Ihm wird vorgeworfen, einen Bauzaun übertreten zu haben, um auf dem abgesperrten Gelände des stillgelegten Campingplatzes Trauerflor an zu fällenden Bäumen anzubringen. Auf Frage nach den Beweggründen, Strafanzeige zu erstatten, teilte der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Raphael Wiedemer-Steidinger, mit Verweis auf das laufende Verfahren mit, dass er nur in allgemeiner Weise antworten könne. Er schreibt: "Die Möglichkeit, als Bürger zu protestieren, gehört seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland zu den Grundrechten ihrer Bewohner. Dies begrüßt auch die Stadt Überlingen. Die Bürgerproteste überschreiten aber ihre zulässigen Grenzen, wenn die Rechts- und Gesetzeslage in Deutschland dabei missachtet wird." Diestel räumt ein, die Trauerfloraktion organisiert zu haben, an der sich rund zwölf Leute beteiligt hätten. Zu der Frage, ob er selbst den Campingplatz betreten habe, wollte er sich "mit Blick auf das laufende Verfahren" nicht äußern. Zunächst habe er an einen Aprilscherz gedacht, nun sei er enttäuscht, wenn die Stadt versuche, "auf diese Weise kritische Bürger zu überzeugen". (shi)